"Erinnern darf nicht enden"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 17. Januar 2015

Waldkirch

Die Ideenwerkstatt "Waldkirch in der NS-Zeit" besteht im vierten Jahr / Filmabend am 27. Januar.

WALDKIRCH. Zum 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, will die Ideenwerkstatt "Waldkirch in der NS-Zeit" mit dem Film "Fritz Bauer – Tod auf Raten" an einen bedeutenden deutschen Juristen erinnern. Die Veranstaltung ist Teil der seit Oktober 2011 andauernden Arbeit der Ideenwerkstatt zur Auseinandersetzung über die nationalsozialistische Vergangenheit.

FRITZ-BAUER-FILM

Am Beispiel des Frankfurter Generalstaatsanwaltes Fritz Bauer wird im Film gezeigt, wie ein bedeutender deutscher Jurist von alten NS-Seilschaften mit aller Kraft bekämpft wurde, um in der deutschen Öffentlichkeit der Nachkriegsjahre die Wahrheit über die Verbrechen der NS-Herrschaft zu unterdrücken. Mit der Rehabilitierung der zuvor als kriminell betrachteten Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 und der Initiierung des Frankfurter Auschwitz-Prozesses löste Bauer die erste breite öffentliche Diskussion über den Holocaust aus. Er setzte sich unermüdlich für die Aufarbeitung der NS-Verbrechen und einen demokratischen Neuanfang in der Bundesrepublik ein.

ORTE DER INFORMATION

Die Ideenwerkstatt sieht in der lebendigen Erinnerung an die NS-Zeit und in der aktiven Auseinandersetzung eben auch mit der lokalen Geschichte eine geeignete Förderung des Widerstandswillens gegen Völkerhass, Fremdenhass, Totalitarismus oder Neo-Nazismus. Für sie darf das Erinnern nicht aufhören. Eines der zentralen Themen für die Ideenwerkstatt ist dabei die Arbeit an einem Ort der Information über Waldkirch in der NS-Zeit. Dieser Ort, nach Möglichkeit im Elztalmuseum, soll eine Lücke schließen, die in der Lokalgeschichte oft ausgespart wurde: Die Zeit zwischen dem Ende des Ersten und dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Eine Grundkonzeption wurde vom Waldkircher Historiker Wolfram Wette bereits 2013 detailliert erstellt.

ORTE DES GEDENKENS

Ein weiteres Projekt der Ideenwerkstatt war die Formulierung von Texten für eine Informations- und eine Gedenktafel für die in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkriegs in Waldkirch erschossenen Deserteure: eine Informationstafel für das Ehren-Gräberfeld auf dem Waldkircher Friedhof sowie eine Gedenktafel zur Aufstellung am Ort der Erschießung. Die Texte seien fertig, das Projekt also von Seiten der Ideenwerkstatt abgeschlossen. Die Tafeln hätten bisher nur deshalb noch nicht aufgestellt werden können, weil – so die Ideenwerkstatt – die Stadtverwaltung derzeit ein einheitliches Logo entwickeln lasse, damit künftig erläuternde Texte zur Geschichte im Stadtgebiet durch die äußere Form sichtbar miteinander verbunden sind.

Die Ideenwerkstatt hat außerdem Vorschläge unterbreitet für einen Gedenkort für die 138 272 Opfer in Litauen, die unter der Verantwortung eines ehemals in Waldkirch ansässigen Bürgers ermordet worden sind. Vorgeschlagen wird ein Mahnmal mit 138 Basaltstelen. Als Ort der Aufstellung stellt sich die Ideenwerkstatt einen Platz im Alten Friedhof vor. Die Umsetzung ist nun von den weiteren Entscheidungen der Stadtverwaltung und des Gemeinderats abhängig.

STADTRUNDGÄNGE

Darüber hinaus unterstützt die Ideenwerkstatt historische Stadtrundgänge zum Thema "Waldkirch in der NS-Zeit". Diese wurden und werden vom "Arbeitskreis Widerstand und Arbeitergeschichte" getragen. Die Ideenwerkstatt hat sich hierzu teilweise mit eingebracht. Ein weiteres Projekt ist die Überarbeitung der Broschüre "Waldkirch 1939 – davor und danach" aus dem Jahr 1989. Mit beteiligt ist die Ideenwerkstatt auch an den Diskussionen über das Kollnauer Kriegerdenkmal: Die NS-Ideologie, die unter anderem in den Worten "Unseren Helden" zum Ausdruck komme, solle einer anderen Art des Gedenkens weichen: Einem Gedenken, das den Schmerz und die Trauer der Angehörigen in den Vordergrund rückt und eine Zukunftsperspektive für den Frieden sichtbar werden lässt.

VERANSTALTUNGEN

Seit dem Jahr 2012 hat die Ideenwerkstatt eine ganze Reihe öffentlicher Veranstaltungen – unter anderem zum "Tag des Gedenkens an alle Opfer des Nationalsozialismus" am 27. Januar und zur Erinnerung an die Pogrome am 9. November 1938 – sowie Exkursionen angeboten, zum Teil in Zusammenarbeit mit den örtlichen Kirchengemeinden, dem Geschwister-Scholl-Gymnasium und mit Unterstützung durch die Stadt Waldkirch. Die in der Ideenwerkstatt Mitarbeitenden bilden keine geschlossene Gruppe. Sie treffen sich einmal im Monat. Derzeit gehören etwa 25 Personen dazu. Untergruppen, die an besonderen Themen arbeiten, treffen sich auch häufiger. Neue Freunde der Ideenwerkstatt sind jederzeit herzlich willkommen.

Info: Der Film "Fritz Bauer – Tod auf Raten" wird im Gemeindezentrum St. Margarethen am Dienstag, 27. Januar, um 19 Uhr gezeigt. Mitveranstalter des Filmabends ist die Katholische Seelsorgeeinheit Waldkirch. Im Anschluss an die Filmvorführung Möglichkeit zum Gespräch.