Heizen auf der Höhe der Zeit

Hannes Lauber

Von Hannes Lauber

Fr, 21. Juli 2017

Weil am Rhein

Für rund 300 Haus- und Wohnungseigentümer auf der Leopoldshöhe lässt die Stadt eine wertvolle Hilfestellung erarbeiten.

WEIL AM RHEIN. Wie können Hauseigentümer die Anforderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes erfüllen? Bei der Beantwortung dieser Frage greift die Stadtverwaltung wie zuvor im Gebiet Bleicheäcker und in Friedlingen nun auch auf der Leopoldshöhe den Bewohnern unter die Arme. Mit der Ausarbeitung eines energetischen Quartierskonzepts, das nun in Angriff genommen wird und bis Mitte kommenden Jahres fertig sein soll, will sie nicht zuletzt auch Werbung für einen Anschluss an das städtische Fernwärmenetz machen.

Den Auftakt macht eine Informationsveranstaltung am 31. Juli, zu der die etwa 280 bis 300 Hauseigentümer im Quartier Leopoldshöhe eingeladen werden (bei Eigentümergemeinschaften werden die Hausverwalter angeschrieben). Das Quartier ist dabei im Wesentlichen von der Bühlstraße, der Hauptstraße und der Bundesstraße 3 begrenzt, umfasst also auch die Hangkante, wo der Bau des Einkaufszentrums Dreiländergalerie geplant ist. Denkbar sei aber auch, das Quartierskonzept noch auf angrenzende Bereiche auszudehnen, etwa auf die Einkaufsinsel, sagte am Donnerstag bei der Vorstellung des Vorhabens Erster Bürgermeister Huber.

Betreut wird das Quartierskonzept von der Endura Kommunal aus Freiburg, die Kommunen bei der "Gestaltung der Energielandschaft der Zukunft" berät und in Weil am Rhein auch schon mit dem energetischen Quartierskonzept für Friedlingen beauftragt ist. Geschäftsführer Rolf Pfeifer nahm daher bei der Vorstellung des neuen Projekts auch Bezug auf die Erfahrungen in Friedlingen, wo man eine "überraschend gute Resonanz" verzeichnet habe. Das machte er fest an der außergewöhnlich hohen Rücklaufquote eines Fragebogens, den immerhin 48 Prozent der Hauseigentümer beantwortet haben.

Einen solchen Fragebogen wird es nun auch für das Gebiet Leopoldshöhe geben. Dabei geht es darum, Daten über das Alter von Gebäuden und ihre Heizungsanlagen, Art der Dämmungen am Haus, Photovoltaikanlagen oder auch das Interesse an Elektromobilität abzufragen. Aus diesen Angaben können dann zum einen individuelle Handlungsempfehlungen abgeleitet, zum anderen aber auch Perspektiven entwickelt werden, wo gemeinschaftliche Lösungsansätze sinnvoll sind, etwa durch den Einsatz eines Blockheizkraftwerkes.

Ein wesentlicher Ansatz des Quartierskonzeptes soll nach Pfeifers Aussagen auch sein, den Menschen zu helfen, die gesetzlichen Anforderungen an die Energieversorgung zu erfüllen. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz müssen Heizungen, die älter als 30 Jahre sind, ersetzt werden. Bei der neuen Anlage war bis vor kurzem die Verwendung von mindestens zehn Prozent erneuerbare Energien vorgeschrieben. Seit diesem Jahr sind es nun 15 Prozent, was laut Pfeifer, "nicht mehr so leicht zu erreichen ist". Eine Möglichkeit wäre der Anschluss an das städtische Fernwärmenetz, das derzeit gerade zum Messeplatz und zum Johannesquartier erweitert wird und mithin auf der Leopoldshöhe in Kürze verfügbar sein wird, da es dort mit dem Rathaus, dem Kant-Gymnasium, dem Haus der Volksbildung oder der Stadtbücherei schon eine ganze Reihe interessierter großer Abnehmer gibt. Pfeifer sieht seine Aufgabe nun darin, das "Wärmenetz zu denen zu bringen, die es am nötigsten haben" – sprich die von gesetzlichen Regelungen überforderten Hauseigentümer. Gerade für sie sei die Fernwärme eine bequeme Lösung, da die Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben dann nicht mehr von ihnen selbst überwacht werden müsse. Das sei dann vielmehr Sache des Fernwärmeanbieters, also der Stadtwerke.

Pfeifer geht daher ebenso wie OB Dietz und Erster Bürgermeister Huber davon aus, dass der Anschluss an die Fernwärme nicht nur für große Wohnanlagen interessant ist, sondern auch für das klassische Einfamilienhaus eine gute Option darstellt. Aber auch wirtschaftlich sei die Fernwärme attraktiv. Das habe die Stadt erst kürzlich beim Beschluss über den Anschlusszwang im Gebiet Hohe Straße anschaulich nachgewiesen.

Doch auch Hauseigentümer, für die die Fernwärme nicht in Frage kommt, können vom Quartierskonzept profitieren. Es soll nämlich die Energieeffizienz aller Gebäude unter die Lupe nehmen und den Eigentümern dann Vorschläge für eine effiziente Energieversorgung unterbreiten. Dazu könne etwa auch der Einsatz von Solarstromanlagen gehören, mit denen der geforderte Anteil von erneuerbaren Energien ebenfalls erreicht werden kann.

Informationsveranstaltung: Am Montag, 31. Juli, um 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses