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16. März 2010

"Habe zu Atdorf kein Urteil"

BZ-INTERVIEW mit Regine Barth vom Ökoinstitut Freiburg über das Pumpspeicherkraftwerk.

  1. Regine Barth Foto: Axel Kremp

BAD SÄCKINGEN/WEHR/HOTZENWALD. Regine Barth vom Ökoinstitut Freiburg sprach mit BZ-Redakteurin Katja Mielcarek über die Rolle, die das Institut in der Diskussion um das Projekt Atdorf spielen kann und will, und darüber, welchen Einfluss Bürger und Gemeinden haben.

BZ: Frau Barth, mit der Moderation des Öko-Instituts bei der Vorstellung der Gutachten von Dena und Iwes waren viele Beobachter nicht zufrieden. Zu recht?

Regine Barth: Sicher war es ungünstig, dass ich am Flughafen in London festsaß. Mein Kollege Dierk Bauknecht sprang dankenswerter Weise kurzfristig für die Moderation ein. Aber sehr viel anderes wäre der Abend auch unter meiner Moderation wohl nicht gelaufen. Möglicherweise lag ein Missverständnis über das Ziel der Veranstaltung vor. Es ging darum, dass die beiden Gutachten vorgestellt werden sollten, die die Schluchseewerk AG erstellen ließ. Denn sie spielen eine zentrale Rolle im Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren, um zu begründen, warum das Vorhaben aus Sicht des Antragstellers energiepolitisch notwendig ist. Es sollte die Möglichkeit bestehen, das Bürgerinnen und Bürger an die Gutachter Fragen stellen und mit ihnen Diskutieren, weil das im formalen Raumordnungsverfahren so nicht vorgesehen ist – aber da hatten wohl einige eine andere Erwartungen.

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BZ: Wie auch an das Öko-Institut und seine Rolle in dem Verfahren?

Barth: Das mag sein. Einige Gegner hatten vielleicht die Hoffnung, dass wir ihnen in erster Linie Munition im Kampf gegen das Becken liefern. So sehen wir unsere Aufgabe aber nicht. Wir wollen vor allem dazu beitragen, dass sich die Bürger und auch die Kommunen eine eigene Meinung zu dem geplanten Bauwerk bilden können – und zwar unabhängig von den Informationen der Schluchseewerk AG oder der Bürgerinitiative.

BZ: Wie dürfen wir uns das vorstellen?

Barth: Bei dem Pumpspeicherwerk Atdorf handelt sich unbestritten um einen sehr schwer wiegenden Eingriff in die Natur, und auf der anderen Seite steht das überregionale öffentliche Interesse an einer stabilen und klimafreundlichen Stromversorgung. Wir wollen dabei helfen, dass alle zentralen Fragen – sei es zum Beispiel die Wasserversorgung oder die Sicherheit der Bauwerke – ausreichend diskutiert werden und die notwendigen Informationen sowohl den Gemeinden als auch den Bürgern zur Verfügung stehen. Eine wichtige Frage wird die Diskussion um die energiepolitische Notwendigkeit bleiben. Wir würden es für sinnvoll halten, hierzu in einem Fachforum unter Einbeziehung der Betroffenen, die das Projekt kritisch sehen, weiter zu diskutieren. Denn natürlich kann eine Informationsveranstaltung wie in Wehr nicht alle Fragen abschließend klären. Solch ein Forum muss ja auch gar nicht den Anspruch verfolgen, dass am Ende alle die gleiche Meinung haben – aber dass man Fragen gezielt nachgeht und versucht im gemeinsamen Diskurs so objektiv wie möglich zu klären.

BZ: Haben Sie beziehungsweise das Öko-Institut sich schon eine Meinung zu dem Projekt gebildet?

Barth: Natürlich ist es so, dass wir schon hinter dem Ausbau erneuerbarer Energien stehen und wissen, dass es generell Speichermöglichkeiten braucht. Aber zu dem konkreten Projekt Atdorf erlaube ich mir hier kein Urteil. Die Unterlagen liegen ja noch gar nicht im Einzelnen vor. Ich denke auch, dass in den Genehmigungsverfahren schon noch wichtige Fragen geklärt werden müssen. Gerade auch, wenn es um bestimmte Belange der betroffenen Kommunen geht.

BZ: Deren Einfluss ist bei dem Genehmigungsverfahren doch ebenso begrenzt wie der von Umweltverbänden oder einzelnen Bürgern, oder?

Barth: Wenn mich ein Gegner fragen würde, ob solche Partizipationen eine gute Möglichkeit wären, das Projekt zu verhindern, müsste ich ehrlicherweise sagen: Nein. Solche Verfahren können aber beitragen zu Auswegen aus bestimmten Konflikten oder dazu, dass negative Folgen durch gemeinsame Lösungssuche geringer werden.

BZ: Das setzt aber auch eine Mitwirkung der Bürgerinitiative voraus ...

Barth: Im idealen Fall natürlich. Aber ich kann auch die Haltung verstehen, wenn jemand das Pumpspeicherwerk und damit auch Diskussionen über Auflagen und Einschränkungen vollständig ablehnt. Letztlich muss jeder für sich selber abschätzen, wie er am meisten für sich und seine Belange erreichen kann.

Eine Infoveranstaltung der Kommunen zu den Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren für das Projekt Atdorf findet heute, Dienstag, ab 19 Uhr in der Rotmooshalle in Herrischried statt.

Autor: mie