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09. November 2012

Vom Ursprung der Namen

Markus Wursthorn und Sabine Theil klärten über die Herkunft zahlreicher Bezeichnungen auf.

  1. Beim „Treffpunkt ab 50“ der Volkshochschule der Älteren waren die Tische voll besetzt. Foto: Smit

  2. Markus Wursthorn Foto: Tristan Smit

WEIL AM RHEIN. Wie sind eigentlich die ganzen alten Namen zustande gekommen? Die Herkunft vieler Ortsbezeichnungen ist oft unklar. Beim "Treffpunkt ab 50" der Volkshochschule der Älteren im Gewölbekeller des alten Rathauses hielt Markus Wursthorn daher mit Sabine Theil einen Vortrag über "Die Geschichte Weils in Straßen- und Gewannnamen".

Mit ruhiger Stimme beschreibt Markus Wursthorn, wie die alten Namen Aufschluss über die Geschichte der Orte geben können. Sabine Theil hat als Stadtführerin zu jedem Beispiel die passende Anekdote parat. An der Lustgartenstraße stand zum Beispiel früher das Lustschloss Ötlikon, auf dem Hochzeiten und andere Feiern veranstaltet wurden. Sabine Theil erzählt daraufhin, wie das Schloss 1650 in Andenken an den Westfälischen Frieden von 1648 in "Friedlingen" umbenannt wurde. Damit ist der Ursprung des Namens dieses Stadtteils von Weil am Rhein klar.

Die Namen können außerdem auf die damaligen Berufe und Gewerbe der Menschen hinweisen, wobei man allerdings auch in die Irre geführt werden könne. "In der Schusterstraße in Haltingen haben zum Beispiel nie Schuster gelebt oder gearbeitet", so Markus Wursthorn. Bei der Schafackerstraße hingegen habe es früher tatsächlich Äcker für Hirten und ihre Herden gegeben und in der Bläserstraße hätten wirklich Musiker gelebt.

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Häufiger zutreffend seien hingegen Namen, die auf die ehemalige Beschaffenheit der Landschaft hinweisen. So kommt es beispielsweise beim Schlipfweg am Südosthang des Tüllingers immer wieder dazu, dass Teile des Berges abrutschen. "Noch heute versetzen die Schweizer ihren Grenzstein alle 100 Jahre neu, damit ihr Land nicht kleiner wird", erzählt Sabine Theil und viele der Zuhörer müssen bei dieser Vorstellung schmunzeln. Auch die Grienstraße gibt Hinweis auf die geologische Beschaffenheit. Grien sei das alemannische Wort für Kies und tatsächlich sei dort früher Kies abgebaut worden. Als weiteres Beispiel nennt er die Reblistraße, wo es früher wirklich Weinreben gab, die die Anwohner anbauten.

Für Erheiterung sorgt noch die Geschichte über die "schöne Berta". Sie lebte in der Domhofstraße und heiratete einen Betrüger, der sich als ungarischer Graf ausgab. Ihr Vater, ein reicher Geistlicher, wurde auf diese Art und Weise einen beachtlichen Teil seines Vermögens als Mitgift los. Über die Herkunft des Straßennamens gibt das zwar wenig Aufschluss, lachen können die Zuhörer darüber aber allemal.

"Manche Straßennamen geben Aufschluss über die damalige Tierwelt", erläutert Markus Wursthorn zuletzt. In der Nähe der Otterbachstraße etwa habe es früher am Wasser tatsächlich Otter gegeben, bis sie dort ausgerottet waren.

Alles in allem erleben die Zuhörer also einen unterhaltsamen Nachmittag im Alten Rathaus, an dessen Ende bei vielen die Erkenntnis steht, dass es noch viel mehr Neues zu entdecken gibt in der Welt der Namen.

Autor: Tristan Smit