Virtuose Laute

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Di, 27. November 2018

Waldkirch

Kammerkonzert im Saal der Bruckwald-Gemeinschaft.

WALDKIRCH. In der Reihe Kammerkonzerte am Bruckwald waren am Sonntag zum ersten Mal Instrumente aus der Lautenfamilie zu hören: Mandoline, Theorbe und Erzlaute – solistisch und im Duo.

Für diese Saiteninstrumente war die Zeit bis 1800 die Blütezeit und es war konsequent im Sinne einer authentischen Begegnung mit den Instrumenten, Literatur bis 1800 auszuwählen. Birgit Schwab und Daniel Ahlert beeindruckten durch ihr virtuoses Spiel, sie schöpften alle Klangmöglichkeiten der Instrumente durch fein nuancierte Zupftechnik aus, sie schienen sich in die ausgewählten Stücke und ihre Stimmungen hinein zu versenken und nahmen die Zuhörer mit durch ihr feinsinniges, überaus gut miteinander austariertes Zusammenspiel und die technische Fertigkeit sowie durch die Moderationen zu den einzelnen Stücken. Sie waren gespickt mit Informationen, die zum Verständnis der jeweiligen Werke beitrugen. Sie bedeuteten Begegnungen mit nahezu unbekannten Komponisten, sie ließen die durch die Zeitläufte bestimmte Geschichte und Geschichten um die Musik lebendig werden. Damit war es den Zuhörern leicht gemacht, die Schönheit der jeweiligen Stücke herauszuhören, die Stimmungen der einzelnen Tanzsätze mitzuempfinden, in die Musikwelt des 17. und 18. Jahrhunderts anhand der Klänge zu folgen. Mit den Tanzsätzen des frühesten Komponisten Tommaso Motta um 1681 klang frühes Barock an, mit Antonio Vivaldi und Silvius Leopold Weiss italienisches Hochbarock und die Stücke von Baldassare Galuppi (1706 bis !785) wiesen zukunftsweisend auf die Klassik hin.

Passagenweise schien Galuppi den Modus früher Haydn-Klaviersonaten vorweg zu nehmen. Der langsame Satz seiner Sonate, von eingängiger Melodik und einfachen Strukturen geprägt, war in dieser elegischen Wiedergabe wunderschön zum Zuhören. Das absolut präzise Zusammenspiel der beiden, die seit 1992 als Duo konzertieren, vermittelte, dass sie in der interpretatorischen Befassung mit den Stücken genauso übereinstimmen wie in der brillanten Technik. Diese zeigte sich in den Tremolo an der Mandoline ebenso wie in den Akkorden an der Theorbe oder in sensibel aufeinander bezogenen und deutlich differenzierenden Zupfarten. Nicht nur die fein ziselierten Wiedergaben ließen aufhorchen, sondern auch der professionelle Spürsinn des Ensembles nach Originalliteratur. Deren verschiedener Werdegang und ihre fehlerhaften Zuordnungen zu anderen Instrumenten, die den Lauten die Bedeutung abgenommen hatten, waren interessantes Hintergrundwissen. Damit bedeuteten die Interpretationen für die Zuhörer nicht nur klanglich außergewöhnliche Momente, sondern auch Informationen, was das "Musikgeschäft" schon damals für Werke, Interpreten, Komponisten Instrumente verursachen konnte.

Die ausgewählten Stücke, in ihrer Form meistens Tanzsätze, zeigten in den sensiblen Interpretationen eigenständigen Charakter, atmeten fröhliche Leichtigkeit und Schwerelosigkeit, derbere Aufforderungen zum ausgelassenen Tanzen, in den Sarabanden an Händel erinnernde melancholische Tiefe.

Die Lauteninstrumente boten mit dem gewählten Programm für den Liebhaber dieser Epoche ein erstklassiges Eintauchen in diese, sie weckten die Neugier auf spätere, vor allem auf zeitgenössische Literatur.