Moderne Gärten von Versailles

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Sa, 25. März 2017

Weil am Rhein

Die Städtische Galerie Stapflehus in Weil am Rhein zeigt Werke von Basler Kunststudenten.

Ein sanftes Blubbern und Plätschern erfüllt den Raum. Fontänen sprudeln aus imaginären Springbrunnen, der Blick wird hineingezogen in eine weitläufige Parkanlage mit kunstvoll angelegten Wegen, Brunnen, Bäumen, Pflanzen, Skulpturen und Wasserbassins. Diese Wasserspiele sind digital erzeugt in den raffinierten 3D-Animationen von Katrin Niedermeier, die den Garten von Versailles mittels moderner Computertechnik und neuen Medien zu virtuellem Leben erweckt.

Niedermeiers Computer-Animationen sind Teil der Ausstellung "Unsterblicher Garten" in der Städtischen Galerie Stapflehus in Weil am Rhein, wo sieben Studierende von der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst auf Einladung des Weiler Kunstvereins multimediale Arbeiten zeigen. Das übergeordnete Thema ist der Garten von Versailles, der für Pracht, Macht, Fülle und auch Dekadenz der Barockepoche und als Sinnbild für kontrollierte Natur steht. Dieses Symbolhafte des Schlossparks aus der Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. greifen die Kunststudenten auf und setzen es in verschiedensten Medien um: von der Malerei über Skulpturen und Installationen bis zu Videos.

Die in Weil am Rhein lebende Katrin Niedermeier, die diese Gruppe der Studierenden zusammengebracht hat, geht in ihrer wandgroßen Animation vom historischen Original-Grundriss des Gartens von Versailles aus. Man sieht eine Kugel, die aufspringt, schwerelos durch die weitläufige, exakt geplante Gartenanlage rollt und in eines der Bassins und Brunnen eintaucht. Die durch die Park-Architektur rollende Kugel steht in der Art eines Computerspiels sinnbildlich für die Datenübertragung, für das Öffnen von Dateien. So schlägt Niedermeier den Bogen vom Barock ins Internet-Zeitalter und zeigt Analogien auf. Ebenfalls an Originalformen aus Versailles lehnen sich die digitalen Animationen an, in denen Wasserfontänen aus Brunnen aufsteigen: das elegante Dressieren der Natur wird in strenger Choreografie vorgeführt.

Zur kühlen Atmosphäre des Raums passen die weißen Porzellan-Arbeiten von Njomza Sadikaj, die auf antikisierende Skulpturen und Formen in Versailles anspielen. Barocke Fülle, Völlerei und Prasserei drückt der Schweinskopf aus Steinzeug aus, auf dem ein opulenter, voluminöser, fragmentarischer Körper hockt. Zerbrechlichkeit und Fragilität symbolisiert Sadikaj in der mit Klebstreifen umwickelten Kanne aus Porzellan – ein Verweis auf die in Versailles aufblühende Tee- und Kaffeekultur. Außergewöhnlich in Gestaltung und Brenntechnik sind die hohen Gefäßformen mit eingearbeiteten Stoffstrukturen. Nicht minder symbolträchtig ist Katharina Kemmerlings "Griechische Göttin" in Form einer porzellanweißen, halbkugelförmigen Brust.

Ein anderes Bild, bunter, verspielter, farbenreicher, bietet sich im ersten Stock. Die Exponate sind wie eine Parklandschaft im Raum angelegt. Auf dem Boden liegen, wie ein kleiner Seerosen-Teich arrangiert auf grünen Flächen, die "Digital Flowers" von Nadine Cueni. In diesen Videos erscheinen auf fünf Bildschirmen blumenartige Bilder in einem berauschenden Kaleidoskop von Farben und Formen aus der Natur, die sich mit anderen Videoaufnahmen zu flirrenden, zerfließenden Bildcollagen vermischen.

An der Stirnwand hängen großformatige Ölbilder von Niedermeier, in denen sie mythologische Figuren wie Sisyphus, Odysseus, Prometheus und Venus in farbkräftiger, spontan-gestischer Manier umsetzt. Ausgehend von mythologischen Statuen in Versailles, bringt die Künstlerin bewegte Formen, teils übermalte Figurationen, Farben auf die Leinwand. Verspielt und anspielungsreich wirken die Objekte und Plastiken von Katharina Kemmerling in verschiedenen Materialien. In dem opulent gerundeten, prallen, weich ausgestopften Akt aus Filz spielt sie auf barocke Fülle und Weiblichkeit an; die "Termitenkönigin" gewährt verlockende Einblicke in ihr Innerstes; das filigrane mobile "Karussell" aus Mund und Zunge dreht sich um Lustbarkeiten.

Zwischen Himmlischem und Höllischem bewegen sich die Arbeiten im Dachgeschoss. Auf der einen Seite tummeln sich auf einem vieldeutigen Bild von Melanie Kuratli mit eingearbeitetem Tabak dämonische Gestalten und seltsame Fabelwesen. Auf der anderen Seite schwebt in einer Installation von Markus Aebersold und Chris Handberg eine diffuse Wolke aus Maschendraht an der Decke. Durch Lichtprojektionen und kreisende Lichtlinien in dem hauchdünnen Gewebe ergibt sich die Assoziation eines geheimnisvollen, mystischen, nebulösen Universums.

Ausstellung: bis 16. April, Bläsiring 10, Weil am Rhein, Samstag 15-18, Sonntag 14-18 Uhr.