Unterstützung für Brückenbauerinnen

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Fr, 28. Dezember 2018

Weil am Rhein

Bürgerstiftung und Städtische Wohnbau spenden insgesamt 1 250 Euro an Elternmentorenprojekt und internationales Frauencafé.

WEIL AM RHEIN. Sie sind wichtige Brückenbauerinnen zwischen Menschen, die aus einer anderen Kultur in der Stadt ankommen sowie den städtischen Einrichtungen, Schulen und Behörden. Die Rede ist von den Stadtteilmüttern und den Elternmentorinnen. Aber auch das internationale Frauencafé sowie das Themencafé sorgen dafür, dass Frauen mit Migrationshintergrund sich vernetzen und Gemeinschaft erfahren können. Wie sehr die Arbeit dieser in Friedlingen beheimateten Einrichtungen geschätzt wird, zeigten dieser Tage zwei Spendenübergaben.

So ließ Schatzmeisterin Susanne Volkmer von der Weiler Bürgerstiftung dem Elternmentorenprojekt 750 Euro zukommen, während Geschäftsführer Andreas Heiler von der städtischen Wohnbau 500 Euro für das internationale Frauencafé mitgebracht hatte. Er wies darauf hin, dass die städtische Wohnbau Menschen aus 35 Nationen ein Zuhause gibt und zeigte sich von den Initiativen, die die Frauen aus ganz unterschiedlichen Ländern immer wieder gemeinsam starten, sehr beeindruckt. Auch Susanne Volkmer zollte den engagierten Frauen Respekt für ihre Arbeit und ihren Einsatz, der vielen Migrantenfamilien das Ankommen in der Stadt und in Deutschland erleichtere.

Das Netzwerk der Initiativen erläuterte Volker Hentschel vom Diakonischen Werk. So sind die Stadtteilmütter – vier Frauen teilen sich eineinhalb Stellen – beim Diakonischen Werk angestellt. Auch erhalten sie für ihre Arbeit Zuschüsse von der Stadt. Sie suchen den Kontakt zu Migrantenfamilien, deren Sprache und Mentalität sie intuitiv verstehen. Sie stellen Kontakte zu Schulen, Ämtern und Behörden her, helfen unbürokratisch weiter, verweisen auf Beratungsmöglichkeiten und können so viele Ängste und Hemmungen abbauen. "Durch ihre Arbeit schaffen sie weitere Multiplikatoren", so Volker Hentschel. "Wir bieten jeden Dienstag von 14 bis 17 Uhr eine offene Sprechstunde im Mehrgenerationenhaus in Friedlingen an", informierte Emine Akkaya über ein neues Angebot.

Speziell für das deutsche Schulsystem ausgebildet wurden 2014 die 13 interkulturellen Elternmentoren, die Hilfe von Eltern für Eltern anbieten. Der Stadtteilverein stelle gerne das tragende Fundament, auf dem die Mentorinnen und Mentoren als Vermittler, Begleiter und Lotsen im Schulsystem wirken können, versicherte Vorsitzende Gabi Moll. Eine wichtige koordinierende und motivierende Funktion hat dabei Projektleiterin Nilufar Hamidi, die Wünsche aufnimmt und umsetzt.

Geradezu ein Segen sei das internationale Frauencafé im Mehrgenerationenhaus für sie gewesen, als sie vor sieben Jahren neu in Friedlingen angekommen war und hier niemanden kannte, sagte Kamala Hüseynova aus Aserbaidschan, die sich längst selbst auch als Stadtteilmutter und Elternmentorin engagiert. Das internationale Frauencafé ist ein Angebot des Diakonischen Werkes und wird von Migrationsberaterin Silvia Frank geleitet.

Das Themencafé richtet einmal in der Woche den Fokus auf ein ganz konkretes Anliegen, das den Frauen wichtig ist. Einmal im Monat holt man dazu Referenten von außen ins Mehrgenerationenhaus. Eine weitere neue Idee soll nun im Januar umgesetzt werden. Dann werden Frauen und Mädchen regelmäßig zu Musik- und Tanzabenden eingeladen. Dass an den Cafétischen die deutsche Sprache ganz konkret erprobt wird, Politik, Religion sowie persönliche Familienverhältnisse dabei aber außen vor bleiben – diese Regeln hätten sich als genau richtig erwiesen, so Nilufar Hamidi.

Als unverzichtbar sieht auch Hauptamtsleiterin Annette Huber die Arbeit der Friedlinger Netzwerkerinnen an, denn diese schafften nicht zuletzt Vertrauen in die nicht immer einfach zu durchschauende deutsche Bürokratie und ihre Institutionen. Sie freut sich, dass der Wirkungskreis des Netzwerks mittlerweile weit über Friedlingen hinausreicht.