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20. Mai 2017

Der Baum als Problemkind

Straßen- und Kanalschäden durch Wurzeln standen im Blickpunkt einer Ortsbegehung in Kollnau.

  1. Ortsbegehung des Ortschaftsrats mit Bürgern und Verantwortlichen aus Stadtverwaltung und Technischen Betrieben in Kollnau. Kurz nach dem Rundgang brach eine beim Rundgang schon deutlich zu sehende tiefe Delle im Asphalt endgültig durch. Foto: Fotos: Sredniawa/Hünerfeld

  2. Foto: Johannes Hünerfeld

WALDKIRCH. Mit einer Ortsbegehung durch das Gebiet auf der Au begann die jüngste Ortschaftsratssitzung in Kollnau. Gemeinsam mit Tobias Brenzinger (Tiefbau der Stadtverwaltung) und Wolfgang Rother (Technische Betriebe) begutachteten die Räte und Ortsvorsteherin Gabi Schindler zusammen mit interessierten Bürgern Schäden an Straßen und Gehwegen. Weil das Thema auch in Suggental immer wieder eine Rolle spielt, kam sogar eine kleine Delegation mit Ortsvorsteherin Kusz von dort nach Kollnau.

Erörtert wurden vor allem Verkehrssicherungspflichten, die die Stadtverwaltungsmitarbeiter bei Nichterfüllung vor Haftungsfragen mit empfindlichen Folgen stellen können. Sowohl Rother als auch Brenzinger betonten, dass deshalb regelmäßige Kontrollen an den Wegen, Straßen und Bäumen vorgenommen werden.

Die Bäume in Kollnau seien weitgehend gesund, schätzte TBW-Chef Wolfgang Rother ein, aber man beobachte, dass durch längere Trockenperioden der Wurzeldruck steige: Die Bäume finden kein Wasser mehr in der Tiefe und versuchen ihre Wurzeln daher an der Oberfläche großflächiger zu verteilen, um dort Wasser aufzunehmen. Nur ist bei Straßenbäumen an der Oberfläche oft nur eine kleine Fläche rund um den Baum nicht asphaltiert. Die Folge: Die Wurzeln drücken die Gehwege und Straßen nach oben und zerstören deren Oberfläche.

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Hier kommt dann die Verkehrssicherungspflicht ins Spiel: Werden die Aufbrüche zu groß, müssen sie repariert werden. Oft geschieht das durch neue Asphaltauftragungen, aber bis es so weit ist, behilft man sich auch immer wieder mit dem Warnschild "Stolperstellen". Eine Alternative sei auch, neben dem Baum den Asphalt zu entfernen und Forstmischung aufzubringen – so könne der Weg in Ordnung gebracht werden, ohne die Baumwurzeln zu beschädigen.

Und plötzlich war ein Loch im Gehweg

Gleichwohl sei man am Nachdenken darüber, welche Bäume mittelfristig an den Straßen entfernt werden sollten. Zum einen gebe es immer wieder Beschwerden der Anwohner, die sich um das viele Laub kümmern müssen. "Auch eine Straßen- oder Kanalsanierung hat keinen Sinn, solange der Baumbestand noch steht", verdeutlichte Brenzinger. Das Aufgraben würden die Bäume in aller Regel wegen Schäden an den Wurzeln nicht überleben. Man versuche eine Abwägung zu treffen zwischen dem Erhalt der Bäume und der nötigen Straßen- oder Kanalsanierung – sowie den Reparaturnotwendigkeiten im gesamten Stadtgebiet.

Nach einer Sanierung könnten eventuell neue, schlankwachsende Bäume, wie Amber, in spezielle "Baumquartiere" eingepflanzt werden, wo die Wurzeln Platz haben und Nährstoffe aufnehmen können – Kostenpunkt pro Baumquartier: rund 3000 bis 4000 Euro. Eine andere Alternative seien Ersatzpflanzungen an anderer Stelle. In Kollnau sei so etwas in der Nähe des Friedhofs geplant, wo die Bäume mehr Platz haben zum Wachsen.

Mehrere Anwohner aus der Eduard-Trabold-Straße klagten zum wiederholten Male über den Lärm, der vor allem durch Lastkraftwagen, Baufahrzeuge und Krane aus dem Gewerbegebiet entsteht, wenn diese über die Schlaglöcher fahren beziehungsweise springen. "3.45 Uhr geht’s los, da steht man im Bett", so eine Anwohnerin, die auch darauf hinwies, dass die großen Fahrzeuge beim Abbiegen immer wieder Schäden an Zäunen und Blumenkübeln verursachen.

Noch während die Ortschaftsratssitzung lief, in der Anwohner auch berichteten, dass es in ihren Häusern immer wieder Wassereinbrüche gebe, kam es in der Eduard-Trabold-Straße zu einem Asphaltdurchbruch. Dabei entstand ein Loch von etwa 30 mal 30 Zentimetern Umfang und mehr als 30 Zentimetern Tiefe. Das untermauerte die Befürchtungen der Anwohner, dass Wasser aus beschädigten Leitungen austritt, den Gehweg unterspült und in Gebäude eindringt. Die TBW stopften das Loch bereits am nächsten Tag, aber eine grundsätzliche Sanierung der Straße samt Leitungen steht laut Tobias Brenzinger aktuell nicht im Fünf-Jahres-Plan.

Autor: Sylvia Sredniawa