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19. Oktober 2016

Wechselspiel von Farbe, Struktur, Licht

Ausstellung "Landschaften" mit Werken von Verena Fuchs im Georg-Scholz-Haus.

WALDKIRCH. Im Georg-Scholz-Haus ist ab dem kommenden Sonntag, 23. Oktober die Ausstellung "Landschaften" mit Werken der Freiburger Künstlerin Verena Fuchs aus dem vergangenen Jahrzehnt zu sehen.

Die 1951 in Freiburg geborene Verena Fuchs ist in Wettelbrunn bei Staufen aufgewachsen. Groß geworden in der Landwirtschaft, ist sie seit Kindesbeinen an immer in der Natur, zunächst in der näheren Umgebung, später weitet sich der Horizont auf Streifzügen in die Ferne. Gemalt hat sie schon als Kind. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit als (seit kurzem pensionierte) Lehrerin für Deutsch und Geschichte an verschiedenen Gewerblichen Schulen beschäftigt sie sich seit Anfang der 1980er Jahre intensiv mit Malerei. Ihr Interesse richtet sich dabei nicht auf die gegenständliche Abbildung einer vorgefundenen, momentan betrachteten oder auch fotografisch festgehaltenen Landschaft. Der Schaffensprozess verläuft genau andersherum: Ihr Ausgangspunkt sind Erinnerungen, die manchmal Jahre zurück liegen. Erlebtes wird plötzlich wieder lebendig, assoziativ weitergesponnen, gemischt und vermengt mit haften gebliebenen sinnlichen Eindrücken. Dabei weiß die Künstlerin, dass Erinnerung immer etwas Vages, Konstruiertes ist. Ihre Bilder haben zwar Titel, welche die Landschaft etwa am Bodensee oder im Donautal verorten, sind aber Kompilation, zusammengesetzte Impression.

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Ihr gehe es nicht um die Beschreibung des motivischen Inventars einer Landschaft, auch spielten traditionelle Mittel des Genres Landschaftsmalerei keine Rolle. Ihre Bilder, beschreibt die Künstlerin, "entstehen während des Malprozesses, in dessen Verlauf ich mich der Dynamik der Farben und den Strukturen des Lichts überlasse, mit natürlichen und fiktiven Möglichkeiten jongliere, mir also alle Freiheit im Spiel mit Formen als dem eigentlich Charakteristischen nehme." Landschaft entsteht so aus der Malerei, und nicht umgekehrt das Bild aus der Landschaft.

Dabei kommen unterschiedliche Techniken zur Geltung. Die Zeichnungen haben keine Skizze als Grundlage. Zuerst wird mit Tusche eine Struktur auf die Leinwand aufgetragen, dann mit Ölkreiden oder schwarzen Farbstiften weitergearbeitet. Zeichenstriche, meint die Künstlerin, sind ein ideales Mittel, um den unbestimmten, nicht genau fassbaren, sich wandelnden Charakter von Erinnerung auszudrücken. Im Schaffensprozess kann es dann passieren, das eine angedachte Bildidee, etwa eine Auenlandschaft, zur Berglandschaft wird.

Mehr Körperlichkeit und Abgeschlossenheit haben ihre Öl- und Acrylbilder. Zurückgenommen sind dabei die Farben, die Betrachtung hat etwas Meditatives, nichts Schreiendes, an sich. Ein blaues Licht fängt die melancholische, unwirkliche Stimmung zwischen Nacht und Morgen ein. Direkter und strahlender sind die Farben ihrer Pigmentbilder. Dazu kommen verschiedene Mischtechniken. Auslöser der Malerei sind auch Bruchstücke, wie die "entsorgten" Kacheln aus der Freiburger Kartaus.

Ihre Ausstellung hat Verena Fuchs in mehrere Serien geordnet: Es gibt belebte Landschaften mit Tieren und Pflanzen. Eingefangen wird eine Gewitterstimmung am Bodensee mit rauschenden Pappeln und Silberweiden, Schafe weiden in einer Pyrenäenlandschaft. Menschen fehlen hier, denn, so die Künstlerin, "was Landschaften betrifft, ist der Mensch nicht das Maß der Dinge, auch wenn er die alten Landschaften bis zur Unkenntlichkeit flurbereinigt hat." Auf der Zeichnung "Titisee im Pleistozän" gibt sie dem Gletschersee , der zum Opfer des Massentourismus wurde, etwas von seiner Ursprünglichkeit zurück. In der Serie "Steinzeit" entführt sie in die majestätische Landschaft des Hochgebirges, norwegischer Fjorde und des Rheinurstromtals. Die Serie "Winterreise" entstand in der Erinnerung an den kalten und schneereichen Winter 2005/2006, als ihr klar geworden sei, dass es Winter dieser Art schon bald nicht mehr geben werde. Unter den Schneemassen und dem beinhart gefrorenen Boden entdeckt sie "ein glutheißes Pflanzenherz, stärker werdend und auf seine Stunde wartend". Eine andere Serie zeigt weite Horizonte mit schwerem Himmel.

Info: Die Ausstellung dauert bis zum 27. November. Bei der Eröffnung am 23. Oktober, 11 Uhr, führt Franz Armin Morat ins Werk ein. Dazu gibt es Lieder der Romantik zu Naturthemen mit Lutz Kettnaker (Klavier) und Dorothea Rieger (Sopran). Das Begleitprogramm zur Ausstellung beginnt am Freitag, 28. Oktober, um 20 Uhr, mit einem Kunstgespräch mit Verena Fuchs. Öffnungszeiten: Freitag/Samstag 15 bis 18 Uhr sowie Sonntag/Feiertag 11 bis 16 Uhr.

Autor: Helmut Rothermel