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24. August 2010
Urlaub dort, wo es nie langweilig wird
Was macht das Elztal für Touristen interessant? / Die BZ befragte Menschen, die in Waldkirch und Umgebung Urlaub machen.
WALDKIRCH. 70000 Übernachtungsgäste und noch mehr Tagesurlauber besuchen jährlich das Elztal. Die Bandbreite reicht dabei vom Extremsportler, der sich mit dem Gleitschirm in die Thermik des Kandels stürzt, über Familien mit Kindern bis zu den Kurgästen im gesetzteren Alter. Doch was macht die Region des Elztals touristisch so interessant und warum kommen die Gäste genau hier her? Eine Spurensuche.
Das Brecheisen war noch nicht mal angerostet, als Waldemar Nies es vor Jahren aus der Elz fischte: "Ich habe es gesehen, bin in den Fluss gestiegen, habe es herausgeholt und arbeite heute noch damit", antwortet er auf die Frage nach seinem kuriosesten Urlaubssouvenir aus dem Elztal. Dem Hessen und seiner Frau, die ursprünglich aus Denzlingen stammt, und die Nies vor 34 Jahren – natürlich im Urlaub – kennenlernte, gefällt neben den landschaftlichen Reizen besonders die badische Küche mit Sauerbraten und Leber und die Mentalität der Menschen im Elztal, die "freundlicher als die hessische" sei. Zwei Tage bleiben sie mit ihrem Wohnmobil auf dem Wohnmobilparkplatz am Elztalstadion – "länger darf man da ja nicht stehen", bedauert Waldemar Nies –, ehe es danach noch auf zu einer kleinen Tour in der Region geht. In Waldkirch ließe es sich vortrefflich Rad fahren, ist sich das Ehepaar einig, und man freue sich schon bei der Anreise, "wenn wir aus dem Autofenster die Weinberge sehen". Den Anblick werden die beiden auch im nächsten Jahr zu genießen wissen, denn: "Langweilig wird uns hier nicht".Werbung
Langweilig scheint es auch Tina (29) und Sascha Zender (33) aus dem Saarland bei Homburg nicht zu sein. Erstens sind sie gerade erst in Waldkirch angekommen und zweitens ins Minigolfspiel auf der Anlage am Stadtrainsee vertieft. "Ich kenne die Region um Freiburg durch meine Krankengeschichte", erzählt Sascha, der an einer Augenkrankheit leidet, bei der die Hornhaut fortschreitend extrem verkrümmt und eintrübt. Vor zehn Jahren wurde ihm zum ersten Mal an der Freiburger Uniklinik eine Hornhaut transplantiert – erst die zweite Operation fünf Jahre später brachte die gewünschte Verbesserung: "Ich sehe das Loch beim Minigolf jetzt recht scharf", lacht er. Die beiden wohnen in einem Hotel in Grafenhausen. Ihr Tagesausflug führt sie nach Waldkirch, weil sie über das Internet auf die schöne Minigolfanlage am Stadtrainsee aufmerksam wurden. Morgen soll es auf den Kandel und danach in Richtung Freiburg und Titisee gehen.
Das Internet spielte auch bei der Urlaubsplanung von Bernd Rilling (52) eine Rolle – und sein Hund Janosch. Der sei nämlich nur bedingt reisefähig und neige beim Autofahren zu unkontrollierten Ausbrüchen des Mageninhalts: "Schon auf der Fahrt hierher zwei mal", schmunzelt Rilling, der als Techniker an der Universität Stuttgart arbeitet und für zwei Tage "Testurlaub" in der Region macht – mitsamt des Hundes mit dem renitenten Magen. Er ist eher durch Zufall in einer Pension in Biederbach untergekommen: "Das war ein Ergebnis des Suchbegriffs ,Urlaub mit Hund’ bei Google", lacht er. Vor drei Tagen buchte er spontan – heute ist er hier. Was er sich vom Aufenthalt erwartet: "Viel Natur und einfach mal runterkommen und die Stille genießen."
Nach Stille sucht Familie Bayer aus Lübeck nicht unbedingt. Sie machen zwei Tage Station auf der Rückreise aus Südfrankreich. Ist es hier so schön wie in der Camarque? "Na ja, hier ist es auch nett, aber nicht ganz so warm", meint die zehnjährige Nele mit unverkennbarem diplomatischen Talent. Den Baumkronenweg werden sie nachher noch besuchen, ehe es morgen zurück nach Lübeck geht, wo ab Montag die Schule wieder startet.
Der 75-jährige Hans Zornig aus Hamburg hat da mehr Zeit. Der ehemalige Börsenmakler im Ruhestand lässt es auch im Urlaub ruhig angehen: "Da erhole ich mich und mache Ferien vom Computer und vom Sport". Seit 1978 kommt er jedes Jahr mit seiner Frau nach Waldkirch, nachdem er vorher verschiedene Orte im Schwarzwald bereist hatte. Er habe hier gute Freunde kennengelernt und sei so hier hängen geblieben. Auch er schätzt die Art der Menschen im Elztal: "Gastfreundlich, offen und verbindlich" sei man hier. Neben ihren Menschen bietet die Region noch viele weitere Attraktionen, die als Touristenmagnet fungieren: Die teilweise noch fast unberührte Natur, 800 Kilometer Fahrrad- und 400 Kilometer Wanderwege, vielfältige Freizeitangebote, die guten und mit der "Konus-Gästekarte" für Übernachtungsgäste kostenlosen öffentlichen Verkehrsmittel – und nicht zuletzt natürlich die Lage des Elztals inmitten weiterer touristisch interessanter Regionen. Um es mit Waldemar Nies zu sagen: "Langweilig wird es hier nicht."
Autor: Christian Nick


