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20. Januar 2017

Ein Strom mit ganz vielen Gesichtern

Mit Fahrrad und Schiffen hat Martin Schulte-Kellinghaus die Donau bereist.

  1. Der Fotograf und Autor Martin Schulte-Kellinghaus ist ein Kenner der Donau. Foto: CREMER

WEIL AM RHEIN (cre). Mehr als 2800 Kilometer legt die Donau von ihrem Ursprung bis zur Mündung zurück und durchfließt dabei zehn Länder. Sicher ist, dass sie im Schwarzwald beginnt, doch ob Donaueschingen der tatsächliche Quellort des Flusses ist, wird vielfach bezweifelt. Richtiger scheint eher die Quelle der Breg bei Furtwangen zu sein, die sich später mit der Brigach zur Donau vereinigt. Enden tut sie zweifelsfrei mit einem großen Delta ins Schwarze Meer.

Mit Fahrrad und Schiffen hat Martin Schulte-Kellinghaus den Fluss in mehreren Touren zu unterschiedlichen Jahreszeiten auf seiner gesamten Länge bereist. Im Rahmen der von ihm veranstalteten Reihe "Vision Erde" berichtete er davon mit zahlreichen Fotos – alles untermalt von landestypischer Musik – vor großem Publikum im Haus der Volksbildung. Etliche Besucher hatten nach eigenem Bekunden selber schon eine Schifffahrt auf der Donau gemacht und genossen noch einmal die Erinnerungen an Erlebtes – oder rüsteten sich für eine weitere Tour.

Habe er die Donau früher eher für "langweilig" gehalten, gestand Schulte-Kellinghaus, habe er sich doch eines Besseren belehren lassen müssen: "Die Donau ist spannend!" Auf ihrer Reise vom Bächlein bis hin zum großen Strom ist das Gesicht der Donau so unterschiedlich wie die Landschaften an ihren Ufern. Bei Immendingen verschwindet sie sogar im Sommer unter der Erde und taucht erst nach zwölf Kilometern wieder auf. Sie durchläuft Ebenen und Berge, Dörfer und Städte. Stauwehre und Schleusen halten sie auf. Sie durchschneidet auf 130 Kilometern die längste Schlucht Europas. Aber auch ein riesiger Stausee kann ihren Lauf nicht bremsen.

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Imposant präsentieren sich die Städte der ehemaligen Donaumonarchie. Wien mit dem weltberühmten Stephansdom, den von Friedensreich Hundertwasser gestalteten Gebäuden, dem Prater, Heurigenlokalen und vielem mehr. Oder Budapest, durch die Donau geteilt in Buda und Pest. Eindrucksvoll sind der Blick vom Gellertberg über die Donau und das im Zuckerbäckerstil errichtete Parlamentsgebäude, die über dem Fluss thronende Fischerbastei oder die vielen Cafés, ganz im Wiener Stil. Die schönen Seiten der Städte eben.

Doch auch die Grimasse des Krieges in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens zeigte Schulte-Kellinghaus auf eingeblendeten, nun schon historischen Aufnahmen von völlig zerstörten Orten.

Wieder zurück in der Gegenwart gab es auch Aufnahmen von wirtschaftlich auf dem Stande des frühen 20. Jahrhunderts stehen gebliebenen Dörfern und Landschaften zu sehen, doch wirkte auf den Betrachter alles eher malerisch, gemütlich, entschleunigt.

Durch den Zusammenbruch des damaligen Ostblocks wurde eine solche Flussfahrt erst möglich. Heute können die Touristen es genießen, "auf dem Wasser wohnend die Welt an sich vorbeiziehen zu lassen". Als Grenzfluss trennt die Donau zum Ende hin Rumänien von Bulgarien. Als letzte größere Stadt vor dem Delta liegt Tulcea, nahe der Grenze zu Moldavien und der Ukraine. Durch ein riesiges Netz aus Flüssen, Seen, Sümpfen und Kanälen erreicht die Donau nach knapp 3000 Kilometern ihr Ziel: das Schwarze Meer. Mit anhaltendem Applaus dankte das Publikum für einen sehr unterhaltsamen Vortrag mit schönen Bildern von eindrucksvollen Landschaften.

Autor: cre