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19. September 2016

St. Nikolai will alle oberen Etagen

Ortschaftsrat Buchholz berät über die Gestaltung und Belegung des "Drescheschopfs" und stimmt dem Konzept zu.

  1. So soll der neue Drescheschopf in Buchholz aussehen. Foto: Darstellung: Architekturbüro Werkgruppe 1

WALDKIRCH. In der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrats stellten Vertreter der städtischen Wohnungswirtschaft, des Architekturbüros Werkgruppe 1 sowie des St.- Nikolai-Spitalfonds die aktuellen Planungen für die Gestaltung und die Belegung des "Drescheschopfs" vor. Der Neubau wird ein zentrales Element der "Neuen Ortsmitte".

Lars Wildbredt von der Werkgruppe 1 erläuterte detailliert, wie der Neubau aussehen soll. Entstehen werden zwei in L-Winkelform angeordnete Gebäudeteile mit Zwischenfuge, denen ein großzügiger Außenplatz mit Sitzgelegenheiten vorgelagert ist. Die bestehende Linde im südlichen Bereich soll erhalten bleiben. Um den Platz befindet sich ein verkehrsberuhigter Bereich, der bei größeren Veranstaltungen mitgenutzt werden kann. Die Fuge bildet einen Durchgang zum nördlichen Park des Alten Friedhofs.

Eine Tiefgarage mit 20 Stellplätzen wird über die Alte Dorfstraße erschlossen, auf dieser Ebene kommen noch Abstellräume für die einzelnen Wohneinheiten, ein Technikraum, ein Lager und Fahrradabstellplätze hinzu. Geplant sind auch zwölf ebenerdige Stellplätze. Im südlichen Erdgeschoss soll ein rund 90 Quadratmeter großer lichtdurchfluteter Multifunktionsraum mit Glasfassade, Parkettboden und überdachten Eingängen zum Platz hin entstehen, der durch Schiebewände flexibel teilbar ist. Für den danebenliegenden Bereich der Ortsverwaltung sind 67 Quadratmeter eingeplant mit zwei Büroräumen, einem großzügigen Aufenthaltsbereich, Teeküche, Lager und WC . Im nördlichen Erdgeschoss sind rund 190 Quadratmeter für die Gemeinschaftspraxis Dr. Seibert vorgesehen sowie etwa 90 Quadratmeter für die Bäckerei Martin Burger, mit der Möglichkeit zur Außenbewirtung und eventuell einem weiteren WC.

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Die Obergeschosse werden vom St.- Nikolai-Spitalfonds angemietet. Im ersten Obergeschoss soll eine Seniorenwohngemeinschaft für Personen mit Pflegebedarf Platz finden. Geplant sind zwölf Einzelzimmer mit Bad (jeweils 22 Quadratmeter groß), Sitzgelegenheiten vor jedem Zimmer, Aufenthaltsbereiche und ein Ruhebereich. Weiter ein Personalraum für eine eine 24 Stunden präsente Pflegekraft. Im zweiten Obergeschoss sind fünf rollstuhlgerechte Zweizimmer-Wohnungen (je etwa 60 Quadratmeter) und eine rollstuhlgerechte Dreizimmer-Wohnung (etwa 75 m²) vorgesehen. Im Dachgeschoss sollen sechs Zweizimmerwohnungen (jeweils etwa 45 m²) entstehen.

Ökonomische Betriebsgröße für die Altenpflege nötig

Dass alle oberen Stockwerke nun vom St.-Nikolai-Spitalfonds für ältere Bewohner angemietet werden sollen, fanden einige Ortschaftsräte überraschend und kritisierten die fehlende Information im Vorfeld dieser Entscheidung. In der ursprünglichen Planung sei eine Belegung der Wohnungen mit Mietern verschiedener Generationen angestrebt worden. Stiftungsleiter Wolfgang Ruf erläuterte hierzu, dass ein wirtschaftlicher Betrieb der Wohnanlage nur möglich sei, wenn die für die Wohngemeinschaft abgestellte Pflegekraft auch für die Notfallbetreuung der übrigen Bewohner zuständig sei. Des Weiteren untermauerte er mit einigen Zahlen den wachsenden Bedarf an Seniorenwohnungen in Buchholz; von den 2550 Einwohnern im Ort gehörten 34 Prozent zu den Senioren über 55 Jahre, 271 Bürger seien älter als 75 Jahre. Wichtig sei es, dass diese Menschen nicht auf die "grüne Wiese" abgeschoben würden, sondern zentrumsnah, in der Mitte der Gesellschaft leben könnten. Er trat eventuellen Befürchtungen entgegen, dass ein gesteigertes Ruhebedürfnis der älteren Bewohner mit dem Wunsch nach einer lebendigen Ortsmitte, in der Feste und Feierlichkeiten einen festen Platz finden, kollidieren könne. Seine bisherigen Erfahrungen sprächen eher für das Gegenteil.

Ortsvorsteher Manfred Schüssele plädierte in diesem Zusammenhang dafür, bereits im Mietvertrag festzulegen, dass es keine Einschränkungen für öffentliche Veranstaltungen geben dürfe. Die neue Ortsmitte, bemerkte Fedor Zilg von der Wohnungswirtschaft, bestehe auch nicht nur aus den oberen Stockwerken des Drescheschopfs. Die Nutzung von dessen Erdgeschoss sowie die umliegende Bebauung und weitere Bauvorhaben sicherten eine generationenübergreifende Durchmischung des Gebiets.

Nochmals Diskussion, ob eine Bäckerei ausreicht

Diskussionsbedarf gab es ferner wegen der geplanten Bäckerei. Die vielfach gewünschte Ansiedlung eines Lebensmittelgeschäfts sei, so Schüssele, mangels Interessenten und der starken Konkurrenz in der näheren Umgebung nicht realisierbar gewesen. Wegen der geringen Ladengröße sei auch die zusätzliche Einrichtung einer Metzgerei mit Frischetheke nicht möglich.

Bei der nächsten Ortschaftsratssitzung im Oktober soll über die Mietpreise und über die Dauer eines gewünschten langfristigen Mietvertrags mit der Stiftung gesprochen werden. Einstimmig stimmte der Ortschaftsrat dem vorgelegten Konzept zu.

Autor: Helmut Rothermel