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27. August 2014

Oho: "Schweizer" Präzision, made in China?

BZ-INTERVIEW mit Hubert Klar vom "Uhrenstammtisch" / Beim nächsten Treffen am Freitag geht es um "falsche und echte Armbanduhren" als Urlaubsmitbringsel.

  1. Diese Uhren „gehör(t)en“ zumindest übergangsweise dem Zoll an der deutsch-schweizerischen Grenze. Foto: Grenzwachtkommando Basel

  2. Hubert Klar Foto: Bernd Fackler

  3. Diese Uhren „gehör(t)en“ zumindest übergangsweise dem Zoll an der deutsch-schweizerischen Grenze. Foto: Grenzwachtkommando Basel

WALDKIRCH. Um "falsche und echte Armbanduhren" als Urlaubsmitbringsel geht es beim nächsten in Waldkirch stattfindenden "Uhrenstammtisch" jetzt am Freitag, 29. August, im Gasthaus "Waldhaus", Moosrain 2, in Kollnau. Dort sind ab 19 Uhr auch Experten anwesend, die Armbanduhren auf ihre Echtheit prüfen und auf Wunsch auch den Wert der Uhr ermitteln – als kostenloser Service. BZ-Redakteur Bernd Fackler sprach vorab mit Hubert Klar vom Uhrenstammtisch Waldkirch.

BZ: Herr Klar, wo haben Sie Ihre eigene Armbanduhr her?
Klar: Ich kaufe viel im Internet. Auch Uhren.
BZ: Ist das Thema "falsche/echte Armbanduhren" ein so aktuelles? Kaufen so viele Menschen im Urlaub eine Uhr?
Klar: Früher, als ich noch berufstätig war, reiste ich oft dienstlich in viele fremde Länder. Es war erstaunlich, zu sehen, wie auf asiatischen Märkten und sogar an Stränden die zahlreichen Uhrenhändler erfolgreich unterwegs waren. Inzwischen ist dieser Handel bis nach Südeuropa und in die Türkei vorgerückt. Meist sind es arbeitslose junge Burschen, die im Auftrag von kriminellen Banden tätig sind. Insofern ist das Thema sehr aktuell.

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BZ: Wo, bei wem oder in welchen Ländern würden Sie im Urlaub auf keinen Fall eine Uhr kaufen und wo halten Sie das Risiko für überschaubar?
Klar: Kaufen sollte man bei autorisierten Händlern. Diese gibt es in jedem Land. Skeptisch muss jeder denkende Mensch werden, wenn eine 8000-Euro-Uhr zu 20 Euro als sogenannte B-Ware angeboten wird. Bei Luxusherstellern wie Rolex, Breitling, Omega, IWC, Glashütte, Lange und so weiter gibt es keine B-Ware.

BZ: Hat ein Laie überhaupt eine Chance, eine echte von einer gefälschten Uhr zu unterscheiden?
Klar: Die (fast) perfekten Kopierer befinden sich in China. Dort werden echte Gehäuse mit minderwertigen chinesischen Werken bestückt. Weil der Laie nur das Äußere sieht, hat er keine Chance, den Schwindel mit den Augen zu erkennen. Oft würde wiegen helfen, Blender sind meist zu leicht. Skepsis sollte auch aufkommen, wenn bei einem Händler in jeder Rolex die gleiche Nummer eingraviert ist. Jede echte Uhr ist ein Unikat.

BZ: Wenn Sie im Internet kaufen, haben Sie die Uhr nicht in der Hand. Wie sehen oder wissen Sie, ob das, was Sie da kaufen, auch seinen Wert hat ?
Klar: Der Anbieter muss gute Bewertungen haben und Rückgaberecht einräumen. Sonst ist was faul.

BZ: Wer eine Uhr im Ausland gekauft hat, ob echt oder falsch – wie ist das mit dem Zoll?
Klar: Es gibt beim Zoll für jedes Land Freigrenzen für Mitbringsel. Grundsätzlich ist es aber verboten, sogenannte Raubkopien einzuführen. Eine Verzollung ist überhaupt nicht möglich. Dies gilt übrigens auch für gefälschte Kleidung und Autoersatzteile. In Vietnam habe ich sogar mal falsche Bremsbeläge für BMW entdeckt. Die Verpackung war perfekt bayerisch blau/weiß, der Inhalt wahrscheinlich lebensgefährlich.

BZ: Wer oder was ist eigentlich der Uhrenstammtisch? Ein Uhrmacherclub? Ein anderer Verein? Oder darf da jeder dazu?
Klar: Unser Stammtisch ist eine Gruppe von Gleichgesinnten. Keiner von uns ist Uhrmacher. Ich auch nicht. Ich bin Physiker, wir haben auch Chemiker, Banker, Hausfrauen und andere. Wir sind kein eingetragener Verein. Wer Lust hat, kommt. Jeder ist willkommen.

BZ: Beim Stammtisch am Freitag sind Fachleute dabei, die mitgebrachte Armbanduhren auf ihre Echtheit prüfen und auf Wunsch den Wert der Uhr ermitteln – und auch noch kostenlos. Was hat denn der Uhrenstammtisch davon?
Klar: Wir denken nicht kommerziell. Wir wollen aufklären. Aber auch Freude haben.

BZ: Was haben Sie sonst noch für Themen beim Uhrenstammtisch?
Klar: Gemeinsame Museumsbesuche. Andere interessante Themen wie Auktionsergebnisse, Präzisionszeitmessung, Atomuhren, geniale Uhrmacher wie Riefler, Strasser, Rohde, Breguet und andere sowie untergegangene Hersteller wie die Uhrenfabrik Lenzkirch besprechen wir.

Uhrenstammtisch Herbst 2014: 29. August, 19 Uhr, Prüfung und Schätzung von Armbanduhren im Gasthaus "Waldhaus". Ende Oktober: Besuch der Uhrenabteilung im Heimatmuseum Triberg. 28. November: Vortrag "Sigmund Riefler: Tüftler, Uhrmacher und Physiker aus dem Allgäu" und Stammtisch mit Flohmarkt ("Waldhaus"). 12. oder 19. Dezember: Stammtisch mit Weihnachtsfeier ("Waldhaus"). Ab Januar 2015 dann alle Stammtische im "Storchen" in Waldkirch.

Autor: fa