Was Heimat alles sein kann

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Do, 06. September 2018

Waldkirch

Kinder und Jugendliche aus Waldkirch haben sich mit dem Begriff Heimat auseinandergesetzt.

"Ey, was für Heimat?" hieß eines von mehreren Jugendfilmprojekten, die aus Anlass der Heimattage in Waldkirch in Angriff genommen wurden. Ein Blick auf die Projekte rund um Heimat:

Anfangs wurde der Begriff Heimat von der jungen Generation eher als altertümlich, abgegriffen, politisch ausgenutzt und langweilig begriffen. Doch je mehr sich die Jugendlichen damit befassten, desto mehr entdeckten sie: Heimat, das sind wir, unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und die Zukunft, die wir mitgestalten.

Eine Fülle von Projekten wuchs aus dem Boden. Politische Diskussionen, die sich mit Migration und Europa befassten, aber auch mit Mitbestimmung der Jugend an der Waldkircher Kommunalpolitik beschäftigten. Außerdem gab es historische Spurensuchen, Kunstprojekte, Begegnungen mit Schülern aus den europäischen Partnerstädten, Umweltaktionen und vieles mehr. Projektwochen und Arbeitsgemeinschaften an den Schulen und Kindergärten wuchsen aus dem Boden. "Heimat" war nun plötzlich in aller Munde und öffnete den Blick dafür, was Heimat alles sein kann.

Im Rahmen einer Begegnung mit Politikern aus dem Landtag fragten Schüler aller Waldkircher Schulen den Abgeordneten Löcher in den Bauch und was die Landespolitik mit ihnen und ihrer unmittelbaren Heimat im Elztal zu tun haben könnte. Zum Beispiel die Bildungspolitik: "Warum ist das Abi in Baden-Württemberg so schwer?", fragte eine Jugendliche und fand, dass dies doch gerade bei Studiengängen mit Numerus clausus ungerecht sei.

Mehrere Filmprojekte in Schulen gingen auf Spurensuche: Am Geschwister-Scholl-Gymnasium besuchte die AG Forest Pictures andere Orte in Baden-Württemberg und forschte nach, wie dort Jugendbeteiligung an der Politik funktioniert, aber auch, wie der Bau der Zeppelin-Luftschiffe in Friedrichshafen bis heute auf die wirtschaftliche Entwicklung der Bodenseeregion nachwirkt.

Eine Filmgruppe der Kastelbergschule versetzte sich für einen Film schauspielerisch in Menschen hinein, die vor 200 Jahren ihre Heimat verließen, um eine wirtschaftlich bessere Zukunft zu finden als im damals verarmten Schwarzwald. Das Jugendtheater Waldkirch interviewte für einen Film Einwanderer, um sich dem Thema Heimat zu nähern. Einen ähnlichen Ansatzpunkt wählte ein weiteres Filmprojekt von Jürgen Dettling vom Verein Black Dog.

Dass Heimat auch etwas Leckeres sein kann, damit beschäftigte sich ein Erdbeertag im Erdbeerdorf Buchholz, einem Waldkircher Stadtteil. Und beim großen Waldkircher Kindergipfel hatten die Grundschüler nicht nur Ideen, wie Waldkirch spannender, sauberer und gemütlicher werden kann, sondern kamen auch mit älteren Menschen über deren Kindheit ins Gespräch und ließen bei heimatbezogenen Bastelangeboten ihrer Kreativität freien Lauf.

Weniger als einen Ort, sondern mehr als ein Beziehungsgeflecht sehen heute viele Kinder und Jugendliche ihre Heimat. Spitz gesagt: "Heimat ist dort, wo ich WLAN habe" oder eben "Da, wo es Freunde gibt", "Da, wo man sich beschützt fühlt", "Wo ich die Tradition kenne", "Wo ich und meine Familie uns wohlfühlen". Auf jeden Fall ist es für die meisten etwas, was sich entwickelt und erneuert und nichts, was etwa nur einem bestimmten Personenkreis gehört und andere ausschließt.