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05. Mai 2015 15:41 Uhr

Rettungseinsatz mit der I.S.A.R.

Ein Waldkircher in der Vorhut der Rettungskräfte in Nepal

Von einem Hilfseinsatz im Erdbebengebiet in Nepal ist gerade der Waldkircher Gerd Habel zurückgekehrt. Habel war dort als Mitglied der I.S.A.R. Germany, auf Anforderung der vereinten Nationen als Baufachberater im Einsatz.

  1. I.S.A.R.-Kräfte im Einsatz Foto: I.S.A.R. Germany

  2. Gerd Habel im I.S.A.R-Einsatz Foto: zvg

  3. Gerd Habel hat in Nepal von seinen Kollegen dort eine provisorische Geburtstagstorte erhalten. Foto: I.S.A.R. Germany

  4. Gebäudeerkundung (rechts Gerd Habel) Foto: I.S.A.R. Germany

  5. I.S.A.R.-Kräfte im Einsatz Foto: I.S.A.R. Germany

  6. Krankentransport in Nepal. Foto: zvg

  7. Gerd Habel in Nepal Foto: zvg

Die Spezialisten der I.S.A.R kommen aus den Bereichen Katastrophenschutz, Feuerwehr und Rettungsdienst sowie dem BRH-Bundesverband Rettungshunde. I.S.A.R. Germany ist für entsprechende Einsätze von der UN-Unterorganisation Insarag zertifiziert. Habel war in Nepal als einer von drei Baufachberatern im Einsatz – und als einziges baden-württembergisches Mitglied der I.S.A.R. Germany.

Zimmermann und Rettungshundeführer

Der 42-jährige Zimmermann, der im normalen Leben in einem Elzacher Betrieb tätig ist, kennt sich mit Rettungseinsätzen aus. Schon viele Jahre lang ist er Rettungshundeführer in der BRH-Rettungshundestaffel Breisgau-Ortenau und dort auch im Vorstand tätig. Der I.S.A.R. (International Search and Rescue) gehört er seit anderthalb Jahren an. Der Einsatz in Nepal war jetzt sein erster Auslandseinsatz. Nur wenige Stunden nach dem Erdbeben der Stärke 7,8 in Nepal wurde er für den Rettungseinsatz angefordert. Abflug in Frankfurt in fünf Stunden!

Standsicherheit der Gebäude einschätzen

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In Kathmandu wurden die ehrenamtlichen Hilfskräfte in Gruppen eingeteilt. Zunächst war Gerd Habel kurz in Gorkha, zur Versorgung von Erdbebenopfern, dann aber die meiste Zeit in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Dort war er zusammen mit einem Holländer und einem Briten im Team dafür zuständig, die Standsicherheit beschädigter Gebäude einzuschätzen, ehe die Häuser von Rettungshunden und/oder Helfern betreten werden durften, um Verletzte oder Tote zu suchen. Auch die Möglichkeit einer weiteren Nutzung öffentlicher Gebäude war durch I.S.A.R.-Kräfte zu beurteilen. "Das ist jeweils abhängig vom verwendeten Baumaterial – ob zum Beispiel Stahl und Beton verwendet wurden oder Lehmziegel, aber auch von der Art der Schäden", erläutert Habel. Handelt es sich nur um Risse oder gefährden beispielsweise weggebrochene Zwischenwände die gesamte Statik des Hauses?

Rund um die Uhr im Einsatz

Wie Gerd Habel berichtet, wurden durch das Erdbeben vor allem die in traditioneller, einfacher Bauweise errichteten Gebäude – darunter auch viele bedeutende Kulturdenkmale und die einfachen Häuser in den Bergen – zerstört oder schwer beschädigt. Die meisten Wohn- und Geschäftshäuser in der Hauptstadt hätten dem Beben einigermaßen Stand gehalten. Gleichwohl gab es für Habel und seine Kollegen viel zu tun: Sie waren rund um die Uhr im Einsatz. Die zwei- bis fünfstündigen Pausen wurden vor allem fürs Schlafen genutzt. Das gehe dann von einer Minute auf die andere.

Vor Ort erledigt jeder konzentriert seinen Job

Schwierig am Einsatz in Nepal sei gewesen, dass die normalerweise sofort mit den Hilfskräften ankommende I.S.A.R.-Ausstattung, die deren autarkes Handeln ermöglichen soll – vom Essen, über Zelte bis zu schwerem Gerät – erst Tage später geliefert werden konnte, weil der Flughafen in Kathmandu völlig überlastet war. So musste man sich vor Ort zunächst selbst helfen, dies sei aber realisierbar gewesen. Einfacher wurde die Situation, nachdem auch die acht Tonnen Ausrüstung an Ort und Stelle waren. Die insgesamt 52 Helfer der I.S.A.R., darunter auch Ärzte und Sanitäter und sieben Rettungshunde, waren bei ihrem Einsatz in enger Zusammenarbeit mit der UNO tätig.

Gerd Habel war zuvor nie in dem asiatischen Land. Auf die örtlichen Gegebenheiten und auch kulturelle Umgangsformen wurden er und seine Kollegen aber dennoch vorbereitet. "Vor Ort erledigt dann jeder konzentriert seinen Job", berichtet er. Aber natürlich lasse die Gesamtsituation einen nicht kalt: Vor allem der Geruch der Toten, die verbrannt werden, und die ängstlichen Augen der Kinder hätten ihn berührt. Es sei schon seltsam, jetzt, nach der Rückkehr, mal eben schnell in der Tankstelle einen Kaffee zu holen. Das normale Leben hier fühle sich plötzlich eigenartig an.

Auf Einsätze nach Erdbeben spezialisiert

Die I.S.A.R. Germany ist auf die Ortung, Bergung und medizinische Versorgung von Erdbebenopfern spezialisiert. Ihre Mitglieder kommen aus allen Bereichen des Katastrophenschutzes, hauptsächlich aus der Feuerwehr und von Rettungsdiensten, aber ebenso aus dem Bundesverband Rettungshunde. Auch medizinische Hilfsgüter wurden von I.S.A.R. nach Nepal gebracht und verteilt.

Inzwischen sind die Hilfskräfte der I.S.A.R. Germany wieder in ihre Heimat zurückgekehrt, nachdem sich die Situation in Nepal als einigermaßen stabil erweist. "Das breite Aufgabenspektrum beim Einsatz in Nepal zeigt, dass I.S.A.R. gut aufgestellt ist. Über die Ortung, die Betreuung von Patienten bis hin zum Einsatzmanagement auf UN-Ebene und dem Einsatz von Bausachverständigen war I.S.A.R. in vielen Bereichen unterwegs. Wir konnten so einen Beitrag leisten und den Menschen in Nepal helfen", schätzte I.S.A.R.-Präsidentin Daniela Lesmeister abschließend ein.

Mehr Informationen unter www.isar-germany.de

Autor: Sylvia Timm