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08. Januar 2014 15:03 Uhr

Engel-Lichtspiele

Warum dem Kino in Breisach die Schließung droht

Fredo Mattheis betreibt seit 1965 die Engel-Lichtspiele in Breisach. Im Sommer will er das Kino schließen. Die Gründe dafür erläutert er im Interview.

  1. Den traditionsreichen Breisacher Engel-Lichtspielen droht im Sommer 2014 die Schließung. Foto: Gerold Zink

  2. Blick in den Kinosaal Foto: Gerold Zink

  3. Kinobesitzer Fredo Mattheis an seinem Projektor, mit dem 35 Millimeter-Kopien, aber keine digitalen Filme gezeigt werden können. Foto: Gerold Zink

BZ: Warum wollen Sie ihr traditionsreiches Kino Mitte des Jahres schließen?

Mattheis: Erstens gibt es seit 1. Januar 2014 bei den Filmen keine 35 Millimeter-Kopien mehr, sondern nur noch digitale Festplatten, die man mit einem Beamer abspielen muss. Und solch einen Beamer haben wir nicht. Zweitens haben wir keine direkten Nachfolger für das Kino und drittens ist die Konkurrenz in Freiburg mit rund 30 Kinosälen so groß, dass sich unsere Engel-Lichtspiele betriebswirtschaftlich einfach nicht mehr rentieren. Und viertens haben wir mit nur einem Kinosaal kaum die Möglichkeit, von den Filmverleihern Kopien zu bekommen, wenn die großen Filme in ganz Deutschland gezeigt werden. Wir erhalten die Streifen in der Regel erst einige Wochen später. Die restriktiven Bedingungen der Verleiher können wir einfach nicht mehr erfüllen.

BZ: Was verlangen die Verleiher bei einem deutschlandweiten Start eines großen Filmes konkret von Ihnen?

Mattheis: Sie verlangen, dass wir den gleichen Film 3 Wochen mindestens 6 Tage in der Woche spielen bei einer bis 2 Vorstellungen pro Tag. Außerdem dürfen wir daneben keinen anderen Film zeigen.

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"Wir müssten zwischen 80.000 und 100.000 Euro investieren." Fredo Mattheis
BZ: Wie viel müssten Sie in die neue digitale Technik investieren?

Mattheis: Die Summe liegt bei ungefähr 80 000 bis 100 000 Euro. Dazu müssten wir noch den Vorführraum umbauen und eine neue Leinwand anschaffen.

BZ: Könnte zum Beispiel ein Verein das Kino weiterführen?

Mattheis: Wenn es ehrenamtlich gemacht wird, wäre dies prinzipiell möglich.

BZ: Haben Sie schon die Stadtverwaltung über die beabsichtigte Schließung informiert?

Mattheis: Es fanden bereits Vorgespräche mit der Stadtverwaltung statt. Mein Interesse ist es, dass das Kino weitergeführt wird.

BZ: Würden Sie die Räume der Engel-Lichtspiele auch vermieten oder einen Partner mit ins Boot nehmen?

Mattheis: Verpachten schon, aber wir würden nur noch, auch aufgrund unseres Alters, beratend tätig sein. Ich habe mit 70 Jahren keine Lust mehr, mich von den großen Verleihern drangsalieren zu lassen.

BZ: Wie viele Filme sind unter Ihrer Regie über die Leinwand gelaufen?

Mattheis: Das ist schwierig zu schätzen. Im Jahr haben wir etwa 60 bis 70 Filme gespielt.

"Im vergangenen Jahr hatten wir 40 Prozent weniger Besucher."
BZ: Hat die Zahl der Besucher in den vergangenen Jahren abgenommen?

Mattheis: Ja, und zwar stetig. Der größte Einbruch war im vergangenen Jahr mit minus 40 Prozent, weil wir da bereits keine digitalen Filme sowie teilweise auch keine 35 Millimeter-Kopien mehr bekommen haben. 2012 hatten wir noch rund 10 000 Besucher und 2013 nur noch 6000 Gäste.

BZ: Sie haben immer wieder kulturell wertvolle Filme gezeigt und sind mehrfach dafür ausgezeichnet worden. Wollen die Gäste heute nur noch große Blockbuster sehen?

Mattheis: Nein, unser Publikum in Breisach bevorzugt vor allem anspruchsvolle Filme. Wir haben bereits seit Jahren einen festen, treuen Kundenstamm, der sich solche Filme wünscht. Nachmittags kamen natürlich auch Familien mit Kindern.

BZ: Welche Filme werden Sie jetzt noch bis im Sommer zeigen?

Mattheis: Nur noch solche, von denen es eine 35 Millimeter-Kopie gibt. Verschiedene Verleiher stellen bereits seit Herbst 2013 keine 35 Millimeter-Kopien mehr her.
Die Engel-Lichtspiele

Das Breisacher Kino wurde 1920 an dem heutigen Platz in der Rheinstraße erbaut, während des Zweiten Weltkrieges zerstört und von Friedel Haist 1952 wieder aufgebaut und eröffnet. Friedel Haist übergab später die Leitung der Engel-Lichtspiele an ihre Nichte Helga Mattheis und an deren Mann Fredo. In den Engel-Lichtspielen gibt es 149 Sitzplätze. Die Tontechnik ist durch verschiedene Investitionen in den letzten Jahren auf den neuesten Stand gebracht worden. Vor 10 Jahren wurde auch die Heizung erneuert. Allerdings fehlt ein moderner Beamer, mit dem digitale Festplatten abgespielt werden können.

Fredo Mattheis

Die Breisacher Engel-Lichtspiele betreiben Fredo Mattheis (70) und seine Frau Helga (75) seit 1965 im Nebenerwerb. Helga Mattheis war darüber hinaus 42 Jahre als kaufmännische Angestellte bei der Tapetenfabrik Erismann und Fredo Mattheis 32 Jahre als Betriebstechniker bei der Antennenfabrik Wisi beschäftigt. Außerdem war er 20 Jahre Vorsitzender des Breisacher Turnvereins.

Autor: Gerold Zink