Auf dem Herrenwegle Neues lernen

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Do, 17. März 2016

Waldkirch

Der Waldlehrpfad in Waldkirch wurde durch sechs neue Tafeln ergänzt.

WALDKIRCH. Im Wald am Stadtrainsee kann man sich nicht nur erholen, sondern auch etwas lernen: Seit ein paar Tagen hängen hier sechs neue Tafeln, die den bereits vorhandenen Waldlehrpfad ergänzen und sich speziell mit dem Potenzial von Bäumen beschäftigen.

Geschaffen wurden die Tafeln von Diana Casar, die in Winden lebt und in Denzlingen in einer Gärtnerei tätig ist. Die 28-jährige Fachagrarwirtin und Gärtnermeisterin hat im Rahmen eines Stipendiums der Stiftung für Begabtenförderung der deutschen Landwirtschaft dieses Projekt realisiert. In Zusammenarbeit mit dem städtischen Forstbetrieb wurden auch Waldkircher Besonderheiten herausgearbeitet.

"Lieber Naturfreund, willkommen im Wald der stillen Riesen", beginnt der Text der ersten Tafel, der man sich vom Schwarzwaldzoo her auf dem Herrenwegle nähert: "Jeder Baum lebt. Durch seinen Stamm fließt reichlich Wasser, hoch in die Baumkronen. Über seine Zweige und Blätter hinaus verdampft es und kühlt dabei die Luft. So schenken die Bäume bei Hitze den angenehmsten Schatten der Welt". Um die Wälder der Erde dreht sich eine weitere Tafel, die den prozentualen Waldanteil in unterschiedlichen Staaten zeigt. Dass der Waldanteil in Kanada nicht höher ist als in Deutschland, hätte vielleicht noch mancher gewusst, aber dass der in Waldkirch doppelt so hoch (60 Prozent) ist wie der deutsche Durchschnitt?

Auf weiteren Tafeln erfährt man Informatives über den Wasserhaushalt im Wald, die Funktion des Waldes für den Erosionsschutz sowie als Werkstoff- und Energielieferant. Zwei Tafeln widmen sich der Geschichte des Waldes: Ohne Zivilisation wäre in Waldkirch wohl überall Wald. Schon im 13. Jahrhundert begannen hier die ersten Kahlschläge, um Flächen für Nahrungsmittelanbau zu gewinnen. Im 14. Jahrhundert entstand das erste Sägewerk in Waldkirch, im 16. Jahrhundert wurde nach einem großen Stadtbrand jede Menge Holz für den Wiederaufbau der Häuser benötigt. Das Bauholz wurde auch wichtiges Handels- und Exportgut. Kein Wunder also, dass der Wald immer mehr schrumpfte, zumal der Vieheintrieb dafür sorgte, dass auch neue Bäume nicht nachwachsen konnten.

1752 war fast kein Wald mehr in Waldkirch vorhanden, erfahren interessierte Betrachter der Tafeln. Erst ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland die ersten Gesetze zum Erhalt des Waldes. Es begann der Weg zu einer Waldwirtschaft, die dem Wald nur so viel entnahm, wie auch nachwachsen konnte. Das gilt bis heute fort: Aller zehn Jahre wird geprüft, ob diese Grundsätze weiter eingehalten werden und ein neuer "Forsteinrichtungsplan" verfasst, wie Dieter Loos erläutert.

Für Diana Casar ist der Wald aber mehr als die Ansammlung von Bäumen. "Jeder Baum ist lebendig. In unser eiligen Zeit brauchen die Menschen Zeit zum Durchatmen. Das finden sie hier". Für sie selbst sei der Stadtrain in Waldkirch einer ihrer Lieblingsplätze – und damit steht sie ganz sicher nicht allein. Auch ihr nächstes Projekt wird sich mit dem Wald beschäftigen. Sie schreibt an einem Buch, das den Titel tragen soll "Erde die atmet, und Bäume, die sprechen".