Vom Mut, nötige Veränderungen mitzugestalten

ouk

Von ouk

Sa, 26. März 2011

Weil am Rhein

Dekan Herbert Rochlitz diskutiert bei der katholischen Arbeitnehmerschaft mit Kirchenangehörigen über die Zukunft der Kirche.

WEIL AM RHEIN (ouk). Sexuelle Missbrauchsfälle, Priestermangel, Kirchenaustritte: Um aus dieser Krise der katholischen Kirche herauszufinden, ruft die Deutsche Bischofskonferenz die Gläubigen zum Dialog. In Weil am Rhein lud die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) am Donnerstag zur Diskussion mit Dekan Herbert Rochlitz über die Zukunft der Kirche. 13 überwiegend ältere Frauen und Männer diskutierten mit.

"Meine Rolle als Pfarrer und als Dekan sehe ich als Brückenbauer", sagte Herbert Rochlitz ganz im Sinne der Bischofskonferenz. Er stellte das Memorandum vor, das 144 Theologieprofessoren im Februar verfasst hatten. Als Reaktion auf die lange vertuschten Missbrauchsfälle fordern sie darin offenere Strukturen und mehr Toleranz in der katholischen Kirche. Unter anderen wollen sie, dass die Gemeinden bei der Bestellung von Pfarrern und Bischöfen mit entscheiden, und dass die Kirche gleichgeschlechtliche Paare und wieder verheiratete Geschiedene nicht ausschließt. Auch das Problem des Priestermangels sprechen sie an und fordern die Zulassung von verheirateten Priestern und Frauen "im Amt".

Viele dieser Forderungen heiße er gut, habe aber trotzdem nicht unterschrieben, sagte Herbert Rochlitz. Er wolle mit den Menschen im Gespräch bleiben, die diesen Weg als schlimme Bedrohung für die Kirche sehen. Er wies darauf hin, dass es in der Kirche konservative Strömungen gibt, wie die Verfasser des "Gegenmemorandums "Pro Ecclesia". Diese Gruppen betonen die Kirchenhierarchie stärker und wollen den Gottesdienst an der alten lateinischen Liturgie ausrichten.

Genau an dieser Konfliktlinie verlief auch die Diskussion in Weil am Rhein: Zu Beginn des Abends notierten die Frauen und Männer auf Kärtchen, was sie in der Kirche stört und was ihnen gefällt: Die Seelsorge komme zu kurz, weil Priester fehlten, Laien und Frauen hätten zu wenig Verantwortung. Die Kirche habe Skandale vertuscht, predige eine rigide Moral und zeige zu wenig Achtung vor Gewissensentscheidungen einzelner, war da zu lesen. Ein Teilnehmer lobte dagegen, dass die Missbrauchsskandale inzwischen aufgearbeitet seien. Andere schrieben, dass die Gottesdienste und die katholische Weltgemeinschaft ihnen Heimat vermittelten.

Zur Zulassung von verheirateten Priestern und von Frauen im Priesteramt äußerte sich Herbert Rochlitz differenziert: Die Aufhebung des Zölibats hielt er – wie die Verfasser des Memorandums – für durchsetzbar. Auch gegen Frauen im Priesteramt gebe es wenig theologische Argumente, meinte er, fürchtete aber: "Das führt zur Spaltung der Kirche."

Zwei Teilnehmerinnen sahen die Einheit der Katholiken in Gefahr, weil heutzutage Gottesdienste in vielfältiger Form gefeiert würden: "Die Kirche zerstört sich selbst", sagte eine der Frauen. Die andere vermisste die lateinische Messe, die sie früher in jedem Land habe feiern können. Herbert Rochlitz antwortete mit dem Bild von der Kirche, die als "wanderndes Volk Gottes" unterwegs sei, und wünschte seinen Zuhörern Mut, Veränderungen mitzugestalten.