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13. Oktober 2017

Straße wird zum Aufenthaltsraum

Shared Space: Wie aus einem funktionalen Verkehrsweg ein attraktiver Stadtbereich mit Wohlfühlqualität werden soll.

  1. An diesem Beispiel aus London wird klar, wie ein Shared Space aussehen kann. Foto: Topp

WEIL AM RHEIN. Das Zauberwort vom Shared Space, also von der geteilten Fläche, geistert seit einiger Zeit durch die Weiler Verkehrsdiskussionen, zumal wenn von der künftigen Gestaltung der Verkehrsflächen in der Innenstadt die Rede ist. Um was genau es dabei geht, blieb bislang aber unklar. Am Dienstag nun hat der Städte- und Verkehrsplaner Hartmut Topp, der als großer Verfechter der geteilten Fläche gilt, im Weiler Rathaussaal erläutert, was es damit auf sich hat. Etwa 50 Zuhörer nutzten die Gelegenheit.

Wie es bisher war
Bei der Planung von innerörtlichen Straßen wurde bislang verkehrstechnisch vorgegangen. Man legte fest, wie viel Fläche für den Autoverkehr benötigt wird, der Rest des Straßenraums wurde dann auf Fußgänger und eventuell Radfahrer verteilt. Für den Autoverkehr ist das attraktiv, für Fußgänger und Radler oft unzureichend und abschreckend. Die Folge: Die Straße ist als öffentlicher Raum unattraktiv.

Wie es künftig sein soll
Bei der Planung innerörtlicher Straßen und Knotenpunkte sollte eine städtebauliche Bemessung stattfinden. Das heißt, die Planung beginnt vom Straßenrand her und gestaltet diesen so, dass er für Fußgänger und Radfahrer attraktiv ist. Was übrig bleibt, ist dann die Verkehrsfläche für das Auto. Bleibt zu wenig übrig, dann teilen sich Autos und übrige Benutzer die Fläche. Die Folge: Es entstehen moderne, attraktive Stadt- und Aufenthaltsräume.

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Kann man das überall machen?
Für Hartmut Topp gibt es nur wenige Bedingungen, die erfüllt sein müssen, um einen solchen Shared Space zu realisieren. Der Bereich dürfe nicht zu lang sein, sagt er, aber 400 bis 600 Meter seien machbar. Außerdem müsse die Geschwindigkeit der Autos auf Tempo 30 oder 20 reduziert werden. Denn dann seien Autofahrer auch bereit, auf querende Fußgänger oder Radler Rücksicht zu nehmen.

Wie viele Autos verträgt das?
In der niederländischen Stadt Drachten seien in einem solchen Bereich 15 000 Autos und 7000 Radler pro Tag unterwegs. Auf dem Bieler Zentralplatz sind es 12 000 Autos, 1000 Busse und 5500 Velos am Tag. Topp: "Das geht." Durch den Weiler Schlaufenkreisel fahren etwa 12 000 Autos am Tag.

Wie sieht die Lösung

für Weil aus?

Das kann Topp noch nicht sagen. Er arbeitet noch an dem Konzept. Bis zum Frühjahr will er aber soweit sein. Einfließen werden Erkenntnisse aus den Niederlanden, wo man den Shared Space schon länger nutzt, und aus der Schweiz, wo der Shared Space Begegnungszone heißt.

Was unterscheidet Shared

Space und Begegnungszone?

In der Schweizer Begegnungszone gilt Tempo 20, Fußgänger haben Vorrang, Parken ist in gekennzeichneten Flächen erlaubt. Im niederländischen Shared Space gibt es kein Tempolimit, keinen Vorrang für Fußgänger und keine Parkflächen außer für Behinderte.

Worauf kommt es an?
Ein verträgliches und sicheres Miteinander mit bis zu 15 000 Autos pro Tag ist laut Topp möglich, wenn das Tempo maximal 30 km/h beträgt. Zu achten ist auf breite Seitenräume und eine Gliederung der Fläche (wo dürfen Autos fahren?). Trotz der Gliederung muss aber ein einheitliches Erscheinungsbild erreicht werden. Die Seitenräume müssen vom Parken freigehalten und das Parken, Laden und Liefern klar geregelt sein.

Autor: Hannes Lauber