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09. Juni 2012

Klangfülle vor Perfektion

Bei Peter Feuchtwanger haben die Teilnehmer des Meisterkurses in Waldkirch viel gelernt / Konzert im Barocksaal des Museums.

  1. Teilnehmer des 13. Meisterkurses für Klavier nach dem Abschlusskonzert, zusammen mit Peter Feuchtwanger (3. von links). Foto: Hildegard Karig

WALDKIRCH. Das Ergebnis des 13. Kurses, den der Pianist und Klavierpädagoge Peter Feuchtwanger durch Vermittlung des hiesigen Pianisten William Cuthbertson in Waldkirch gab, wurde im Barocksaal des Elztalmuseums vorgestellt: hochkarätige Klaviermusik in barockem Ambiente, kommentiert durch angeregtes Vogelgezwitscher und Kirchenglocken.

Eine sich in der Ausbildung befindliche Kirchenmusikerin, mehrere Musikstudenten, ein Mathematiker, der gerade mit seiner Doktorarbeit befasst ist, Klavierpädagogen und interessierte Laien: So unterschiedlich wie die neun Teilnehmer, so unterschiedlich waren ihr Auftreten und ihr Spiel. Schüchtern und verhalten, selbstbewusst und energisch, überwiegend in der Technik verhaftet oder musikalisch ausdrucksstark. Unterschiedliche Charaktere auch im Anspruch an sich selbst boten ein buntes Kaleidoskop. Ein weites Spektrum ergab sich, auch in den Anforderungen, durch die ausgewählte klassische Literatur. Heraus fiel die Komposition von Peter Feuchtwanger. Vor allem durch stereotype Klang- und Tonwiederholungen bei durchgehaltener Pedalisierung war orientalische Atmosphäre geschaffen.

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Allen Auftritten gemeinsam war, dass passagenweise eine sensible Differenzierung zugunsten von Schnelligkeit und Lautstärke in den Hintergrund geriet. Bewundernswerte Technik, schnelle Läufe, rasante Repetitionen: Der Schritt von der rauschenden Virtuositätsdemonstration, ausgereizt in den romantischen Stücken, hin zu einer ausdrucksstarken musikalischen Sprache blieb bis auf wenige Passagen aus, Klangfülle und machtvoller Zugriff im Vordergrund, feinnerviges sensibles Spiel eher die Ausnahme.

Beispielhaft waren in den Wiedergaben von Masako Kamikawa und Henriette Gärtner die Spieltechnik in den Dienst einer künstlerischen Interpretation gestellt. Die Wertigkeit der einzelnen Stimmen war bei allen spieltechnischen Anforderungen nicht aus den Augen verloren. Bewundernswert an allen Vorträgen war die Tatsache, dass das Selbstvertrauen und die Loslösung von einer unbedingten Perfektion, was der Pädagoge Feuchtwanger auch zu vermitteln wusste, die Vortragenden zu der notwendigen Gelassenheit verhalf, dass ein "Verspielen kein Weltuntergang ist", sondern dass es wichtiger ist, durchzuhalten, den Spielfluss nicht zu unterbrechen und im Notfall zu improvisieren. "In dem Sinne, wie man Alexandertechnik oder die Feldenkrais-Methode als eine Basistechnik für Musiker versteht, kann man Peter Feuchtwangers Klavierübungen als eine spezifische pianistische Basistechnik bezeichnen. Mit kompromissloser Konsequenz vermittelt Peter Feuchtwanger durch seine Klavierübungen die Basis eines natürlichen Bewegungsverhaltens am Klavier. (Stefan Blido)" Dieser Einschätzung entsprach das Konzert bestens und vielleicht wären die Vorträge allein dadurch musikalisch noch zu optimieren gewesen, wenn das Instrument im Barocksaal weniger mangelhaft zu spielen wäre. Nicht nur, dass die Höhen schrill sind und nicht wenige Tasten kleppern, eine der Teilnehmerinnen musste ihr Spiel nach den ersten Takten unterbrechen, weil einige Töne schepperten. Ein eingeschobenes Programmblatt wurde als Erste-Hilfe-Maßnahme notwendig.

Autor: Hildegard Karig