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26. September 2017

Jagdrecht in der Sakristei und Kirchenfenster eines Stardesigners

Die Stadtführerinnen Rosa Giampapa-Raps und Cosmina Nödinger Sammarra luden zur Doppelführung und zeigten, was die beiden Haltinger Kirchen zu bieten haben.

  1. Rosa Giampapa-Raps und Cosmina Nödinger-Sammarra (Zweite und Dritte von links) luden zum Rundgang durch Sankt Maria und Sankt Georg ein. Foto: Ounas-Kräusel

WEIL AM RHEIN-HALTINGEN (ouk). Wer erinnert sich, dass der weltbekannte Designer Hans Theo Baumann die Fenster im Chor der katholischen Kirche Sankt Maria entworfen hat? Wem ist bekannt, dass die evangelische Pfarrerin der Kirche Sankt Georg in ihrer Sakristei das Jagdrecht hat? Am Sonntag luden die Stadtführerinnen Rosa Giampapa und Cosmina Nödinger-Sammarra zum Rundgang durch die beiden Haltinger Kirchen ein.

Mit nur einer Handvoll Zuhörer begann Rosa Giampapa-Raps die Führung an der Kirche Sankt Maria. Das Gotteshaus im Stil der Markgräfler Dorfkirchen wurde im Januar 1937 eingeweiht. Davor hielten die Haltinger Katholiken ihre Gottesdienste im Rathaus und in der Schule ab. Da immer mehr Katholiken ins Dorf zogen – auch viele Mitarbeiter der Bahn – beschlossen sie im Jahr 1934 ihre eigene Kirche zu bauen. Dabei mussten sie Auflagen erfüllen, wie Rosa Giampapa-Raps erzählte. So sollte die Kirche einen schlichten Innenraum mit 350 Sitzplätzen und unter dem Chor einen Saal mit Abort bekommen.

Schlicht wirkt der Innenraum mit seinen weißen und hellblauen Wänden noch heute nach der Renovierung im Jahr 2011. Damals wurde der Chorraum umgestaltet, der Altar rückte näher zur Gemeinde. Der neue Altar aus Kirschbaumholz, den der Freiburger Künstlers Matthias Dämpfle entwarf, setzt einen warmen Kontrast zu den Wänden. Die Stadtführerin wies auf eine barocke Marienfigur hin, die per Zufall auf dem Dachboden des Pfarrhauses gefunden wurde. Im Chor zeigte sie die Fenster von Theo Baumann. Zwischen Grautönen erstrahlen hell Symbole für den christlichen Glauben, etwa eine Weizenähre und eine Weintraube. Die vier Kirchenglocken wurden im Jahr 1941 während des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen und erst im Jahr 1953 ersetzt.

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"Wahrscheinlich war der Hügel hier schon in römischer Zeit besiedelt", berichtete Cosmina Nödinger-Sammarra, nachdem die kleine Gruppe die Stufen zur Kirche Sankt Georg hinaufgestiegen war. Das Gotteshaus ist mindestens 900 Jahre alt. 1139 wurde es zum ersten Mal erwähnt. 1556 nach der Reformation trat der Pfarrer zum Protestantismus über und heiratete seine Magd, mit der er schon Kinder hatte, erzählte die Stadtführerin.

Zum Geläut gehörte einst die Sebastiansglocke, die zweitälteste Glocke des Markgräflerlandes, so die Stadtführerin. Im Jahr 1932 wurde sie abgenommen, weil sie defekt war, und gelangte auf Umwegen ins Dreiländermuseum in Lörrach. Von dort habe Haltingen sie zum 1250-jährigen Dorfjubiläum ausleihen wollen. Dies sei aber wegen der hohen Versicherungskosten nicht möglich gewesen.

Cosmina Nödinger-Sammarra führte in den hellen Innenraum der Kirche, der geprägt ist von der stattlichen Orgel im Chorraum, von Altar und Kanzel aus hellem Sandstein und einer großen Holzempore. Auch die Sache mit dem Jagdrecht klärte sie auf. Einst soll ein Pfarrer einen verirrten Hasen in der Sakristei erlegt und genüsslich verspeist haben. Da ihm dafür eine saftige Strafe drohte, hatte jemand bei der Kirchenleitung ein Einsehen und erließ das Jagdrecht.

Autor: ouk