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07. Mai 2016

Ganz poetisch unterwegs

AUS DER PARTNERSTADT: Dreyland Dichterweg hebt Mundart als Identität stiftendes Band hervor.

  1. Der neue Rheinuferradweg zwischen Hüningen und Basel wird sehr gut angenommen. Foto: Mahro

  2. Der Weg hält spannende Stationen bereit. Foto: Kaufmann-Spachtholz

WEIL AM RHEIN/HÜNINGEN. In ihrem heutigen Beitrag aus der elsässischen Partnerstadt stellt Magdalena Kaufmann-Spachtholz den neuen Rheinuferweg von Hüningen nach Basel vor, der Teil des neuen Dreyland Dichterweges ist.

Liebe Freunde aus Weil,
zugegeben, wenn Sie kein Alemannisch oder Französisch sprechen, ist dieser poetische Rundgang zwischen Weil am Rhein, Basel und Hüningen schwer zugänglich. Die Broschüre zum DreylandDichterweg, die mir bei der Eröffnung der neuen Fahrradverbindung zwischen Hüningen und Basel in die Hand gedrückt wurde, sagt dazu: "Unsere drei Länder, durch den Rhein verbunden, sind es auch durch die Sprache. Das Elsass, Südbaden und Basel sind seit dem frühen Mittelalter im Alemannischen sprachlich zu Hause." Deshalb war mit dem Rheinuferweg auch die Idee eines länderübergreifenden "Dichterwegs" entstanden mit insgesamt beidseits des Rheins 24 Stationen zu Dichtern aus dem Dreiland.

Fünf Dichterstationen befinden sich davon auf Hüninger Seite. Diese habe ich mir inzwischen erobert. Am Wochenende, denn unter der Woche ist der Rheinuferweg nach wie vor kurz vor der Schweizer Grenze wegen Sanierungsarbeiten an der ehemaligen Chemiefabrik Steih geschlossen. Am Wochenende aber ist der Weg frei, um diesen wirklich sensationellen neuen Rad- oder Fußweg nach Basel zu erkunden. Vielen Dank an die Stadt Basel, Novartis, die Region Elsass und die Stadt Hüningen, dieser Radweg ist ein großes Stück Lebensqualität mehr im Dreiländereck.

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Ich habe mir also die Hüninger Seite des Dichterwegs erschlossen, angefangen bei dem sehnenden Gedicht von Georges Zink aus Hagenbach, über Emil Beurmann aus Basel, der mir an diesem grauen 1. Maitag aus der Seele spricht, wenn er sagt: "S’git männgmal so verloreni Dääg, so grau, so stumpf, so inhaltsläär (…) Was wottsch , s git männgmool so Dääg."

Bei meiner hiesigen Lieblingsdichterin Lina Ritter aus Neudorf, heute Village Neuf, bleibe ich stehen: "Warum trennt uns der Rhi? Ass mir zeige chenne wia me Brucke bäut." Und die hochdeutsche Übersetzung wird auch noch geliefert: "Der Rhein trennt uns, dass wir zeigen können, wie man Brücken baut. Er kann nicht mehr den Sundgauer Dialekt reden, er ist vierzehn Tage in Paris gewesen. Wer seine Mutter vergisst, ist nicht normal, wer seine Muttersprache vergisst..."

Meinen dichterischen Abschluss mache ich im Künstlerbistro "Shakespeare", das dem wohl größten Dichter aller Zeiten gewidmet ist, dessen 400. Todestag zurzeit gefeiert wird. Dieses originelle Bistro des Künstlers Petrit Markaj ist direkt am Einstieg zum Hüninger Wildwasserpark gelegen. Die an Andy Warhol erinnernden Bilder von Petrit, die Einrichtung und der Künstler selbst sind eine Entdeckung wert. Der Charme eines britischen Pubs ist hier spürbar. Da kann man die Poesie bei einem Glas Bier so richtig gut genießen. Mehr Infos finden Sie unter http://www.dreylanddichterweg.eu Ihre

Autor: Magdalena Kaufmann-Spachtholz