Musikschule punktet mit neuen Ideen

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Fr, 03. Juli 2015

Weil am Rhein

BZ-INTERVIEW mit Karl Gehweiler zur Entwicklung der Musikschule, Herausforderungen und ihrer gesellschaftlichen Aufgabe.

WEIL AM RHEIN. Vor einem Jahr hat Karl Gehweiler die Leitung der städtischen Sing- und Musikschule von Dieter Fahrner übernommen. Ulrich Senf hat sich mit ihm über das unterhalten, was ihn beschäftigt und was sich im vergangenen Jahr entwickelt hat.

BZ: Ein Jahr Musikschulleiter, wie fällt Ihre Bilanz nach dieser Zeit aus?
Gehweiler: Um Bilanz ziehen zu können, ist bei uns viel zu viel im Fluss. Außerdem versuchen wir, immer wieder neue Impulse zu geben und Entwicklungen anzustoßen. Ich kann aber sagen, dass ich jüngst bei unserem Musikschulkonzert sehr von dem beeindruckt war, was das Kollegium und die Schüler alles leisten. Wenn man hört, auf welchem Niveau in Weil musiziert wird und wie vielfältig die Musikschule aufgestellt ist, das macht dann doch richtiggehend stolz.

BZ: Wie weit trägt das Ihre Handschrift?
Gehweiler: Das ist schwer zu sagen, da vieles natürlich schon in der Vergangenheit unter meiner Mitwirkung als stellvertretender Leiter angelegt wurde. Dies führen wir jetzt weiter. Klar ist aber, dass mir etwa unsere Aufbauklasse für besonders begabte Schüler sehr am Herzen liegt. Als fruchtbar hat sich meine Initiative erwiesen, die Führung der Musikschule stärker als Teamarbeit zu begreifen. Die Fachbereiche entwickeln immer selbständiger Ideen, die Allen zugute kommen. Außerdem verfügen wir über einen meiner Meinung nach perfekten Mix von Spitzenförderung und Breitenarbeit.

BZ: Wie weit trägt das auch nach außen?
Gehweiler: Das zeigt sich bis in die Gestaltung der Plakate und Programm etwa für das Musikschulfest. Ich denke aber, dass es vor allem auch spürbar ist, wenn die Eltern ihre Ansprechpartner für die verschiedenen Fragen genau kennen.

BZ: Was hat sich sonst verändert?
Gehweiler: Ich setze die Verjüngung des Kollegiums bei Neueinstellungen um. Dabei zeigt sich allerdings, dass es gar nicht so leicht ist, die Stellen immer nach unserem Anforderungsprofil zu besetzen.
BZ: Fehlt es etwa an Musiklehrern?
Gehweiler: Nein, das hängt damit zusammen, dass wir Unterrichtsmodelle anbieten, die es anderswo nicht gibt und die die Musiklehrer im Normalfall gar nicht kennen. Dazu gehört die intensive Kooperation mit Schulen in den Musikklassen. An die Lehrer stellt der Großgruppenunterricht ganz besondere Ansprüche, auf die nicht alle genügend vorbereitet sind. Da ist es notwendig, dass wir mit unserer Selbstevaluation und den gegenseitigen Unterrichtsbesuchen ebenso wie mit Fortbildungen und einem engen Austausch der Lehrer untereinander dafür sorgen, dass wir den Ansprüchen gerecht werden. Das hat sich sehr gut bewährt.

BZ: Die Zusammenarbeit mit den Schulen hatten Sie vor einem Jahr wegen des zunehmenden Nachmittagsunterrichts als nicht unproblematisch bezeichnet. Wie hat sich das entwickelt?
Gehweiler: Da muss man zwischen den Musikklassen, die in den regulären Schulunterricht und in den Stundenplan integriert sind, und dem normalen Musikunterricht unterscheiden. Die Bildungskooperationen an den allgemeinbildenden Schulen und Kindergärten haben im Regelstundenplan ihren festen Platz und es ist für das Kollegium klar, dass sich der Unterricht über den ganzen Tag verteilt – anders als früher, als ein Musiklehrer davon ausgehen konnte, dass er die Vormittage ganz für sich zum Üben und Vorbereiten hatte. Schwieriger ist der organisatorische Aufwand beim instrumentalen Einzel- und Gruppenunterricht. Der konzentriert sich tatsächlich immer häufiger auf den späteren Nachmittag, wenn die Schule endet. Wir nutzen aber die Möglichkeit, dass gerade Schüler aus den älteren Klassen ihren Musikunterricht so legen können, dass er in Freistunden fällt. Wir haben uns mit den Gegebenheiten arrangiert und kommen damit zurecht.

BZ: Welche Fächer werden überhaupt angeboten?
Gehweiler: Da können wir ganz selbstbewusst sagen: Wir unterrichten alle Musikinstrumente außer dem Akkordeon. Das haben wir mit Rücksicht auf die Vereine ausgeklammert, die ja selbst eine Ausbildung anbieten. Als eine der wenigen Musikschulen kann man bei uns sogar die türkische Langhalslaute, die Saz erlernen. Dieses Angebot kommt gut an und eröffnet uns eine ganz neue Klientel.
BZ: Wie steht es um den Nachwuchs – immerhin gehen die Schülerzahlen an den öffentlichen Schulen eher zurück.
Gehweiler: Rund 1350 Schüler werden von 32 Lehrern unterrichtet – die Zahl ist seit Jahren sehr stabil. Es zeigt sich, dass eine gute Musikschule eben auch entsprechenden Zulauf hat. Wir profitieren dabei sicher auch von dem stetigen Zuzug, den die Stadt Weil am Rhein gerade von hochqualifizierten Arbeitskräften hat. Von dieser gutbürgerlichen Klientel wird die Musikschule als Standortfaktor begrüßt und entsprechend genutzt.

BZ: Wie weit erschließen die Projekte in Grundschulen und sogar Kindergärten ein neues Publikum?
Gehweiler: Ich betrachte es als ganz wichtige gesellschaftliche Aufgabe der Musikschule, Kindern die Begegnung mit Musik in der ganzen Breite mit solchen niedrigschwelligen Angeboten zu ermöglichen. Bemerkenswert ist, dass es immer wieder Eltern gibt, denen über solch eine Musikklasse das Talent ihrer Kinder auffällt und die es dann fördern, auch wenn das für sie eine finanzielle Belastung darstellt. Das finde ich sehr beeindruckend, welch hoher Stellenwert da der Musik eingeräumt wird.

BZ: Die Musikschule hat im vergangenen Jahr den Sprung über den Rhein in die Partnerstadt Hüningen gewagt. Hat das Methode?
Gehweiler: Das Zusammenspiel von Bonds Bigband, die sich zu einem fantastischen Klangkörper und zu einem echten Aushängeschild entwickelt hat, und der Gesangsklasse in Hüningen war eine tolle Sache und soll eine Fortsetzung finden. Eine Schwierigkeit ist, bei gemeinsamen Projekten länderspezifisch unterschiedliche Ferien- und Schulzeiten einzukalkulieren. Aber wir wollen die Kontakte, die wir geknüpft haben, pflegen und ausweiten.

BZ: Wohin geht die Entwicklung?
Gehweiler: Wir wollen mit attraktiven Angeboten bestehen, dazu gehört die Kooperation mit Schulen ebenso wie die mit Vereinen. Ganz neu ist bei uns die Zertifizierung zur "gesunden Musikschule". Die spiegelt unser Bemühen, mit der Musik den ganzen Menschen zu berühren und ihm über das Erlernen eines Musikinstruments hinaus Wege und Methoden zu zeigen, die ihm im Leben helfen.