Auf den Spuren von Gustave Fecht und Johann Peter Hebel

Yvonne Siemann

Von Yvonne Siemann

Di, 25. September 2018

Weil am Rhein

Monika Merstetter führt die Mitglieder des Geschichtsvereins Markgräflerland bei ihrer Jahrestagung zu historisch bedeutenden Gebäuden in Altweil.

WEIL AM RHEIN (BZ). Nur eine schlichte Grabplatte an der Altweiler Kirche zeugt heute im Weiler Stadtbild von Gustave Fecht (1768-1828). Um an die Freundin von Johann Peter Hebel zu erinnern, hat Monika Merstetter aus Anlass von Fechts 250. Geburtstag eine Führung ausgearbeitet. Im Rahmen der Jahrestagung des Geschichtsvereins Markgräflerland zeigte sie den rund 30 Teilnehmern verschiedene Orte in Altweil, zwischen denen sich Gustave Fechts Leben abgespielt haben wird: die Kirche, den Domhof, das Stapflehus, den Bläserhof sowie die frühere Schule und das heutige Museum am Lindenplatz.

Weil war im 18. Jahrhundert von Landwirtschaft und Weinbau geprägt und litt unter der wiederholten Ausplünderung durch Truppen. Schon damals war Wohnraum knapp für die weniger als 1000 Weiler, so dass 1777 die Hinterdorfstraße angelegt wurde. Der Brunnen auf dem Lindenplatz musste für 60 Personen samt Vieh reichen, was zu viel Andrang geführt haben wird.

Zurückhaltung, die an Herbheit grenzt

Gustave Fecht wird als groß, schlank, blauäugig, blond und anmutig beschrieben, mit "einer Zurückhaltung, die an Herbheit grenzte". Gleichzeitig war sie couragiert und energisch, was sie vielleicht von ihrem Vater geerbt hatte. Er war Pfarrer in Eimeldingen, von kräftiger Statur und riss einmal bei einem Raubüberfall bei der Kalten Herberge zur Verteidigung seiner Familie kurzerhand ein Wagenrad ab, wie in der Eimeldinger Chronik steht. Jedoch starb er kurz darauf, als Gustave elf Jahre alt war. Nur drei ihrer neun Geschwister überlebten bis ins Erwachsenenalter. Ab 1790 wohnte Gustave Fecht bei ihrer Schwester Karoline und ihrem Schwager Tobias Günttert, der in Weil die Pfarrstelle übernommen hatte, im evangelischen Pfarrhaus im Domhof. Es war 1569 sogar mit beheizten Zimmern gebaut worden. Hebel, der sich mit dem Pfarrer einige Jahre zuvor in Lörrach angefreundet hatte, besaß im Weiler Pfarrhaus ein Zimmer und einen festen Platz am Esstisch.

Sicher waren Hebel und Fecht auch bei der Einweihung der heutigen Altweiler Kirche 1791 dabei, deren Neubau 1789 beschlossen worden war, weil immer mehr Lutheraner auch aus umliegenden Orten den Gottesdienst besuchten. Nebenan, im heutigen Museum am Lindenplatz, war die Weiler Schule untergebracht. Schon 1563 wurde zum ersten Mal Schulunterricht in Weil mit dem Siegrist als Lehrer abgehalten. Höhere Bildung für Mädchen galt für die damalige Gesellschaft aber als zweitrangig. Für Gustave Fecht war jedoch der Unterricht für junge Frauen ein wichtiges Anliegen, auch wenn Johann Peter Hebel von diesem Engagement nicht allzu viel hielt.

Hebels glücklichster Lebensabschnitt

Hebels Zeit in Weil war vielleicht sein glücklichster Lebensabschnitt, doch er währte nur kurz: Bereits 1791 wurde Johann Peter Hebel nach Karlsruhe versetzt. Fortan schrieben sich die beiden bis zu Hebels Tod 1826 Briefe. Hebel schrieb an Fecht, die er "Liebste Jungfer" oder "Werteste Jungfer" nannte: "Mein Gemüt ist Ihnen nie näher, als wenn ich fern von Ihnen bin." Hebel war jedoch bereits 1812 gesundheitlich so angeschlagen, dass ihm die lange Reise nach Weil zu beschwerlich wurde. 1921 schrieb er beim Tod Tobias Güntterts an Gustave Fecht, dass er nie mehr nach Weil kommen wolle, um die Erinnerung an die schönen gemeinsamen Stunden zu behalten.

Nach dem Tod Güntterts zogen Gustave und ihre Schwester Karoline an die Hauptstraße 53. Aus den Briefen geht hervor, dass Gustave Fecht in späteren Jahren ein Ziehen in den Gelenken plagte, weshalb sie mit ihrer Schwester nach Riedlingen ins Thermalbad zu fahren pflegte. Außerdem war sie, die zeitlebens ledig blieb, als Krankenpflegerin und Helferin im Dorf sozial engagiert. Das Museum am Burghof besitzt noch ein teures Riechfläschchen von ihr, doch ihre Briefe sind nicht erhalten. Dank ihres Nachlassverwalters Pfarrer Ziegler kennen wir heute zumindest Hebels Briefe an sie.

Geschichtsverein plant zwei neue Bände für 2019

Im Anschluss an die Führung durch Altweil und das Mittagessen fand die Mitgliederversammlung statt. Die Hauptaufgabe des Vereins ist die Herausgabe eines Jahresheftes, das sich dieses Mal mit der Zeitenwende 1918/1919 beschäftigt. Abgesehen von der jährlichen Buchvorstellung gab es sonst im letzten Vereinsjahr keine Aktivitäten.

Für das kommende Jahr 2019 werden wieder zwei Zeitschriftenbände herausgegeben: Einer beschäftigt sich mit der Stadt Müllheim, im anderen arbeitet Hansjörg Noe die NS-Zeit im Kleinen Wiesental auf. Die Versammlung endete schließlich mit einer Besichtigung der Altweiler Kirche.

Wahlen: Hubert Bernnat (1. Vorsitzender), Harald Klemm (Finanzen und Beirat Denkmalpflege), Elmar Vogt (Schriftführer und Pressewart), Horst Oettle (Versand), Axel Hüttner (besondere Aufgaben), Dr. Erhard Richter (Schriftleitung) (alle bisher), Hans-Jörg Rotzler (2. Vorsitzender, neu)