Martin Luther erobert das Kant-Gymnasium

Elisabeth Weniger

Von Elisabeth Weniger

Sa, 21. Oktober 2017

Weil am Rhein

Agieren statt trocken dozieren: Oberstufenschüler und Lehrer gestalten ebenso spannenden wie lehrreichen Akademietag zum Thema "Aufbruch in die Moderne".

WEIL AM RHEIN. Als Abschluss der Projektwoche zum Thema "Aufbruch in die Moderne" fand am Freitag die Kant-Akademie statt. Hauptsächlich Oberstufenschüler, aber auch jüngere Schüler, Lehrer und der Elternbeiratsvorsitzende Wolfgang Riedl präsentierten Themen rund um die Reformation und Moderne. Im Vordergrund stand dabei, die Themen so anschaulich wie möglich zu präsentieren.

Das Kant-Gymnasium war am Freitag nicht nur mit Schülern, sondern auch mit deren Freunden und Verwandten gefüllt. Die Schultore standen jedem offen, der gerne den Vorträgen rund um das Thema zuhören wollte. Die Themen waren breit gefächert. So gab es Vorträge, in denen es um Luther und die Reformation ging, aber auch aktuelle gesellschaftliche oder biologische Themen wurden vorgestellt. Die meisten der Präsentationen fanden in klassischer Vortragsform statt, aber es gab auch besondere Präsentationen wie das Luther-Musical der Klasse 7c, den Vortrag von Pfarrer Erik Stier, der als Luther verkleidet "seine" Thesen an den Mann brachte oder die Vorführung von Lehrer Martin Jösel, der zeigte, wie ein Buch von Hand gebunden wird.

Gerade diese interaktiven Vorstellungen lockten viele Besucher. Pfarrer Erik Stier sprach als Luther vor einem vollen Klassenzimmer. Mit viel Hingabe spielte der Pfarrer seine Rolle. Er erklärte dem Publikum seine 95 Thesen. Dabei vergaß er nicht, auch Anregungen zu geben, wie man heutzutage das Christentum leben kann. Auch Martin Jösels Vorführung der Buchbinderei fand großen Anklang. Er hatte aus seiner eigenen Werkstatt verschiedene Bücher und ein altes Gerät, mit dessen Hilfe man früher Bücher eingebunden hat, mitgebracht. Sehr anschaulich schilderte er dem Publikum, wie es in einer Buchbinderwerkstatt früher zuging und sprach von Besonderheiten wie dem Beutelbuch, einem kleinen Buch, dessen Ledereinband so konzipiert ist, dass man es am Gürtel tragen kann.

Aber auch die klassisch präsentierten Vorträge fanden manchen Zuhörer. Mara Stahlberger, die einen Vortrag über den Islamischen Feminismus hielt, sprach vor einem Klassenzimmer, das bis auf den letzten Stuhl und Tisch besetzt war, einige Zuhörer standen sogar. Dies überraschte auch die Referentin, hielt sie aber nicht davon ab, ihr Thema gekonnt zu präsentieren. Sie hatte den Vortrag, den sie bereits im vergangen Schuljahr vorgestellt hatte, etwas gekürzt, dafür aber eine Erläuterung angefügt, weshalb er thematisch zum Leitgedanken der Kant-Akademie "Aufbruch in die Moderne" passt.

Ebenfalls gut besucht war die Vorstellung des jüngsten Vortragenden. Der Sechstklässler Philipp Spohn präsentierte sehr routiniert seinen Vortrag über die heimische Zauneidechse vor über 40 Personen. Auch wenn sein Vortrag kürzer war als der der älteren Schüler, so stand er ihnen in Qualität in nichts nach.

Interessante Themen, gute Referenten und viele Zuhörer

Der Vorsitzende des Elternbeirates Wolfgang Riedl, der über die Bierbrauerei und das Reinheitsgebot sprach, hatte ein eher kleines Publikum, das aber umso mehr Interesse an dem Thema zeigte. Auch Schulleiter Martin Haas war unter den Zuhörern. Riedls Ausführungen waren zwar wissenschaftlich korrekt, am Ende aber nicht immer ganz ernst gemeint und richteten sich häufig mit einem kleinen Augenzwinkern an die Zuhörer. Den Wünschen des Publikums nach einer Kostprobe konnte Riedl aber leider nicht nachkommen.

Der Vortrag des ehemaligen Lehrers Eberhard Büser wurde mehr von einem Expertenpublikum besucht. Zu den Zuhörern gehörten nur Eltern und Lehrer. Gestört hat sich daran niemand, schließlich ist der Grundgedanke der Kant-Akademie, dass jeder die Vorträge besucht, die ihn interessieren. Büser stellte anhand verschiedener Textbeispielen Luther als Übersetzer vor. Neben den übersetzten Texten konnten die Zuschauer auch eine Kopie einer Handschrift von Luther lesen, um sich mit dem damaligen Schriftbild vertraut zu machen.

Das Konzept ging auf jeden Fall auf, Referenten wie Zuhörer hatten Freude an dem Tag und die vielen Besucher zeigen, dass das Interesse am Thema groß war.