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17. Juni 2017

Freiheit 2.0 – das Kunstprojekt wächst noch immer

Unkonventionelle Visualisierung der Gefahren von Big Data hat Künstler Florian Mehnert viele Türen geöffnet / App ist weiter aktiv.

  1. Florian Mehnert Foto: SENF

WEIL AM RHEIN (us). Richtig überrascht ist der Künstler Florian Mehnert nicht von der Aktualität, die viele der Fragen inzwischen bekommen haben, die er im Rahmen des Kunstprojektes "Freiheit 2.0" im vergangenen Jahr in Weil am Rhein gestellt und in zahlreichen Kolloquien mit Experten diskutiert hat. Wenn es um Fake News geht, wenn ein Präsident quasi über soziale Netzwerke twitternd regiert, wenn es um die Verschlüsselung von Whats App oder das Weitergeben von Daten bei Facebook geht, dann rückt das den Umgang mit dem Internet und die Verselbständigung des Datenstroms in den Blickpunkt – und entlarvt die Hoffnung, dass das Netz für den einzelnen Nutzer beherrschbar bleibt, als frommen Wunsch.

Überrascht hat Mehnert dann schon eher, welch weite Kreise die Kunstaktion bis heute zieht. Sein unkonventioneller Versuch, das vor Augen zu führen, was im Internet verborgen bleibt, was sich allenfalls erahnen aber eben nicht begreifen lässt, hat ihm eine beachtliche Resonanz beschert – weit über sein eigentliches Wirkungsfeld, die Kunst, hinaus.

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Gerade Wirtschaftsunternehmen, die das Internet tagtäglich nutzen, sind auf Mehnert und seine zu Kunst gewordenen Arbeiten über den Datenfluss aufmerksam geworden und haben ihn zu Vorträgen eingeladen. Die Erkenntnis darüber, welch ungeheure Macht darin besteht, die vielen Daten, die jeder Mensch inzwischen gewollt oder ungewollt im Internet zurücklässt, zusammenzuführen und sie zu einem Netz zu verknüpfen, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt, hat viele Unternehmen sensibilisiert und lässt sie nun die Fragen in immer größeren Zusammenhängen diskutieren. Seine Kunst bietet dabei einen Ansatzpunkt, um das Thema neu zu beleuchten, freut er sich über die Einladungen zu Kolloquien oder Firmenfortbildungen.

Ein regelrechtes Eigenleben hat auch die von Mehnert inspirierte Self-Tracking-App entwickelt, die noch immer aktiviert ist. Jeder, der die App heruntergeladen hat, wird Teil des Bewegungsmusters, das sich inzwischen zu einer Art Wegmarke der Vortragsreisen des Künstlers entwickelt hat. Nach jedem Vortrag treten an bestimmten Orten neue Mitglieder bei und bilden die Keimzelle für weitere Ableger des Netzwerks.

Die größte Dichte an Nutzern und damit an sich immer wieder erneuernden Mustern herrscht nach wie vor in Weil und rund um die Stadt. Dass er mit dem Projekt entgegen aller anfänglichen Skepsis in Weil am Rhein Fuß fassen konnte, dafür ist Mehner nach wie vor dankbar. Derzeit ist er damit beschäftigt, das Projekt zu dokumentieren – in einem spannenden Buch.

Weitere Infos unter http://www.freiheit.florianmehnert.de. Die Self-Tracking-App Freiheit 2.0 lässt sich kostenlos im App Store und bei Google Play downloaden.

Autor: us