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21. März 2017

Drogenspürhunde des Zolls waren erfolgreich

Das Freiburger Landgericht beschäftigt die Frage, was die Fahrer der zwei Lkw mit 15,8 Kilo Kokain und 5,5 Kilo Heroin von der Ware in ihren Fahrzeug-Achsen wussten.

WEIL AM RHEIN/FREIBURG. Seit dem 20. September 2016 sitzen zwei türkische Fernfahrer, 46 und 27 Jahre alt, in deutscher Untersuchungshaft. In den Achsen ihrer Auflieger wurden in Weil am Rhein nach einer Zollkontrolle 15,8 Kilo Kokain und 5,5 Kilo Heroin gefunden. Was wussten die beiden Fahrer, die am Landgericht Freiburg derzeit ihre Unschuld beteuern, von den Drogen? Sind sie Mitglieder einer international agierenden Drogenbande, wie es die Staatsanwaltshaft Lörrach in ihrer Anklage annimmt?

Die beiden Fahrer sprechen kein Deutsch. Im Prozess übersetzt simultan ein vereidigter Dolmetscher aus Freiburg, bei den Vernehmungen des Zolls am Festnahmetag war es ein anderer Dolmetscher. Dieser wird von dem 46-jährigen Angeklagten kritisiert. Er habe auffallend kurz seine langen Antworten auf die Fragen der Vernehmer übersetzt. Den vernehmenden Zollbeamten ist das nicht aufgefallen. Sie erinnern sich an nichts Ungewöhnliches. Mangels türkischer Sprachkenntnisse können sie die Kritik nicht beurteilen.

Der 27-Jährige wurde bei der Ausreise am Autobahngrenzübergang um 8.20 Uhr morgens vom Schweizer Zoll kontrolliert. Dabei stießen die Zöllner auf erhebliche technische Mängel an der Bremsanlage des Sattelzuges. Nunmehr untersuchten sie das Führerhaus genauer. Ein Drogenwischtest am Lenkrad fiel positiv aus. Das ist für sich allein genommen noch kein Grund für eine vorläufige Festnahme, da Spuren von Drogen sich etwa auf Geldscheinen aber auch auf öffentlichen Toiletten finden können, wie am zweiten Prozesstag zu erfahren ist.

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Dennoch zog der positive Drogenwischtest Weiterungen nach sich. Zwei Drogenspürhunde, einer vom schweizer Zoll und einer vom deutschen Zoll kamen zum Einsatz. Insbesondere der deutsche Schäferhund zeigte deutliches Interesse an den Achsen des Aufliegers des Sattelzugs des 27-Jährigen. Er "fror ein", wie die Hundeführerin aussagte. Als sogenannter Passivhund kratzte er nicht aufgeregt an den Achsen, sondern verharrte bewegungslos davor. Ein sicheres Anzeichen, dass er Drogen erschnuppert hatte.

Inzwischen hatte der Schweizer Zoll auch den nachfolgenden Sattelzug aus der Türkei angehalten, der denselben Firmenschriftzug hatte, wie der Zug des 27-Jährigen. Am Steuer saß der 46-jährige jetzige Angeklagte. In seinem Führerhaus fanden die Zöllner 28 000 Euro in bar – viel Geld für einen Lastwagenfahrer, dachten sich die Ermittler. Später soll sich laut Anklage herausgestellt haben, dass an diesem Geld Spuren von Drogen gesichert werden konnten. Am 20. September 2016 vermuteten die Ermittler, dass es sich um Drogengelder handeln könnte, nachdem in einer Achse des Aufliegers des 27-Jährigen Heroinkrümel gefunden worden waren.

Zuvor war auf dem Zollhof am Grenzübergang ein Rad an einer Achse des Aufliegers abmontiert worden. Dort wo der Hund verharrt hatte, wurde an der Achse eine unübliche Wartungsklappe entdeckt. Sie wurde aufgeschraubt und das Innere der Achse mit einem Endoskop inspiziert. Es sah so aus, als befände sich darin eine unbekannte Masse. Der Zoll tippte auf Heroin.

Der Zoll forderte die Ermittlungsgruppe Rauschgift aus Freiburg und die Spezialisten des Bundeskriminalamts an. Inzwischen wurden die Zugmaschinen nebst ihrer Auflieger in eine Lkw-Werkstatt in Weil gefahren. Dort kamen die Spezialisten des Bundeskriminalamts zum Einsatz. Die Achsen wurden ausgebaut. Die braune Masse in der Achse des Aufliegers des 27-Jährigen war so hart, dass die Achse aufgeflext werden musste. Mit Hammer und Meißel wurde sodann die festgebackene Masse mühsam entfernt. Es handelte sich insgesamt um 5,5 Kilo Heroin. Diese Drogen mal kurz auf einem Rastplatz entfernen und an Abnehmer zu übergeben, wäre unmöglich gewesen.

Anders sah das Ergebnis der Untersuchungen der Achsen am Auflieger des 46-jährigen Fahrers aus. Auch dort befanden sich unübliche Wartungsklappen. In den Achsen befanden sich zahlreiche Päckchen, die untereinander mit Schnüren verbunden waren. So konnten sie relativ einfach durch die Öffnung in der Achse gezogen werden. Sie enthielten insgesamt 15,8 Kilo Kokain. Im Verlauf der Ermittlungen konnten laut Anklage DNA-Spezialisten des Landeskriminalamts an einem dieser Kokainpäckchen den genetischen Fingerabdruck des 46-Jährigen sichern. Das passt nicht mit dessen Unschuldsbeteuerungen zusammen.

Autor: Peter Sliwka