Roland Gampp hat seine Auslandsabenteuer in ein Buch gefasst

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Do, 10. Oktober 2013

Wehr

Erlös geht an Tafelladen

WEHR. "Wer nicht geht, kehrt nicht heim" heißt das Buch von Roland Gampp. Mit dem Titel spielt der Wehrer nicht in erster Line auf seine zahlreichen Auslandsaufenthalte an, sondern auf die Reise ins eigene Ich, denn bekanntlich entwickeln sich Identität und Persönlichkeit eines Menschen in Auseinandersetzung mit der Welt.

Roland Gampp ist ein spätberufener Autor. Ein Kollege habe ihn im vergangenen Jahr aufgefordert, seine Erlebnisse zu Papier zu bringen, erzählt er. Schließlich hat der gelernte Bankier (Jahrgang 1952) eine Menge zu erzählen. Nach seiner Ausbildung wurde er als Springer eingesetzt, zunächst in diversen Städten in Deutschland und schließlich auf der ganzen Welt. So ist er viel herumgekommen.

"Es macht mir Freude, die Menschen aus dem Alltag zu entführen und mit dem Leser in Resonanz zu kommen", sagt Gampp über sein Buch. Der Leser solle die Welt durch die Augen des Autors sehen und an dessen Erlebnissen teilhaben. Es sind keine herkömmlichen Reiseberichte, die Sehenswürdigkeiten auflisten, vielmehr transportiert Gampp Sinneseindrücke und die Gefühle, die er in Auseinandersetzung mit den fremden Ländern, Kulturen und Menschen hatte. "Das schon Gelebte und Erlebte noch einmal zu durchleben und Dinge aufzuspüren, die in einer dunklen Ecke verborgen lagen", ist sein Anliegen.

Roland Gampp hielt sich in Japan, Singapur, Hongkong, Thailand, Ceylon, Uruguay, Argentinien und auf den Philippinen und in Brasilien auf. Besonders Brasilien fühlt er sich tief verbunden. Den Ländern begegnete der Wehrer zwischen 1978 und 1984 nicht mit dem Auge des Touristen, der dem Leben als Außenstehender begegnet, sondern mit der Offenheit und Neugier eines Abenteurers, der in die fremde Welt eintaucht und das Leben der Einheimischen mitlebt.

Der Autor berichtet von seinen Begegnungen mit Menschen, seiner Faszination über die Mischung der Kulturen, und freimütig schildert er auch die Liebesbeziehungen mit faszinierenden Frauen, unter anderem einer brasilianischen Intellektuellen, die aus Ärger über die sozialen Missstände in ihrer Heimat in die Sowjetunion auswanderte. Es gelingt ihm, die Abenteuer im Urwald, die Vielfalt der Pflanzen und Tiere, die Schönheit der Sonnenuntergänge anschaulich zu schildern, wobei er auch unerfreuliche Erlebnisse wie Motorradunfälle und eine Nierenkolik nicht auslässt.

Der Autor idealisiert nicht

Gampp idealisiert die Länder nicht. So ist Sao Paulo für ihn "die hässlich-schönste Stadt der Welt". In dem Kapitel über Argentinien erwähnt er – so sehr er auch von Buenos Aires fasziniert ist – die dunkle Zeit der Militärdiktatur, die Inflation, die Allgegenwart von Sicherheitskräften und die Verhaftung eines deutschen Arbeitskollegen, der kritische Worte über die Regierung zu äußern gewagt hatte. Bei der Besichtigung der historischen Inka-Metropolen in Peru wohnte Gampp zufälligerweise im selben Hotel wie der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. Er erzählt, wie er sich ein Herz fasste, Schmidts Zimmer betrat und ein Kärtchen mit dessen Namen als Andenken, nun ja, entwendete.

Etwa 30 Seiten des 272 starken Buches widmet Gampp seinen Gedichten und fiktionalen Geschichten. Bebildert hat der Wehrer sein Erstlingswerk mit Reproduktionen seiner Ölgemälde. Zurzeit arbeitet der Spätberufene an einem Abenteuerroman und einem Gedichtband, die bis Mitte nächsten Jahres fertig sein sollen.

Das Buch "Wer nicht geht, kehrt nicht heim" von Roland Gampp (272 Seiten, 23,90 Euro) ist im Verlag Book on Demands erschienen. Es ist in der Buchhandlung Volk in Wehr vorrätig und dank ISBN-Nummer (978-3-7322-5479-8) überall bestellbar. Den Erlös spendet der Autor dem Tafelladen Wehr.