Ein Land der Gegensätze

Reinhard Cremer

Von Reinhard Cremer

Fr, 17. November 2017

Weil am Rhein

Pascal Violo entführt mit seinem Multivisionsvortrag ins bunte, zum Teil bitter arme Indien.

WEIL AM RHEIN (cre). Indien – ein Land der Vielfalt und der Gegensätze. Von seinen Eindrücken von diesem riesigen Subkontinent berichtete der Reisejournalist Pascal Violo am Montagabend im Haus der Volksbildung. Mit seinem Beitrag startete die seit Jahren von Martin Schulte-Kellinghaus organisierte und neben anderen auch von der BZ unterstützte Vortragsreihe nun auch in Weil am Rhein in die neue Saison. Bis in den März werden am gewohnten Ort noch vier weitere Vorträge folgen.

Eigentlich hatte der aus Wien stammende Violo nach dem Abitur gar nicht nach Indien gewollt. Unter jungen Leuten war eine solche Reise zwar damals gerade "in", aber er wollte nicht mit dem Strom schwimmen. Ihn reizte Latein-Amerika. Inzwischen aber wurde auch in ihm die Neugier auf Indien geweckt. So durchquerte er jüngst teils allein, teils zeitweise in Begleitung zunächst den Norden des Landes, um danach mit seiner Frau und den drei Kindern den Süden zu bereisen.

In seinem Multivisionsvortrag führte Violo die Besucher von kargen, aber eindrucksvollen Berglandschaften im Himalaya über das legendäre Rajasthan mit seinen vielfach blauen Häusern bis hin in den Mudumalay Nationalpark, wo es zu Begegnungen mit frei lebenden Elefanten und Tigern kam. Bilder von pittoresken Klöstern in den Bergen mit ihren orange gekleideten Mönchen, von der Sonne verzauberten Landschaften, von scheinbar immer lächelnden Menschen konnten jedoch nicht über die unsägliche Armut eines großen Teils der Bevölkerung dieses Riesenreiches hinwegtäuschen. Die ewige Stadt Varanasi begegnete dem Journalisten als "die wohl indischste" – aber wies neben großer von der Bevölkerung gelebter Spiritualität auch die Kehrseite des menschlichen Charakters im Umgang miteinander auf. Leben mit Gesang, Tanz und Umarmungen bildete eine Einheit mit der Verbrennung von täglich zirka 3000 Leichen am Ganges.

Im Jahre 2011 starb der letzte der Maharadschas. Von deren Reichtum und Verschwendungssucht zeugen noch heute Bauten wie das legendäre Taj Mahal, ein Mausoleum, welches der Großmogul Shah Jahan zum Gedenken an seine große Liebe im Jahre 1631 errichten ließ. Eine Extrasequenz widmete Violo dem Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi, der ursprünglich gegen die Ungerechtigkeit des britischen Salzmonopols kämpfte, aber schlussendlich Indien in die Selbstständigkeit führte.

Für Violos drei Kinder wurde die Reise durch Indien zu einem großen Abenteuer, welches sie aber gesund und munter überstanden. Sehr entgegen kam der Familie auf der Reise durch Südindien die Tatsache, dass die Ehefrau dort schon früher sozial engagiert tätig gewesen war und somit eine der regionalen Sprachen beherrschte. Aufgrund der eigenen Sprachen hat auch jeder Bundesstaat seine eigene Filmindustrie hervorgebracht. Zufällig gerieten die Besucher aus Europa in eine solche Filmproduktion und durften gleich als Komparsen mitwirken.