Mundart

Schopfheimer Mund-Art-Literaturwerkstatt überschreitet Grenzen

Yvonne Siemann

Von Yvonne Siemann

Mo, 26. März 2018 um 00:10 Uhr

Weil am Rhein

Die Mundartliteratur verharre nicht im Lokalen, meint Volker Habermaier, Präsident des Lörracher Hebelbunds. Die Mund-Art-Literaturwerkstatt vereinte Autoren verschiedener Zungenschläge.

"Grenzen sind dazu da, überschritten zu werden", betonte Moderator Volker Habermaier zum öffentlichen Auftakt der 30. Internationalen Schopfheimer Mund-Art Literaturwerkstatt, die traditionell im Weiler Stapflehus stattfand. Dort trafen sich sechs Autoren aus Süddeutschland, der Schweiz, Österreich und dem Elsass, um aus ihren zumeist schon publizierten Texten und Gedichten vorzutragen. Wie Habermaier als Schwabe und Präsident des Lörracher Hebelbundes zu Beginn erklärte, verharre die Mundartliteratur nicht nur im Lokalen. So hörten die mehr als zehn Zuhörer denn auch allerlei Lyrik und Prosa, die die Vielfältigkeit der Mundartliteratur zeigten. Neben Frühlingsgedichten spannte sich der Bogen von humorvollen bis zu nachdenklichen und eindringlichen Beiträgen, die sich mit dem Menschenleben, der Natur oder Vergänglichkeit befassen.

Das Älterwerden ist auch ein Thema für Organisator und Mitbegründer Markus Manfred Jung. Viele der Gedichte, die er bereits vor 30 Jahren geschrieben hat, handeln von diesem Thema: "Und jetzt mergg i, si stimme!", schmunzelte er. Witzig dagegen sein Beitrag über eine Reise nach Sylt, wo er erfährt, dass man seine Gedichte dort schon kennt – wenn auch aus ganz anderen Gründen als erhofft.

Auch Hans Dieter Mairinger aus Linz brachte die Zuhörer mit seinen humorvollen Gedichten über Klassentreffen, beschäftigte Rentner, Schule oder "Goasse" (Geißen) in der Wohnung immer wieder zum Lachen. Rolf Pressburger griff zur Gitarre und sang mit viel Witz im Backnanger Schwäbisch in "Drunte am Bächle" über die erste Liebe mit sieben Jahren und in "In sällem Sommer" über eine Sommerferienreise mit dem 2CV, der mit 60 Kilometern pro Stunde die Straßen unsicher machte.

Berta Thurnherr-Spirig aus Diepoldsau im St. Galler Rheintal versucht in ihren Gedichten mit der bewussten Verwendung von Wörtern wie "Bisnacht" (Nachmittag) den örtlichen Dialekt zu bewahren, der in der regionalen Mundart aufzugehen droht. Daneben trug sie aus den von ihr aufgezeichneten Geschichten eines älteren Dorfbewohners vor, der sich an das Leben am Rhein erinnerte. Elfi Neubauer aus Neckarbischofsheim, die nach eigenen Angaben badisch-fränkisch-pfälzisch schreibt, befasst sich in ihren humorvollen Texten mit den Menschen des Kraichgau und mit ihrer Begegnung mit dem Nachtkrabb, beschäftigt sich in einem Gedicht aber auch mit der menschlichen Ohnmacht gegenüber dem Hochwasser. Albert Strickler aus dem unterelsässischen Sessenheim schließlich warnt vor dem Verkauf der Heimat "fir e Hoseknopf". Daneben hat er seinen Eltern und seinem Großvater ein lyrisches Denkmal gesetzt und das bekannte Sonett "Je vis, je meurs" ins Elsässische übertragen. Publiziert hat er bislang nur auf Französisch, so dass die Werkstatt einen entscheidenden Anstoß für eine Veröffentlichung auf Elsässisch geben soll.