Annäherung an die Orgel

Gabriele Zahn

Von Gabriele Zahn

Mi, 06. Februar 2019

Waldkirch

Das bundesweite Projekt "Königskinder" startete in Waldkirch mit einer Konfirmandengruppe.

WALDKIRCH. Die Konfirmanden aus dem gesamten Elz- und Simonswäldertal kamen zusammen, um sich mit der Königin der Instrumente, der Orgel, zu beschäftigen. Orgelbau und Orgelmusik ist ja inzwischen offiziell Weltkulturerbe. Die Aktion war der Start des bundesweiten Projekts "Königskinder", bei dem Kinder und Jugendliche an Kirchenorgeln herangeführt werden.

Kirchenorgeln gibt es überall in Deutschland, aber immer weniger junge Leute kennen sie und ihren Klang, da für viele der früher selbstverständliche Kirchenbesuch heute entweder zur Seltenheit geworden ist oder sie gar keiner christlichen Kirche angehören. Das Projekt "Königskinder" will Kinder mit Orgeln, ihrer Technik, ihrem Klang und der Musik, die man auf ihr spielen kann, bekannter machen.

Orgelbaumeister Wolfgang Brommer erklärt den Konfirmanden, dass es in Waldkirch zwölf Kirchenorgeln gibt, im gesamten Elztal etwa 20 und bundesweit mehr als 50 000. In Europa gebe es auch in anderen Ländern noch recht viele Orgeln, Richtung Osten werden Kirchenorgeln immer seltener.

Die Konfirmanden aus Simonswald und dem gesamten Elztal sind in Begleitung der drei Pfarrer Christian Lepper, Therese Wagner und Barbara Müller-Gärtner nach Waldkirch gekommen, um mehr über Orgeln zu erfahren. Wolfgang Brommer erzählt ihnen, dass es die ersten orgelartigen Instrumente bereits vor etwa 2500 Jahren gab. Belege dokumentieren, dass damals mit Hilfe von "Wind" Klänge erzeugt wurden. Das wichtigste Merkmal einer Orgel sei die Pfeife. Die Pfeife sei wie eine Blockflöte. Die Atemluft, die in die Flöte geblasen werde, sei der Wind. Jede Pfeife erzeuge einen bestimmten Ton.

Die Unesco hat Orgelbau und Orgelmusik zum Weltkulturerbe ernannt, betont Brommer: "Ihr habt hier Weltkulturerbe. Das ist schon ’was Besonderes." Er bittet die Konfirmanden, herauszufinden, wie viele Pfeifen die Orgel der evangelischen Kirche hat. Das Manual hat 56 Tasten, das entspreche einem Register. Dann gibt es beispielsweise das Register des Prinzipals in vier verschiedenen Tonhöhen, das Register der Flöten in zwei Tonhöhen, und das Register der Trompeten. Die Konfirmanden lachen über den quakenden Klang der Trompetenpfeifen. Sie zählen 896 Pfeifen, die über das Manual angesprochen werden. Hinzu kommen die fünf Register, die über die 30 Pedale bedient werden können. Summa summarum zählen die Konfirmanden 1046 Pfeifen unterschiedlichster Bauart, Klänge und Tonhöhen.

Die Orgel in der evangelischen Kirche wurde 1975 von der Firma Weigle gebaut und habe ein neobarockes bis modernes Klangkonzept, urteilt Brommer. Schließlich zückt er ein Metermaß. Die längste Pfeife misst etwa 2,50 Meter zuzüglich 0,42 Meter Pfeifenfuß – also rund 2,90 Meter. Die Pfeife mit dem höchsten Ton misst 0,9 Zentimeter (plus Fuß). Der höchste Ton hat eine Tonhöhe, die nicht jeder hören kann. Vielen Konfirmanden ist der Ton unangenehm. Der tiefste Ton hingegen kann auch mit dem Körper, vornehmlich dem Brustbereich, wahrgenommen werden.

"Orgelspiel ist ganz einfach", animiert Wolfgang Brommer, sich mit der Orgel intensiver auseinanderzusetzen, "beim Orgelspiel muss man nur zum richtigen Zeitpunkt die richtige Taste drücken", grinst er. Zum Abschluss vermittelt Organistin Min Woo den Konfirmanden noch die Klangfülle der Orgel.

Die Veranstaltung war der Start des Projekts "Königskinder". Die Gruppe Konfirmanden erhielt hierzu einen Orgelkoffer, gefüllt mit Anschauungs- und Unterrichtsmaterial, einer Pfeife, einer Klangprobe und vielem mehr, zur weiteren Beschäftigung mit dem Instrument. Der Koffer kostet in der Anschaffung 500 Euro. Zur Unterstützung des Projekts spendete "Stadtorgler" Karl-Heinz Kury insgesamt zwei dieser Orgelkoffer. Gefördert wird das Projekt auch von der Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Waldkircher Orgelstiftung und Sponsoren. An der Organisation beteiligt sind neben der Waldkircher Orgelstiftung der Bund Deutscher Orgelbaumeister die Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands und weitere Institutionen. Die beim Kirchenbesuch gewonnenen Merkmale der Orgel der evangelischen Kirche Waldkirch werden in der Kirche als Orgelporträt ausgehängt und in eine Online-Datenbank der Deutschen Orgelstraße eingepflegt. Zum Abschluss des Projekts vor Ort ist ein Orgelkonzert speziell für Kinder und Jugendliche vorgesehen.

Info: Bundesweit können sich Schulklassen und Jugendgruppen der Altersgruppe Klassenstufe 5 bis 10 für das Projekt bewerben. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Finanzierung der 50 Orgelkoffer für dieses Jahr ist gesichert. Für nächstes Jahr werden noch Sponsoren gesucht.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es unter http://www.koenigskinder.online.