Ein Hoch auf die Azoren! Das Azorenhoch jedoch ist ein Mythos

cre

Von cre

Di, 05. Dezember 2017

Weil am Rhein

Alexander Goebels versteht es, mit seinen ausdrucksstarken Bildern das Publikum für die Inselgruppe im Atlantik zu begeistern / Liebeserklärung an Meeressäuger.

WEIL AM RHEIN (cre). Das "Azorenhoch" ist ein Mythos! Das jedenfalls behauptete Alexander Goebels in seiner im Rahmen der Reihe "Vision Erde" gezeigten Multimediashow über diese viel zitierte Inselgruppe. Mehr noch: Wann immer auf seinen Fotos sich die Landschaft wolkenverhangen präsentierte, und das geschah nicht selten, wurde das "Azorenhoch" zum Running Gag.

Das eigentliche Anliegen Goebels war es jedoch, den Besuchern, von denen im vollbesetzten Saal im Haus der Volksbildung schon etliche auf den Azoren gewesen waren, Flora und Fauna dieses botanischen Gartens im Atlantik in all seiner Vielfältigkeit zu präsentieren und dabei möglichst genauso zu begeistern, wie er es selber war. Diesen Anspruch konnte er auch erfüllen.

Da Vielen unklar sei, wo die Azoren überhaupt liegen, gab Goebels zunächst eine Lagebeschreibung: Die Inselgruppe liegt im Atlantik, ungefähr auf der Hälfte der Strecke Europa – Amerika und gehört zu Portugal. Zahlungsmittel ist also der Euro. Landessprache ist Portugiesisch, aber im Tourismusgewerbe kommt man auch mit Englisch weiter.

Noch sind die Azoren ein Geheimtipp. Doch, wie die in der Pause zu vernehmenden teils enthusiastischen Äußerungen vermuten lassen, wird dies möglicherweise nicht mehr lange der Fall sein. Bieten die neun Inseln – oder wie die Einwohner sagen: acht und ein Spielplatz – zu Lande und zu Wasser doch alles, was ein Urlauberherz begehrt: eine üppige, bunte Pflanzenwelt, ein wahres Paradies für Taucher, Segler, Wal- und Delphinbeobachter, mit dem Vulkan Pico den höchsten Berg Portugals, die letzte Teeplantage Europas oder auch mit der Blumeninsel Flores den westlichsten, bereits auf der amerikanischen Platte liegenden Punkt Europas. Mit "Spielplatz" bezeichnen die Einwohner die Insel Terceira, auf der nicht nur die Häuser bunt sind, sondern auch das Leben pulsiert. Es wird zwar viel gefeiert, aber die bodenständigen Feste sind zum Glück nichts für eine glamourverwöhnte Schickeria.

Fühlte sich Goebels zu Beginn seiner Reise noch abgestoßen von einem Denkmal für die auf See gebliebenen Walfänger, lernte er doch im Kontakt mit den Einheimischen die ehemals große Bedeutung des Walfanges für die Insulaner und ihr Leben kennen und begreifen. Heute hat die Waljagd lediglich noch Erinnerungscharakter und spielt sich auf Festen und in Museen ab.

Fasziniert berichtete Alexander Goebels von seinen Begegnungen mit Delphinen und Walen auf dem und im Meer. Immer wieder offenbarte er seine Bewunderung für diese großen Meeresbewohner und rief zum Schutz dieser Tiere auf, wofür er auch mit der Aufschrift "Save a Whale" auf seinem T-Shirt demonstrierte. Tief beeindruckend seine Fotos von einem durch eine Schiffsschraube getöteten Pottwal. Doch genauso beeindruckend auch das genaue Gegenteil: die Begegnung mit einer Walkuh und ihrem Kalb, die, spielerisch immer wieder die gegenseitige Nähe suchend, den Atlantik durchschwammen. Dazu Goebels: "Das Azorenhoch existiert doch – aber ganz anders als je gedacht!"