2392 Liegestütze in einer Stunde

Hannes Lauber

Von Hannes Lauber

Di, 20. Dezember 2016

Weil am Rhein

Roman Dossenbach (58) wohnt in Weil am Rhein, macht seit vier Jahren jeden Tag Push ups und jagt unablässig nach Weltrekorden.

WEIL AM RHEIN. Liegestütze – das ist für viele eine Tortur, für manche eine Herausforderung. Der Schweizer Roman Dossenbach, der seit 2004 in Weil am Rhein wohnt, hat die Herausforderung zur Leidenschaft gemacht. Schon dreimal hat er Weltrekorde aufgestellt, zuletzt vor wenigen Tagen. Am 29. November schaffte er innerhalb einer Stunde 2392 Liegestütze, vergangene Woche hat das Guinnessbuch der Rekorde den Versuch bestätigt.

Vergangene Woche ist Roman Dossenbach 58 Jahre alt geworden. Seine sportliche Leidenschaft hat er erst vor vier Jahren entdeckt. In der Jugend sei er ausgesprochen unsportlich gewesen, erzählt der Elektromechaniker, der beim Serviceunternehmen ISS in Basel beschäftigt ist. Erst mit 16 Jahren habe er mit Ausdauertraining begonnen, vor allem Langläufe absolviert und an regionalen Wettkämpfen teilgenommen. Auf die Idee mit den Push-ups, so heißen Liegestütze auf Englisch, kam Dossenbach am 17. Dezember 2014, also genau vor vier Jahren. Sein Bruder schenkte ihm ein altes iPhone. Dort fand er eine App, mit der man seine Liegestütze zählen konnte, in dem man mit der Nase auf den Bildschirm tippte.

Nach den ersten 300 konnte er eine Woche nicht laufen

"Beim ersten Mal hab ich dann 300 Push-ups über den ganzen Tag verteilt gemacht und konnte mich danach eine Woche lang fast nicht mehr bewegen", schildert Dossenbach seine ersten Erfahrungen. Aber: Sein Ehrgeiz war geweckt, und weil er ein Faible für Zahlen hat, ging’s alsbald darum, diese oder jene Marke zu übertreffen.

Bereits im April 2013 war er Erster der Weltrangliste, in der es eine Wertung für die meisten Push-ups pro Woche, pro Monat und insgesamt gibt. Dossenbach hatte bis dahin, also in vier Monaten, rund 105 000 Liegestütze auf dem Konto. Ende 2013 waren es dann schon 500 000. Mark Maslow, Coach von Boxlegende Vitali Klitschko, wurde auf den Schweizer aufmerksam und stellte ihn auf seinem Blog vor. Inzwischen liegt Dossenbachs Push-up-Gesamtzahl bei 1,86 Millionen.

"Ich trainiere eisern. Zur Zeit mache ich jeden Tag 1000 Liegestütze", sagt Dossenbach. Geht es auf einen Weltrekordversuch zu, kommen Intervall-Trainingseinheiten dazu, in denen sich Serien von Liegestützen mit kurzen Erholungspausen abwechseln. Ganz ähnlich verlaufen die Rekordversuche: "Ich mache zum Beispiel 20 Push-ups in 14 oder 15 Sekunden, danach regeneriere ich mich 15 Sekunden lang. Diese 30 Sekunden-Einheiten wiederhole ich 120-mal." In einer Stunde wären so 2400 Liegestütze möglich. Um sich in 15 Sekunden regenerieren zu können, setzt Dossenbach Nahrungsergänzungsmittel ein: "Aber nur Eiweiß, Protein, Glutamin und Kreatin."

Will man einen Weltrekord schaffen, kommt es aber nicht allein auf Kraft und Ausdauer an. Die Juroren des Guinnessbuches sind bei der Ausführung der Push-ups knall hart. Bleibt der Körper nicht in einer Linie, wippen die Hüften zu sehr, oder bilden Ober- und Unterarme beim Absenken zum tiefsten Punkt keinen rechten Winkel, dann ist der Rekordversuch gescheitert.

Dossenbach hält seine Versuche auf Video fest, sowohl in Vorder- wie auch in Seitenansicht, und er lässt den Ablauf von seinen drei Helfern Bettina, Nadja und Sebastian sowie der ausgebildeten Fitnesstrainerin Bettina Buggisch, die ebenfalls in Weil am Rhein wohnt, dokumentieren und beglaubigen. Dennoch haben die Guinness-Juroren schon mehrfach seine Versuche für ungültig erklärt. "Da war die Ausführung nicht sauber", sagt Dossenbach. Auch beim jüngsten Rekordversuch vom 29. November war es beinahe wieder so.

Seit Freitag sind 2392 Push-ups pro Stunde neuer Weltrekord

Am Freitagmorgen erhielt Dossenbach eine Mitteilung aus London, dass nur 30 Minuten der Übung auf Video angekommen seien und er deshalb disqualifiziert sei. Dann am Nachmittag die Wende: Guinness entschuldigte sich und bestätigte, dass beim Rekordversuch alles korrekt verlaufen sei. Seither sind 2392 Push-ups in einer Stunde die neue Höchstmarke.

Doch das ist nicht die einzige Rekordmarke, die Dossenbach für sich errungen hat. Er hat als neue Disziplin den Liegestütz auf den Handknöcheln eingeführt und dabei in einer Minute 66 Ausführungen und in einer Stunde 1796 geschafft. Beide Rekorde sind aber verloren, der Minutenhöchstwert liegt bei 84, gehalten von einem Kanadier, der Stundenrekord bei 2175, aufgestellt von einem Pakistani.

Diesen Montag hat Dossenbach nun im Fitnessstudio Gymm im Stücki-Center versucht, sich den Knöchel-Stundenrekord zurückzuholen. Doch nach einer Viertelstunde brach er den Versuch ab. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits knapp über 500 Liegestütze geschafft hatte, lag der angepeilte Wert von 2176 bereits in zu weiter Ferne. "Ich hatte pro 30-Sekunden-Einheit nur zwölf Sekunden zur Regeneration, das war zu wenig", stellte er im Nachgang fest. Doch aufgegeben will er nicht. "Vielleicht versuch ich es am Mittwoch mit dem Minuten-Weltrekord". Denn da hat er schon einmal 92 Liegestütze geschafft. Das Video fand bei Guinness aber keine Gnade: "Das muss ich akzeptieren."

Denn vor gut drei Jahren wurden die Anforderungen an die Liegestütz-Rekorde neu formuliert und alle alten Bestmarken gelöscht. Sie kursieren zwar noch auf inoffiziellen Listen. Doch nach den heutigen Anforderungen von Guinness sind diese Werte nicht mehr zu erreichen.

Den Guinness-Rekord von Dossenbach findet man unter http://mehr.bz/liegestütz