Digitialisierung

Warum Freiburg ein Barcamp zum Thema Bildung braucht

Stephanie Streif

Von Stephanie Streif

Do, 15. Februar 2018 um 13:08 Uhr

Freiburg

Am 17. März findet an der PH Freiburg das "Barcamp Lernräume" statt, das Bildung zum Thema macht. Initiator Dejan Mihajlovic erklärt im Interview unter anderem, was eine "Unkonferenz" ist.

Die Digitalisierung verändert das Lernen radikal. Ein Prozess, den es mitzugestalten gilt, findet Dejan Mihajlovic, Lehrer an der Pestalozzi-Schule und Initiator des Barcamps Lernräume, das am 17. März an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg stattfinden wird. Stephanie Streif hat mit ihm über Unkonferenzen, Lernnetzwerke und QR-Codes gesprochen

BZ: Barcamp, das klingt nach Schlafsack, Gaskocher und Flip-Flops. Was genau steckt hinter dem Konzept?
Mihajlovic: Der Softwareentwickler und Verleger Tim O’Reilly war der erste, der zu so einer Konferenz einlud. FooCamp hieß die damals. Das Foo steht für Friends of O’Reilly. Computer-Freaks der US-amerikanischen Nerd- oder Tekkie-Szene haben diese neue Konferenzform dann Mitte der Nullerjahre etabliert und das Foo durch ein Bar ersetzt, das im IT-Jargon für einen Platzhalter steht. Die klassische Konferenzform – einer spricht, der Rest hört zu – hat diesen Leuten nicht mehr zugesagt. Sie wollten mehr Beteiligung und haben daraus eine Unkonferenz gemacht, das Barcamp.
Dejan Mihajlovic (41) ist verheiratet, hat vier Kinder und unterrichtet an der Pestalozzi-Realschule in Freiburg Chemie, Geschichte, Mathematik und Ethik.

BZ: Und was ist neu an dem Format? Impulsvorträge oder Workshops gibt es heute doch auch schon auf Konferenzen?
Mihajlovic: Neu ist, dass es keine Teilnehmer mehr gibt, sondern Teilgeber, die mitgestalten und nicht nur konsumieren. Ein Barcamp hat auch kein festgelegtes Programm. Was fest steht, sind die Anzahl der Räume und die Zeitschienen, in denen sogenannte Sessions abgehalten werden. Zu Beginn des Barcamps machen die Teilnehmer inhaltliche Angebote, heißt, sie stellen ihr Thema kurz dem Plenum vor. Ob das Thema dann in einer Session bearbeitet wird, entscheiden die Teilnehmer selber. Jeder, der da ist, kann also mitbestimmen, was besprochen werden soll und was nicht. Bei den Sessions wird übrigens über webbasierte Editoren mitprotokolliert. Wenn also zwei Zimmer weiter gerade eine spannende Diskussion im Gang ist, bekomme ich das mit und kann die Session wechseln.

Im Video: Das Moderatoren erklären, was ein Barcamp ist



BZ: Das von Ihnen organisierte Barcamp will neue Lernräume auftun. Welche?
Mihajlovic: Vor anderthalb Jahren hat die Stadt Freiburg ihr zehnjähriges Jubiläum als Bildungsregion gefeiert – dazu gab es eine Hochglanzbroschüre und eine Veranstaltung, bei der sich vier, fünf Experten über Bildung ausgetauscht haben. So exklusiv stelle ich mir Bildung nicht vor. Der digitale Wandel hat die Grenzen zwischen formaler und nicht-formaler Bildung aufgeweicht. Gelernt wird längst nicht nur in der Schule, sondern lebenslang und überall, warum also nicht auch in der Stadt. Im Web zum Beispiel existieren bereits Plattformen, über die sich Menschen und Institutionen über Bildung austauschen. Diese persönlichen Lernnetzwerke gilt es jetzt, in die analoge Welt zu übertragen.

BZ: Geht es etwas konkreter?
Mihajlovic: In und um Freiburg leben jede Menge Menschen mit unterschiedlicher Expertise in Sachen Bildung. Ich glaube, dass ihr Potenzial noch brach liegt. Das gilt es jetzt, in der Kommune sichtbar zu machen, auch um die Herausforderungen unserer immer komplizierter werdenden Welt so gut es geht vor Ort zu lösen – mit Kooperationen zum Beispiel oder mit Projekten. Das können regelmäßige Treffen sein, bei denen Know-how ausgetauscht wird, wie es zum Beispiel beim Offenen Bildungsnetzwerk Freiburg bereits passiert. Oder aber man entwickelt zusammen eine konkrete Problemlösung. Neulich erst ist ein Lehrer an den Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee herangetreten, weil er plant, zusammen mit seinen Schülern QR-Codes an historischen Häusern anzubringen, über die sich per Smartphone Informationen zu diesen ziehen lassen. Solche Lernräume gilt es zu erschließen.

BZ: Wen könnte das Barcamp interessieren?
Mihajlovic: Alle. Das Wörtchen Lernräume lässt einen zwar schnell an Schule und Uni denken. Das Barcamp ist aber nicht nur für Lehrer oder Freiburgs Bildungsplayer interessant, sondern auch für Schüler, Unternehmer oder Rentner. Ganz egal. Was Freiburg fehlt, ist ein Mittelpunkt, wo Bürger sich miteinander austauschen können. Es gibt hier zwar ein Zentrum, aber das ist durchkommerzialisiert. Man ist hier ja nur am Shoppen und Geld ausgeben. Die Grundidee ist, in der Stadt eine kritische Masse zu generieren, die den digitalen Wandel kommunal angeht. Das Barcamp ist vielleicht ein Anfang.
Mehr Infos zu dem Barcamp gibt es unter https://www.barcamp-freiburg.de/