Wenn reglose Gegenstände begeistern

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Do, 21. Juni 2018

Wehr

In der Ausstellung "Stilles Leben" in der Kulturfabrik zeigen 13 Künstler Malerei, Fotografie, Zeichnungen und Installationen.

SCHOPFHEIM. So voll war die Kulturfabrik selten wie bei der Vernissage der Ausstellung "Stilles Leben": Mehr als 150 Kunstfreunde drängten sich in der städtischen Galerie, um die Arbeiten von 13 Künstlerinnen und Künstlern aus der Region zu sehen. Viele Besucher waren so beeindruckt, dass sie beschlossen, an einem anderen Öffnungstag wiederzukommen, um die Werke nochmals in Ruhe zu betrachten.

"Es freut uns sehr, dass die Ausstellung die Menschen offensichtlich berührt", sagt Frank von Düsterlho aus Wehr, der zusammen mit Elena Romanzin und der Lörracher Malerin Marga Golz diese Schau in der Reihe der Kulturkooperation Schopfheim-Wehr organisiert hat. Dabei wollten sie das Thema "Stilles Leben" in den Stilen, Materialien und Techniken so vielseitig wie möglich gestalten. Die Einträge begeisterter Besucher im Gästebuch sprechen für sich: "Ganz fantastische Auswahl, eine Augenweide!", "Eine sehr eindrucksvolle, vielfältige Ausstellung" oder "eine unglaubliche Qualität" lauten Besucherstimmen. Überaus begeistert zeigt sich auch Susanne Häußer-Ühlin, die für den Bereich Kultur in der Stadt zuständig ist. Auch die aus Italien stammende, in Wehr lebende Malerin Elena Romanzin und ihr Mann Frank von Düsterlho sind gut vernetzt in der regionalen und internationalen Künstlerszene und organisierten mit großem Erfolg den Grand Salon in Bad Säckingen. Mit Marga Golz kamen weitere namhafte Kunstschaffende aus dem Raum Lörrach dazu.

Beim Betreten des Raums entdeckt man eine von Marga Golz gemalte liegende Frau im Gras, den Blick in den Himmel gerichtet, umgeben von Blättern und Pflanzen: ein Bild, das Ruhe pur ausstrahlt. Marga Golz zeigt auch eine Serie von Stillleben mit Zuckerdosen vom Flohmarkt. In überdimensionaler Größe hat sie diese Gefäße gemalt, präzise und hyperrealistisch. Auch die Alltagsobjekte in den Stillleben von Elena Romanzin erzählen kleine Geschichten: Besteck, Pfeffer- und Salzstreuer, ein altmodisches Telefon mit Wählscheibe oder alte Tasten einer Schreibmaschine. In meisterlicher Maltechnik und wunderschönen Farben wie Gold-, Messing- und Silbertönen, veredelt die Malerin diese Gegenstände. Eine ähnliche Wirkung hat Romanzins Bilderreihe der "Steine", die von Wind und Wasser ausgewaschen sind.

In altmeisterlicher Manier gemalt sind die klassischen Stillleben von Patrick Gall. In präziser Hell-Dunkel-Wirkung lässt er Gläser, Trauben, Granatäpfel in Ölgemälden so plastisch wirken, dass man danach greifen möchte. Wie er die Transparenz des Glases oder die sinnlichen Farben der Früchte malt, ist bestechend wie der Art der Alten Meister.

Faszinierende Lichtwirkungen von fast surrealer Magie erzeugt Petra Böttcher in ihren Fotografien mit der Lochkamera. Ihre Bilder von Dünen und Dünengras lassen den Betrachter eintauchen in eine geheimnisvolle Atmosphäre. Sehr feinsinnig und sensibel lenkt Sigrid Schaub in ihren zarten Graphitzeichnungen, Fotoarbeiten und Digitalprints den Blick auf die zarten Wesen der Natur wie Insekten, aber auch auf die Vergänglichkeit wie im Bild einer welkenden Pflanze. Verborgenes, aber auch das Spiel mit Licht und Schatten schwingt in den Bildern der Malerin Insa Hoffmann mit. Man sieht Fabrikfenster, Vorhänge vor den Fenstern, eine Leiter, die an einer Wand lehnt und Schatten wirft, Bilder, die auf ihre Art stille Geschichten im Betrachter hervorrufen. Auch in der Abstraktion lassen sich Momente des Stillen und des Meditativen finden, etwa in den kontemplativen Bildern von Ellen Mosbacher, die durch lichte Töne und Blau-Nuancen, durchbrochene Strukturen und zerschnittene Leinwandfäden eine besondere Materialität und Tiefe ausstrahlen. Eine Installation zum Bienensterben stammt von Heike Mages, die selbst Imkerin ist: Mit einem Kreis toter Bienen um ein Tongefäß sensibilisiert sie für die Bedrohung der Natur. Von ihr stammen auch fragile Porzellanschalen mit Blattstrukturen. An Korallen, Meeresformen oder Unterwasserwesen erinnern die Objekte von Monika Grether mit dem Titel "Aus der Tiefe". Andere Objekte von ihr heißen "Aus der Erde" und haben etwas Archaisches in der Form. Aus Karton und Ölfarben hat sie Birkenstämme geformt. Figürliches aus gebranntem Ton steuert Günter Ruf bei. Seine realistisch modellierten Figuren strahlen oft etwas in sich Gekehrtes aus. Eine ganz eigene haptische Qualität haben die textilen Objekte, vieldeutigen Formen und das Meeresbild aus Filz von Brigitte Rosenthal. Mit der Säge bearbeitet sind Holzskulpturen in Lamellen- und Kugelformen von Urs Twellmann.

Die ganze Stirnwand nimmt das Bild von Wladimir Fuchs ein, in dessen undurchdringlichem Dickicht und Geflecht Tierköpfe und Figuren verborgen sind.

Die Ausstellung dauert bis 15. Juli, geöffnet Mittwoch, Samstag, Sonntag 14 bis 17 Uhr.