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29. September 2015

"Ich komme her, um zu arbeiten"

Elie Levy erklärt im Haus der Volksbildung, was hochgekrempelte Ärmel und manche andere Körperhaltung zu bedeuten haben.

  1. Gestenreich: Elie Levy (links) versteht sich selbst als Untersuchungs- und Demonstrationsobjekt. Foto: Teuber

  2. Nachhilfe fürs Publikum Foto: Dominik Teuber

WEIL AM RHEIN. Viel zu lernen, aber vor allem auch viel zu lachen gab es am Sonntagabend im Haus der Volksbildung. Mit vielen Anekdoten und anhand zahlreicher Beispiele, die er an und mit eigenem Körper vorspielte, brachte der israelische Pantomime Elie Levy bei einem von der Volkshochschule organisierten Vortrag den Besuchern die Geheimnisse der Körpersprache näher.

Levy gab einen breiten Überblick über die verschiedenen Facetten der nonverbalen Kommunikation und entschlüsselte viele der von Gestik und Körperhaltung ausgehenden Botschaften, die die meisten zwar unterbewusst verstehen, die aber bislang wohl die wenigsten bewusst wahrgenommen haben. So gab Levy den Menschen Interpretationshilfen für das private und berufliche Leben mit auf den Weg.

Der vielseitige Levy, der in Israel und Paris eine Schauspielausbildung mit dem Schwerpunkt Pantomime absolvierte und viele Jahre als Künstler und Dozent tätig ist, begann seinen Vortrag mit einer Einführung in die Körpersprache von Kopf bis Fuß. So sensibilisierte er die Zuschauer dafür, dass ein zur Seite geneigter Kopf Vertrauen bedeute, ihn nach hinten zu neigen allerdings Irritation.

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Eine von Levy häufig gewählte Unterscheidung war die zwischen einer offenen und geschlossenen Körperhaltung. So zeigten beispielsweise abwehrend verschränkte Arme, nach innen gedrehte Fußspitzen oder zusammengekauerte Schulterhaltung Ablehnung oder Unsicherheit. Eine offene und selbstbewusste Körperhaltung und nach außen gedrehte Fußspitzen wiederum stünden für Aufgeschlossenheit und ehrliches Interesse.

Levy griff zudem immer wieder die Frage auf, wie man selbstbewusst wirken und Autorität ausstrahlen kann. Hierzu zählte er eine offene Körperhaltung, Blickkontakt im Gespräch und einen satten Handschlag. Dabei spielt laut Levy auch das Aussehen eine Rolle. Neben gepflegter Kleidung und Frisur empfahl er den Besuchern im etwa zu zwei Dritteln gefüllten Haus der Volksbildung, die Grundregel einzuhalten, dass Männer maximal drei Accessoires – Brille, Ring und Armbanduhr – tragen sollten, bei Frauen dürfen’s auch fünf sein.

Zudem bezog Levy immer wieder das Publikum mit ein. Mit Hilfe von Besuchern, die er auf die Bühne holte, zeigte er den optimalen Abstand im Zwiegespräch oder den richtigen Handschlag. Zudem klärte er darüber auf, wie die Polizei Körpersprache nutzt, um Beschuldigte in Verhören unter Druck zu setzen. Dazu gehören langsames Schlendern durch den Raum oder unangenehme körperliche Nähe: "Der Körper ist unser eigenes Territorium, und wenn jemand unerwünscht eindringt, ist das sehr unangenehm."

Immer wieder nutzte Levy amüsante Anekdoten, um den Einfluss von Körpersprache zu verdeutlichen. Viel Spaß hatte er zudem daran, die Manipulationsgesten von Politikern zu demaskieren. Wildes Herumfuchteln am Rednerpult diene vor allem dazu, Aufmerksamkeit zu erregen. Die häufig hochgekrempelten Hemdärmel von Obama hingegen sollen zeigen: "Ich komme her, um zu arbeiten."

Alles in allem also ein lehrreicher Abend, der lediglich ein wenig "männerfixiert" war, weil Levy zur spezifischen Körpersprache der Frauen deutlich weniger zu sagen hatte.

Autor: Dominik Teuber