Ein Schatz, der allen zugute kommt

Sylvia Timm

Von Sylvia Timm

Sa, 21. März 2015

Waldkirch

TAG DES WASSERS: Waldkirch speist 1,19 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr ins Netz ein / 1000 Liter kosten 1,97 Euro.

WALDKIRCH. Am morgigen 22. März ist Weltwassertag – seit 1993 wird er auf Initiative der Vereinten Nationen an diesem Datum begangen, in diesem Jahr unter dem speziellen Schwerpunktthema "Wasser und nachhaltige Entwicklung". Während anderswo auf der Welt die Wasserversorgung mangelhaft ist und damit gerechnet wird, dass dieser Mangel zunehmend auch Grund für kriegerische Auseinandersetzungen werden wird, ist in Waldkirch die Welt in Ordnung. Eine Rundfahrt mit den Wassermeistern Dirk Surdmann und Uwe Geng.

WASSER AUS DEM WALD

Wer sich in Waldkirch auf Wassersuche begeben will, braucht zunächst ein geländegängiges Fahrzeug und einen Schlüsselbund. Das Fahrzeug deshalb, weil die 24 Quellen im Kandelwald, in Kollnau und im Dettenbach weit verteilt in bergigem Gelände liegen, die höchste von ihnen – die Rauquelle – in 838 Metern Höhe am Kandel, abseits der Fahrstraße. Und einen Schlüsselbund benötigt man, weil man sonst kein einziges Tröpfchen des künftigen Trinkwassers zu Gesicht bekommen würde: Die Quellen, die für die Wasserversorgung der Stadt genutzt werden, sind nicht offen zugänglich, sondern umbaut. Zu den Anlagen haben nur die Wassermeister Zutritt, damit das Wasser so ungestört wie möglich – vor allem ohne Eingriffsmöglichkeiten von Außenstehenden – seinen Weg nehmen kann.

Überwacht wird die Wasserfassung und -qualität hauptsächlich im Gebäude der Stadtwerke, die für Waldkirch die Betriebsführung für die Wasserversorgung übernommen haben. Regelmäßig sind die Wassermeister Dirk Surdmann und Uwe Geng aber auch im Gelände unterwegs, um die Anlagen zu überprüfen und instandzuhalten, oder ringsum im Wald die Augen offen zu halten nach möglichen Gefahrenquellen für das Trinkwasser, beispielsweise wild abgelagertem Müll.

104 Hektar groß ist das Wasserschutzgebiet in Waldkirch. Über technische Anlagen wie Quellschächte, Druckunterbrecher und rund 28 Kilometer Quellleitungen gelangt das Wasser in die zehn Hochbehälter der Stadt, die nicht nur der Wasserspeicherung dienen, sondern vor allem dem Druckausgleich im Netz sämtlicher Stadtteile. 90 Kilometer Rohrleitungen führen dort bis in die Straßen, weitere 52 Kilometer bis zu den Häusern. Geng, seit 1984 Wassermeister, und Surdmann, seit 1988 dabei, kennen das Wassernetz wie ihre eigene Westentasche.

WASSER MIT GESCHICHTE

Heutzutage wird die Stadt Waldkirch zu zwei Dritteln aus "eigenem Wasser", also Quellwasser aus den Schutzgebieten, versorgt und zu etwa einem Drittel vom Wasserzweckverband Mauracher Berg, wo das Trinkwasser aus Tiefbrunnen gewonnen wird. Blickt man in die Geschichte zurück, erfährt man, dass es im Stadtgebiet Waldkirch seit 1867 eine öffentliche Wasserversorgung gibt. Viele der Quellleitungen liegen noch heute unter dem Waldboden und dienen zuverlässig ihrem Zweck. Erheblich investiert wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder in die Quellfassungen, Schächte und Druckunterbrecher, da hier das Wasser noch recht kohlensäurehaltig ist und die früher üblichen Betonbehälter angriff. Inzwischen kommen hier deshalb verstärkt Kunststoffe zum Einsatz. Immer wieder erneuert werden müssen die unter Druck stehenden Leitungen im Stadtgebiet.

1,19 Millionen Kubikmeter Wasser wurden 2014 ins Waldkircher Netz abgegeben, davon 419 668 Kubikmeter vom Mauracher Berg. Ist der Winter recht schneefrei oder auch der Rest des Jahres sehr trocken, muss entsprechend mehr vom Zweckverband bezogen werden; 500 Kubikmeter sind die Mindestabnahme pro Tag vom Verband, damit das dort geförderte Wasser nicht in den Leitungen steht.

SAUBERES WASSER

Über verschiedene, vor allem mechanische Aufbereitungsstufen werden aus dem Waldkircher Quellwasser Schwebstoffe abgesetzt. Die Kohlensäure wird in Jurakalkfiltern gebunden. Damit wird das sehr weiche und wenig kalkhaltige Quellwasser auch etwas aufgehärtet und der pH-Wert (Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht) eingestellt, erzählen Geng und Surdmann im Hochbehälter "Wisserswand neu". Von diesem Hochbehälter aus wird das Wasser direkt ins Wohngebiet Wisserswand und Schänzlegebiet sowie zum Hochbehälter Elz und St. Michael weitergeleitet. Das Trinkwasser wird weitaus häufiger und strenger kontrolliert als jedes Mineral-, Tafel- oder Heilwasser, betont Stadtwerkechef Dieter Nagel. Aktuell liegt die neue Wasseranalyse für Waldkirch vor und ist in Flyern bei den Stadtwerken erhältlich. Die Wasserhärte – beispielsweise wichtig beim Bemessen von Waschmittel – reicht von 1,97 Grad Deutscher Härte in Siensbach bis 5,4 in Buchholz/Suggental und ist damit als "weich" einzuordnen.

GÜNSTIGES WASSER

Trinkwasser in Waldkirch ist nicht nur ein gut kontrolliertes Lebensmittel, sondern auch ein günstiges: 1,97 Euro brutto (plus Zähler) kosten ein Kubikmeter beziehungsweise 1000 Liter Wasser. Die Waldkircher verbrauchten 2014, einschließlich Gewerbe, etwa 127 Liter pro Tag.