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31. Oktober 2010 15:15 Uhr

Grube macht Weil keine Versprechen

Viel gewagt, noch nichts gewonnen

An Klarheit hatten die Auftritte angesichts des Besuchs von Rüdiger Grube in Weil am Rhein nichts zu wünschen übrig gelassen. Allerdings ging der Bahnchef auf die Vorwürfe und Anregungen nicht ein und versprach einzig, sich die Studie zur Tieflage anzusehen.

  1. Rüdiger Grube in Weil am Rhein. Foto: dpa

Oberbürgermeister Wolfgang Dietz geißelte das skandalöse Vorgehen im Projektbeirat und wies darauf hinwies, dass das Eisenbahnbundesamt entgegen aller Zusagen, dass in Weil Argumente noch einmal geprüft würden, den fertigen Planfeststellungsbeschluss unmittelbar nach der Sitzung des Projektbeirats aus der Schublade zog und als gültig erklärte. Er forderte Grube dazu auf, die Chance zu nutzen, um mit einer veränderten Planung in Haltingen tatsächlich ein Zeichen zu setzen und die Hände jener Menschen zu ergreifen, die willig die Bahnplanung begleiteten. Bürgermeister Klaus Eberhardt illustrierte die Machbarkeit einer Tieferlegung in aller Kürze, aber deswegen nicht weniger nachdrücklich. Dieter Müller kritisierte als Vorsitzender der Bürgerinitiative Lärmschutz Bahn die bestehende Planung als nicht mehr zeitgemäß und stellte dabei den Bau des Milliarden teuren Gotthard-Tunnels als eine Leistung heraus, wie in der Schweiz versucht werde, die Probleme der Menschen zu lösen.

Mehr ließ sich in den nur 50 Minuten, die Grube sich für Haltingen Zeit genommen hatte, nicht erreichen. Nicht zuletzt sorgte eine Schar von gut 500 Bürgern, die sich teils mit Transparententen und Schildern ausgerüstet hatten und die Beiträge mal mit Applaus, mal mit Buh-Rufen kommentierten, dafür, dass der Bahnchef erkennen musste, wie sehr den Bürger die Bahnplanung unter den Nägeln brennt.

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Einzig in einem Punkt ließ der Besuch dann aber doch zu wünschen übrig. Wer nämlich gehofft hatte, dass Grube auf die Argumente und Vorwürfe eingehe, der wurde enttäuscht. Da war weder eine Entschuldigung für das Vorgehen des Eisenbahnbundesamtes zu hören, noch war die Rede davon, die bereits begonnen Arbeiten vorübergehend auszusetzen, wie er später in der Pressekonferenz auf Nachfrage konkretisierte. Grube sagte den Weilern nur zu, dass er sich die Untersuchungen zur Machbarkeit der Tieferlegung einmal selbst ansehen wolle und zusammen mit den Verantwortlichen in Politik und bei der Bahn darüber diskutieren wolle, was sich in Weil noch bewegen lassen – allerdings "ohne den Planfeststellungsbeschluss total zu verwerfen", wie er im Nachsatz einschränkte.

Hoffnung auf grundsätzliche Veränderungen darf man sich in Weil damit wohl nicht mehr machen. Hatte Grube für seine Ankündigung, dass mit ihm die Zeiten vorbei seien, zu denen die Bahn an den Bürgern vorbei geplant hätte, und dass sich Stuttgart 21 nie mehr wiederholen dürfe, noch begeisterten Beifall erhalten, so erntete er Missfallensbekundungen und Zwischenrüfe, als er ankündigte, den Lärm an der Quelle, nämlich bei den Waggons und deren Bremsen angehen zu wollen. "Wir wollen aber keine Mauer in Haltingen", wiesen ihn die Bürger lautstark auf ihr eigentliches Anliegen hin.

"Mein Wille ist da, jetzt suche ich nach dem Weg", war das eher versöhnliche Schlusswort des Bahnchefs, das ihm die Sympathie vieler Zuhörer sicherte. Zuvor hatte er erklärt, dass er in jedem Fall nach Weil zurück kommen werde und bereits mit Umweltministerin Gönner eine Reise verabredet habe und mit Verkehrsminister Ramsauer über eine dritte Besuchsrunde im Gespräch sei. Bei dieser Gelegenheit wolle er dann auch die Ergebnisse seiner Überlegungen vorstellen.

Warum die Weiler ihn überhaupt zu dem Gespräch empfangen hätten, obwohl er im Vorfeld schon "das Gnadengesuch abgelehnt" hatte, als er erklärte, dass sich in Weil nichts mehr ändern lasse, erläuterte Schauspieler Wolfgang Hepp ganz plastisch mit dem Hinweis, dass der Vernunft doch eben Gehör verschafft werden müsse.

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Autor: Ulrich Senf