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14. Juli 2017

Brillante Sommer-Matinee

Pianist William Cuthbertson zeigt sich virtuos und stilsicher vom Barock bis zur Moderne.

  1. Ganz der klassische Pianist: William Cuthbertson in Frack und Lackschuhen. Foto: Regina Lorenz

WALDKIRCH. Technische Brillanz in drei gänzlich unterschiedlichen Musikstilen auf aparte Art und Weise dargeboten – dies war zusammengefasst die diesjährige Sommer-Matinee von "Musik im Museum": William Cuthbertson spielte Bach, Schubert und Ravel.

Man kann sagen: Für jeden etwas dabei. Die rasende Schnelligkeit von Bach, die melodische Liedhaftigkeit Schuberts und die facettenreiche Dynamik in den Werken von Maurice Ravel fanden viele Zuhörer an einem heißen Sonntagmorgen im Barocksaal des Elztalmuseums.

Drei Jahrhunderte umfasste das Programm. Es begann am Anfang des 18. Jahrhunderts mit der Partita c-Moll von Johann Sebastian Bach. Höfisch, sachlich, fast unemotional zu Beginn stand vor allem die Technik im Vordergrund. Mit Leichtigkeit flitzten die Finger des Pianisten über die Tasten. Klare Töne statt schwelgerischem Pomp.

Den gab es dann mit Schubert etwa ein Jahrhundert später. Die Sonate A-Dur D 664 zählt zu den beliebtesten Klaviersonaten. Der Komponist widmete sie Josephine von Koller, die er während eines Aufenthaltes in der Steiermark 1819 kennen- und als "gute Pianistin" schätzen lernte. Durch reichlichen Pedaleinsatz hallten die liedhaften Melodien im Barocksaal wieder. Nun kam auch mehr Bewegung in das unaufdringliche Spiel des Pianisten. William Cuthbertson ist kein Mann der großen Gestik und Mimik. Seine Virtuosität liegt ganz in seinen Händen. Spätestens im Andante verliert man sich in den Melodien, fühlt einfach nur mit. Tempowechsel lassen mitfiebern oder mitschwelgen im Walzerspiel.

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Mit einem Walzer beginnt auch – nach einer kurzen Pause – die Triologie der Stücke von Maurice Ravel. Nun ist das Programm endgültig in der Moderne des 20. Jahrhunderts angekommen. Schon in den ersten Anschlägen wird der totale Stilwechsel deutlich. Auch wenn Cuthbertson erklärt, "Valses nobles et sentimentales" sei von Ravel als eine Hommage an Schubert gedacht. Doch zunächst einmal beginnt die Reihe von acht Walzern typisch "ravelesk" disharmonisch und wie mit der Brechstange. Aber Ravel wäre nicht Ravel, wenn es neben dem verstörenden, aufwühlenden nicht auch leichte, leise oder melancholisch-träumerische Töne gäbe. Es ist dabei eine Freude dem Tastenspiel des Pianisten zu zuschauen: Durch übereinander gelegte oder verschränkte Hände, mit einem Finger oder allen beherrscht der in Waldkirch lebende Brite den Flügel.

Als zweites Ravelstück hat Cuthbertson "Pavane pur une infante défunte" mitgebracht. Eine Pavane ist ein Schreittanz, der besonders in der italienischen und spanischen Gesellschaft des 16. und 17. Jahrhunderts populär war. So kommt das Stück auch recht melancholisch und würdevoll daher. Wie von Ravel gewünscht sehr langsam intoniert, geht es zu Herzen und man sieht die kleine Prinzessin, die sich im Tanze dreht direkt vor sich. Zum Schluss geht es noch einmal zur Sache: Blitzschnell nicht nur auf den Tasten, sondern auch im Umdrehen der Notenblätter bewältigt der Pianist bravourös die "Alborada del gracioso": Das Morgenlied des Narren aus dem Zyklus "Miroirs".

Dann ist die Reise vom Barock über die Romantik in die Moderne beendet und das Publikum dankt mit langanhaltendem Applaus. Cuthbertson ist vorbereitet und spielt als Zugabe eine kurze Prelude von Bach – spannenderweise von Rachmaninoff bearbeitet.

Autor: Regina Lorenz