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13. September 2017

Ins 18. Jahrhundert "gebuddelt"

Führungen durchs Silberbergwerk stießen beim Stollenfest auf große Resonanz und lieferten tiefe Einblicke in die Bergbaugeschichte.

  1. Holzabsicherungen aus dem 18. Jahrhundert im Bergwerk Suggental. Foto: Fotos: Karin Heiss

  2. Diese beiden Bergleute in mittelalterlichen Kluft (Hans-Peter Helde und Felix Pfister, r.) demonstrierten den Besuchern im St.-Anna-Stollen die schwere Arbeit. Foto: Karin Heiß

WALDKIRCH. Großer Andrang herrschte beim Stollenfest für die Führungen im Silberbergwerk Suggental. Bei den kleinen Führungen im St.-Anna-Stollen wurde der mittelalterliche Bergbau des 11. bis 13. Jahrhunderts, der damals primär dem Silbererzabbau galt, den Interessierten vorgestellt. Im St.-Josephi-Stollen waren, wie üblich, die langen Führungen. In den letzten drei Jahren haben hier die rund zehn aktiven Bergbauforscher des Silberbergwerk-Vereins hart geschuftet.

Neben dem authentisch modellierten Miniatur-Bergbaudorf im St.-Anna-Stollen, das die schwere Arbeit in der damaligen Zeit sehr plastisch widerspiegelt, arbeiteten hier in diesem Jahr in einem engen Stollengang originalgetreu gekleidete und ausgerüstete "Bergarbeiter" – die Vereinsmitglied Felix Pfister und Hans-Peter Helde aus Freiburg. Im Wechsel hämmerten und buddelten sie dort in gebückter Haltung unter spärlicher Beleuchtung von Fackeln am Gestein und Geröll, um Erzgänge freizulegen. Diese Demonstration sagte mehr als tausend Worte. Die Haltung allein ist schon anstrengend, dazu die körperliche Belastung, der Schweiß perlte, regelmäßige Pausen mussten sein, die es damals aber so nicht gab.

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In einem Zelt konnten die Besucher ein Video über "30 Jahre Silberbergwerk Verein Suggental", das der Filmclub Breisgau zum Jubiläum gedreht hatte, ansehen. Eine weitere Neuerung auf dem Außengelände bei der Hütte des Vereins ist "die Kaue", ein Anbau, in dem sich die Bergmänner umziehen, wie Vorsitzender Wolf Dietrich Bock erklärte.

Im St.-Josephi-Stollen waren, wie üblich, die langen Führungen. Dazu ging es zunächst mit den Besuchergruppen die Talstraße einige Hundert Meter abwärts zum Mundloch des Stollens. Hier haben die Bergbauforscher "endlich den Durchbruch geschafft", so Bock. Die komplett verschüttete gut 80 Meter lange Abzweigung des Stollens Richtung Süden aus dem 18. Jahrhundert wurde freigeräumt. "Dabei haben wir sensationelle Entdeckungen gemacht", ergänzte der Diplomgeologe: Vier Holztürstöcke aus dem 18. Jahrhundert mitsamt der Wandabsicherungen sind unversehrt nach Abbau des Gerölls in Erscheinung getreten. Selbst der Huntslauf aus der damaligen Zeit ist erhalten. "Seit langer Zeit ist es uns damit gelungen, einen ganzen Stollen bis zum Ende, der Ortsbrust, zu öffnen." Die harte Arbeit wurde somit großartig belohnt. Die dort zu findenden "Schrammspuren" sowie die eiförmigen Stollen seien klassisch für den Bergbau der damaligen Zeit.

Weiter geht die Aufwältigung der ehrenamtlichen Bergleute nun vor dem Abzweig geradeaus. Auch hier wurde im 18. Jahrhundert ein Stollen vorgetrieben bei der Suche nach Silbererznestern, Fahlerz und Bleiglanz in den Schwerspatgängen. Das Silberbergwerk Suggental erlebte damals laut Bock "die wichtigste Phase für den Abbau von Silber überhaupt". Für die österreichische Krone war ein verbeamteter Bergrat in Suggental und anderen Bergwerken im Breisgau im Einsatz, um zu erkunden, wo die ergiebigsten Funde zu erwarten sind. Dieser Experte habe alles genauestens dokumentiert und diese Unterlagen seien heute noch vollständig erhalten. So wurde um 1750 auf Antrag beschlossen, die Bergwerke in dieser Region wieder zu öffnen, um zu schauen, was noch vorhanden ist.

Die Stollen aus dem Hochmittelalter liegen eine Sohle, rund acht Meter tiefer, unter denen aus dem 18. Jahrhundert und stehen heute vollständig unter Wasser. An der besagten Abzweigung ist erkennbar, wie auch an anderen Stellen im St.-Josephi-Stollen, dass hier Schächte zu den darunter liegenden Gängen führen. "Das Wasser lief früher zum anderen Mundloch heraus. Dieses wird weiter unten am kleinen Waldparkplatz vermutet", erklärte Wolf Dietrich Bock.

Die unteren Sohlen haben viel Brisanz. In ihnen soll sich ein Teil der 150 bis 300 Bergleute befunden haben, die bei dem großen Unglück 1288 in Suggental umkamen, als die Mauer des Stausees auf dem Kandel bei einem Unwetter brach und die Schlammmassen ins Suggental schossen. Auch Teile des Dorfes sollen gemäß der Sage zerstört worden sein, doch im Gegensatz zu dieser Mutmaßung ist der Tod der Bergleute in den Stollen belegt. Doch die Sohle aus dem 13. Jahrhundert zu erschließen, ist für den kleinen Verein zu aufwendig und kostspielig. Deshalb werde als nächstes der weitere Stollen aus dem 18. Jahrhundert angegangen. Zudem müssen die ehrenamtlichen "Kumpel" kontinuierlich die Absicherungsarbeiten in den schon freigelegten Abschnitten aus- und verbessern, streng nach den Richtlinien für ein Besucherbergwerk. Als "Ausbaumaterial" werden ihnen ausrangierte Stahlträger und Leitplanken von Autobahnmeistereien zur Verfügung gestellt, sagte Bock. "Besonders in den Rüschelzonen, wo das Gestein durch Gebirgsbewegungen ganz fein gemahlen ist, müssen die Stollenwände damit besonders gesichert werden", ergänzte er.

Der Ort kann sich wirklich glücklich schätzen, dieses fleißige "Buddelteam", wie Bock es selber mit viel Zuneigung nennt, zu haben und die Besucher dürfen gespannt sein, wie sich das Silberbergwerk Suggental weiter entwickelt.

Info: Führungen können über das ganze Jahr, aber mindestens zwei Wochen vor einem anvisierten Termin, über die Homepage des Vereins, auf der sich auch weitreichende Informationen über das Bergwerk und den Verein befinden sowie Kontaktdaten, angemeldet werden: http://www.silberbergwerk-suggental.com

Autor: Karin Heiß