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18. Januar 2014

"Mit Lennie ist’s hier super"

Seit den Sommerferien gehört der Border Collie zum festen Team im "La Loona".

  1. Lily Winzer und Lennie vorm „La Loona“ Foto: SENF

WEIL AM RHEIN. Für den siebenjährigen Leon ist alles klar: "Seit Lennie hier ist, komme ich noch viel lieber", fasst er die neue Situation seit den Sommerferien im "La Loona" zusammen. Vor allem als Fußballspieler ist der aufmerksame Border Collie bei den Kindern beliebt, aber natürlich versuchen sie auch, dem Tier immer neue Tricks beizubringen. Das Experiment "tiergestützte Pädagogik" im Friedlinger Jugendhaus kommt bestens an.

Stolz auf ihren Hund ist auch Sozialarbeiterin Lily Winzer, die seit einem Jahr den Jugendtreff leitet. "Hier ist vieles entspannter, seit ich Lennie mitbringe", erklärt sie. Vor allem gelinge es dem Hund, gleichzeitig eine ganze Horde an Kindern, Jungens ebenso wie Mädchen, zu beschäftigen. Kaum ein Mensch würde das schaffen – und schon gar nicht mit der Ausdauer von Lennie, dem als Hütehund die Sorge um seine Herde angeboren ist und der das Spiel mit den Kindern sichtlich genießt. Im Gegenzug kann Lily Winzer die Zeit nutzen, um sich intensiv um einzelne Kinder zu kümmern, was bei einem Andrang von 15 bis 20 Besucher im "La Loona" am Nachmittag keine Selbstverständlichkeit ist.

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Als "Tierverrückte", als die sie sich selbst bezeichnet, hatte sich die 25-Jährige schon während des Studiums mit dem Thema Tiere in der Pädagogik beschäftigt. Dabei werden Tiere, die sich von Natur aus auch jedem Menschen zunächst ganz unvoreingenommen nähern, vor allem als Brücke zu eher schwierigen und verschlossenen Kindern genutzt. "Über das Tier fassen solche Kinder dann auch viel schneller Zutrauen zu Menschen", erklärt Lily Winzer. Allerdings beschränkt sich tiergestützte Pädagogik bisher meist auf abgeschlossene Bereiche. Ein Hund in der offenen Jugendarbeit sei in Deutschland eine echte Ausnahme, erklärt sie.

Entsprechend musste Lily Winzer auch zunächst erst einmal Joachim Sproß, den Leiter der Kaltenbachstiftung von ihrer Idee überzeugen, Lennie, der übrigens nach dem berühmten amerikanischen Dirigenten Leonard Bernstein benannt ist, mit in den Jugendtreff nehmen zu dürfen.

"Am Anfang war das auch nicht ganz einfach, da ist Lennie mir nicht von der Seite gewichen", erinnert sie sich an die ersten Tage im "La Loona". Und natürlich musste sie auch dem einen oder anderen Kind, das noch nie mit einem Tier zu tun hatte, die Scheu vor Lennie nehmen. Inzwischen hat sich das aber eingespielt, wie ein Blick in den kleinen Hof vor dem La Loona zeigt. Ganz selbstverständlich betrachtet Lennie das Jugendhaus und den Hof als sein Revier, und wenn die Kinder einen Ball hervorholen, dann ist der siebenjährige Rüde ganz bei der Sache.

"Als Torwart ist er super", erklärt Louis, "den Ball fangen kann er sogar besser als sich", gibt der Junge zu. Und wenn es ums Gassi gehen geht, da muss Lily Winzer nicht lange fragen, wer mitkommt.

Für Abwechslung und Entspannung sorgt Lennie aber nicht nur, wenn er mit den Kindern im Hof herumtollt. Mindestens so begehrt ist er zum Streicheln und Knuddeln. Kein Wunder, dass sich der verspielte Border Collie inzwischen fast ebenso auf die vier Nachmittage im "La Loona" freut, wie die Kinder. "Wo ist Lennie?" ist bei vielen Kindern die erste Frage beim Betreten des Jugendtreffs – noch bevor sie Lily Winzer selbst begrüßen.

Autor: Ulrich Senf