Ein Zeichen für die Vielfalt

Helmut Rothermel

Von Helmut Rothermel

Mi, 20. Juni 2018

Waldkirch

Sommerfest beim Kunstforum mit heißen Rhythmen des Freiburger Heim- und Fluchtorchesters.

WALDKIRCH. Zum ersten Sommerfest in den neuen Räumlichkeiten in der alten Musikschule hatte das GeorgScholzHaus-Kunstforum am Wochenende eingeladen. Als Beitrag zu den Heimattagen 2018 in Waldkirch richtete sich die Einladung zur Feier auch an die, wenngleich nicht sehr zahlreich gekommenen Flüchtlinge in der Stadt, die hier eine neue Heimat suchen. Gleichzeitig dankte man mit dem Programm den vielen Flüchtlingshelfern im Ort.

Dass sich nicht nur im alten Domizil in der Merklinstraße, sondern auch in der neuen Heimat des Kunstforums in der Schlettstadtallee vorzüglich feiern lässt, freute die zahlreichen Besucher und auch die Veranstalter, die keine Mühe gescheut hatten, den Gästen ein angenehmes Ambiente mit vorzüglichen, selbst zubereiteten Speisen am Büfett sowie der bekannt guten Auswahl an Getränken zu bieten. Höhepunkt war der fulminante Auftritt des Freiburger Heim- und Fluchtorchesters, das schon seit einiger Zeit mit seiner faszinierenden, Musikstile verschiedener Kulturen in einen stimmigen Mix zusammenführenden Weltmusik das Publikum in und um Freiburg begeistert.

Mit dem Fest und der Musik, sagte Roland Burkart vom Kunstforum bei seiner Begrüßung, wolle man ein Zeichen gegen den in Politik und Gesellschaft stärker werdenden Trend setzen, der in allem Fremden zunächst einmal eine Gefahr statt eine Bereicherung sehe. Wenn man nur weit genug auf seine eigene Familiengeschichte zurückblicke, werde deutlich, dass letztlich fast alle der Anwesenden von Flüchtlingen oder Zuwanderern abstammten. Aus guten Gründen hätten die Väter und Mütter des Grundgesetzes auch dem Asylrecht für politisch Verfolgte Verfassungsrang gegeben.

Das als Projekt des Freiburger Stadttheaters gegründete Heim- und Fluchtorchester wird vom Freiburger Jazz-Urgestein Ro Kuijpers geleitet, Mitglieder sind aktuelle und ehemalige Freiburger Studenten sowie Flüchtlinge aus aller Herren Länder. In Waldkirch war das Orchester in eigentlich kleiner, dabei immer noch beachtlicher, acht Frau und Mann starker Besetzung vertreten. Saxophon, Geige, Gitarre und Trommeln der Musiker aus dem Irak, Syrien, Sambia, Polen und Deutschland bezauberten mit ihrem stark an arabischen Klängen orientierten Sound und mit Gesangseinlagen das Publikum. Die meisten Titel waren Eigenkompositionen der Musiker und des Bandleaders, deren unwiderstehlicher Drive den Raum zum Kochen brachte.

Nach der Pause gab’s dann kein Halten mehr, die Bühne wurde zur, von zahlreichen Best-Agern bevölkerten Tanzfläche. Auf die wunderbare Musik des Orchesters, bemerkte Erhard Sachs vom Kunstforum, könne man nur tanzen, aber ganz sicher nicht marschieren. Damit habe das Fest einen schönen Beitrag gegen nationalistischen Gleichschritt geleistet.

Info: Der nächste Auftritt des Heim- und Fluchtorchesters in Waldkirch findet am Freitag, 22. Juni, um 20.30 Uhr, beim Schuljubiläum der Kastelbergschule statt.