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02. Mai 2013

Duales Ausbildungssystem ist Doppelerfolgsmodell

Den Teilnehmern einer internationalen Delegation wurde bei Sick verdeutlicht, wie Betrieb und Jugendliche profitieren.

  1. Ausbilder Niko Zimmermann stellte der internationalen Delegation die betriebsinterne Ausbildungswerkstatt von Sick vor. Foto: Gabriele Zahn

WALDKIRCH/FREIBURG (zg). Wie können arbeitssuchende in Ausbildung gebracht werden und welche Unterstützung brauchen Unternehmen dafür? Dieser Frage gehen im Projekt "Viable Ways" vier Einrichtungen aus den Ländern Großbritannien, Portugal, Ungarn und Deutschland nach. Ziel ist, ein Leitbild für bessere Berufsorientierung zu entwickeln. Der vierte internationale Austausch fand jetzt in Freiburg statt, mit Besuch der Firma Sick und der Agentur für Arbeit in Freiburg.

Berufsorientierung hat in Europa viele Facetten. Eine Berufsschule aus Portugal, ein Bildungsträger aus England, eine Arbeitsagentur aus Ungarn und die BBQ-Berufliche Bildung gGmbH aus Deutschland haben sich vor zwei Jahren zusammengetan mit dem Ziel, Konzepte zu entwickeln, wie in den einzelnen Ländern die Berufsbildungssysteme verbessert werden können. Beim jüngsten Treffen lag der Fokus auf dem dualen System. Sick-Ausbildungsleiter Benno Bohn und zwei Azubis der Firma Sick stellten den Teilnehmern vor, was darunter zu verstehen ist. Die Besonderheit des Dualen Systems ist, dass die Auszubildenden die in der Schule erlernte Theorie sogleich im Betrieb in der Praxis testen können. Dies führe zu einer höheren Motivation der Azubis. Dasselbe gelte für Studenten von Berufsakademien. Betriebe können so Arbeitskräfte kennenlernen und prüfen, ob sie langfristig zum Betrieb passen.

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Dass Betriebe ausbilden, hängt mit dem Fachkräftemangel in Deutschland zusammen, berichtete Bohn auf Nachfrage. Die Firma Sick gehe bereits in Kindergärten, um dort zu zeigen, "wie sexy Technik ist", damit sich später genügend gute Bewerber für Berufe mit Fachkräftemangel entscheiden, erläuterte Benno Bohn den Gästen.

Die Berufsorientierung in Großbritannien ist ähnlich. Auch dort gibt es Kooperationen zwischen Schule und Unternehmen, damit Jugendliche über ein Praktikum in Ausbildung kommen.

In Portugal beträgt die Jugendarbeitslosigkeit etwa 35 Prozent. "Gefühlt sind es 80 Prozent", berichtet ein Teilnehmer, das Problem, Jugendliche in Arbeit zu bringen, sei drängend. Die Jugendlichen erlernen auf einer Berufsschule einen Beruf und machen dort Praktika. Danach sind viele der Schulabgänger arbeitslos. Ungarn hat etwa 20 Prozent Jugendarbeitslosigkeit. In Ungarn ist die Berufsausbildung hauptsächlich theoretisch mit wenig praktischen Erfahrungen. Seit kurzem gibt es in Ungarn ein neues Instrument mit Job-Garantie, bei dem der Staat das Gehalt der Jugendlichen finanziert, denn Jugendliche mit Praxiserfahrung sind auf dem Arbeitsmarkt interessanter. "Das ist ein Schritt Richtung duales System", urteilte Silke Jäger-Warnecke von BBQ.

Im nächsten Schritt wollen die Projektpartner von "Viable Ways" ein Leitbild erstellen, wie in den Ländern die Bildungsorientierung verbessert werden kann und auch, wie sich Jugendliche im Ausland für einen Beruf qualifizieren können.

Autor: zg