Waldkirch hat Musik im Blut

sre

Von sre

Do, 03. Mai 2018

Waldkirch

Eine Musikschule, mehr als 200 Jahre Orgelbau sowie jede Menge Orchester und Chöre gibt es in der Stadt.

Tradition und Leidenschaft prägen die große Musikbegeisterung in Waldkirch. Hier gibt es Deutschlands älteste Musikschule, eine über 200-jährige Orgelbautradition, in jedem der fünf Stadtteile mindestens einen Musikverein und über Waldkirch verteilt zahlreiche Chöre – sowohl weltliche als auch kirchliche –, dazu noch Gesangsvereine und Bands. Daher heißt auch einer der vier Themenschwerpunkte der Heimattage in Waldkirch "Musik im Blut".
Kaum ein Wochenende vergeht, an dem in der Stadt nicht irgendwo zu einem Konzert eingeladen wird. Die meisten werden von Musik- oder Gesangsvereinen gestaltet, deren Mitgliedern man einen Tag vorher noch als Mitarbeiter beim Bäcker, in der Arztpraxis oder in der Autowerkstatt begegnen konnte.

Aber auch Berufsmusiker gastieren immer wieder in der Stadt Waldkirch. Wobei auch hier die traditionellen Konzertreihen überwiegend ehrenamtlich organisiert werden. Vorzugsweise finden die Konzerte in eher kleineren Sälen statt, denn die Atmosphäre ist dort familiär.
Von Kindesbeinen an kommen die Waldkircher mit Musik in Berührung, sei es im schuleigenen Chor, in Musikprojekten ihrer Kirchengemeinde oder bei den zahlreichen Hocks und Festen, bei denen Musik natürlich nicht fehlen darf. Um Punkt 12 Uhr erklingt täglich am Marktplatz eine große Schaustellerorgel. Wenn die verstummt ist, lässt sich ganz sicher irgendwo Stadtorgler Karl-Heinz Kury entdecken, der mit Drehorgeln unterwegs ist: Was er dabei ins Spendenkässle bekommt, gibt er an gemeinnützige Einrichtungen weiter.
Am Campingplatz Elztalblick in Siensbach kann man dagegen an lauen Sommerabenden freitags auch solchen Bands zuhören, die es sonst in der Stadt nicht ganz so leicht haben, Freiluftkonzerte zu geben, weil sich gewiss gleich ein paar Nachbarn gestört fühlen. Ab und zu findet die Waldkircher Kneipennacht (das nächste Mal am 9. Mai) mit Livemusik von Bands in den Lokalen statt. Musikkneipen mit regelmäßigen Auftritten von Bands gibt es hier jedoch, anders als in Emmendingen, nicht.
Dafür entstand aber kürzlich eine neue Musikschule, die die Waldkircher Ehrenbürgerin Gisela Sick zusammen mit der Sick-Stiftung realisiert und der Stadt mietfrei überlassen hat. Das motiviert die Schüler und Lehrer zusätzlich zu Höchstleistungen, die sie unter anderem beim Wettbewerb "Jugend musiziert" regelmäßig unter Beweis stellen. In den Räumlichkeiten proben außerdem das Jugendblasorchester und die Stadtmusik.
Auch im Heimattagejahr 2018 spielt die Musik eine große Rolle, und dies nicht nur beim großen Gemeinschaftskonzert am 13./14. Juli unter dem Motto "Waldkirch musiziert". Diverse Orgelkonzerte in Kirchen, aber auch die Drehorgel-Serenade am Stadtrainsee verweisen auf die Geschichte Waldkirchs als Stadt des Orgelbaus, die vor mehr als 200 Jahren mit Mathias Martin (Kirchenorgelbauer) und Ignaz Blasius Bruder (Drehorgeln) begann. Angeblich gibt es in der Stadt über 10 000 Orgelpfeifen.
Eigens für die Heimattage wurde sogar ein Lied geschrieben: "Unser Waldkirch" von der Band Eat the Beat. Klanglich liegt es nahe am "Stern des Südens", das als Fußballlied ja schon seine Fähigkeit, die Massen zu begeistern, bewiesen hat. Entsprechend wurde "Unser Waldkirch" direkt nach seinen ersten öffentlichen Aufführungen zur Fasnet 2018 in den Kneipen rauf- und runtergespielt und von Waldkirch-Fans über soziale Netzwerke zahlreich geteilt.
Im Youtube-Video zum Lied darf der Sohn des Bandgitarristen Rainer Schätzle das Intro singen. "Hier lässt sich’s saugut leben", singt dann noch Sänger Thorsten Hentschel und man "fei’re Tag und Nacht". Nun, Letzteres mag nicht aufs ganze Jahr und die ganze Stadt zutreffen, die doch auch irgendwie einen beschaulichen Charakter hat. Aber an Fasnet und an Sommerwochenenden kann das durchaus vorkommen.