Computerzugang und Internet für alle

usk

Von usk

So, 14. Januar 2018

Waldkirch

Der Sonntag Elztäler Computertruhe gibt Rechner an Bedürftige.

Der Verein "Computertruhe" in Waldkirch setzt ausrangierte, gespendete Rechner für bedürftige Menschen instand. Für die Lagermiete sammelt der Vorstand Spenden.

Die von fünf Elzpiraten – so nennt sich im Landkreis die Piratenpartei – ursprünglich im Netzwerk Flüchtlinge initiierte Computertruhe ist heute ein gemeinnütziger Verein mit 19 Mitgliedern. Seit Projektstart im April 2015 wurden rund 400 Computer an bedürftige Menschen im Landkreis Emmendingen und in der Stadt Freiburg vermittelt. Ein Initiator, der im nordrhein-westfälischen Lemgo die gleiche Idee hatte, schloss sich Anfang 2017 mit einer Außenstelle an.

"Computer und Internetzugang sind kein Luxus, das gehört heute zur Grundversorgung wie Wasser und Strom", sagt Vorstandsmitglied Annette Linder, die beruflich als Physiotherapeutin arbeitet. "Schulkinder und Sprachkursteilnehmer bekommen Lern-CDs, die man nur mit Laufwerk nutzen kann. Wer Arbeit sucht, muss Bewerbungen schreiben, und viele Informationen bekommt man nur über das Internet", ergänzt Julia Fiedler, von Beruf Lehrerin für musisch-technische Fächer. Der Zugang zu Wissen dürfe nicht vom Geldbeutel abhängen.

Damit auch mittellose Menschen die digitale Technik nutzen und sich damit gesellschaftliche Teilhabe erschließen können, investieren die fünf Vereinsaktiven neben Fulltimejobs und Familienleben viel freie Zeit: Die von Privatleuten oder Firmen ausgemusterten Rechner müssen von den Informatikern Marco Rosenthal, André Martens und Clemens Fiedler gereinigt und getestet, die alten Daten überschrieben werden.

Fachlich kooperiert die Computertruhe mit regionalen Entwicklergruppen für freie Software und mit der PC-Initiative Elztal, die bei Anwenderfragen hilft und ehrenamtlich Kurse veranstaltet. In Flüchtlingsunterkünften, wo die Rechner oft gemeinschaftlich genutzt werden, arbeitet die Computertruhe mit Helferkreisen zusammen. Als Nächstes soll in der Teninger Gemeinschaftsunterkunft der Internetzugang verbessert werden. "Inzwischen konnten wir mit 453 gespendeten Computern weit über 1000 Menschen – darunter vielen Familien und Wohngemeinschaften – einen Rechnerzugang ermöglichen", sagt Marco Rosenthal. Wer ein Notebook benötige, müsse leider ein Jahr lang warten, da hier die Wiederverwertbarkeit viel geringer sei. "Wenn wir die Computer abgeben, hören wir die Lebensgeschichten der Leute – viele interessante und auch traurige", erzählt Rosenthal weiter. "Es ist toll, zu sehen, wie die Computer genutzt werden und weiterhelfen", ergänzt Fiedler.

Für potenzielle Anbieter gilt: Auf jeden Fall nachfragen, bevor man etwas entsorgt. Computermäuse gehören mit Lautsprecherboxen und Headsets zur meistgesuchten Hardware. Windows-Lizenzen sind willkommen, weil mancher sie für spezielle Software braucht. Auch Geldspenden helfen. "Wlan-Adapter zum Beispiel müssen wir regelmäßig dazu kaufen", sagt Rosenthal.

Über die gemeinnützige Spendenplattform betterplace.org sammelt der Vorstand derzeit für die Jahresmiete des Lagerraums. Wer die Vereinsarbeit mit Sachspenden unterstützen möchte oder selbst Computerbedarf hat, findet auf der Website des Vereins ein Kontaktformular (http://www.computertruhe.de usk