Wirtschaftlich rechnet sich das kaum

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Do, 16. November 2017

Weil am Rhein

In der Wohnanlage an der August-Bauer-Straße wird die Wohnbau Mieten zwischen 7,50 und 12 Euro pro Quadratmeter verlangen.

WEIL AM RHEIN. Nachdem die Architekten noch einmal alle Positionen überprüft haben, steht inzwischen die Kostenberechnung für das Bauvorhaben an der August-Bauer-Straße: 43,5 Millionen Euro wird die städtische Wohnungsbaugesellschaft (Wohnbau) in das Vorhaben investieren. Die sozial verträglichen Kaltmieten, die bei 7,50 Euro pro Quadratmeter anfangen, seien nur dadurch möglich, dass die Wohnbau auf Gewinne weitgehend verzichte, erklärte Geschäftsführer Andreas Heiler im Finanzausschuss. Eine Wirtschaftlichkeit im eigentlichen Sinne sei bei dem Projekt zumindest in der Anfangszeit nicht gegeben.

Die Rechnung, die Andreas Heiler aufmacht, ist einfach: Bei Baukosten von 43,5 Millionen Euro und prognostizierten Mieteinnahmen von 1,098 Euro pro Jahr, erwirtschaftet die Wohnanlage eine Verzinsung von 2,5 Prozent. Verzichtet die Wohnbau sogar auf eine Verzinsung ihres Eigenkapitalanteils von 4,35 Millionen Euro an den Baukosten, würde sich der Ertrag rechnerisch sogar auf 2,79 Prozent erhöhen. Allerdings reiche das auf dem aktuellen Markt nicht aus, um Zins und Tilgung für das Fremdkapital zu erwirtschaften, das für den Bau aufgenommen werden muss. "Zwei Prozent beträgt allein die Tilgung und einen langfristigen Kredit mit weniger als 0,8 Prozent Zinsen werden wir wohl kaum bekommen", befürchtet Andreas Heiler.

Umso mehr lobte Stadtrat Andreas Rühle am Dienstag im Finanzausschuss das soziale Engagement der Wohnbau, erinnerte aber auch daran, dass das nur möglich sei, weil die Wohnbau auf einem soliden Fundament stehe und in der Vergangenheit sehr solide gewirtschaftet habe. Davon hatte sich der Finanzausschuss zuvor auch bei der Präsentation des Jahresabschlusses 2016 der städtischen Gesellschaft überzeugen können.

Im Vordergrund steht beim Projekt an der August-Bauer-Straße das gemeinschaftliche Wohnerleben im Quartier. Das Wohnprojekt richte sich an Menschen, die gemeinschaftlich und harmonisch in einer lebendigen Nachbarschaft leben möchten, führte Heiler aus. Das Konzept sei auf ein Zusammenleben mit gegenseitiger Hilfe und Unterstützung bei Aufrechterhaltung der Privatsphäre ausgerichtet. Entsprechend bunt sollen sich auch die künftigen Mieter zusammensetzen: Alte und junge Menschen, Singles, Familien, Alleinerziehende sowie körperlich beeinträchtigte Menschen seien herzlich willkommen. Nicht zuletzt möchte die Wohnbau deshalb diesen Neubau auch ihre langjährigen Stammkunden und Mietern aus dem Bestand anbieten.

Was das Bauprojekt auszeichne, seien vor allem die Wohnungszuschnitte. Die geringe Zahl an Quadratmetern pro Wohnung (die kleinsten Wohnungen fangen bei nur 31 Quadratmetern an) erlaube, dass auch weniger bemittelte Mieter, sogar solche, die auf Unterstützung angewiesen sind, in den Neubau einziehen könnten, rechnete Heiler vor. Die 12 Euro Kaltmiete würden nur in den großen Dachwohnungen verlangt, die den Charakter von Penthousewohnungen hätten, erläuterte er. Dass die zum Teil die Kosten anderer Wohnungen ausglichen, sei eine soziale Komponente des Bauvorhabens, die bewusst angestrebt werde.

Eine klare Vorstellung hat Heiler auch davon, wie er den Wohnraum für die Anschlussunterbringung bereitstellen wird. Vorgesehen sei, dass Flüchtlinge in Wohnungen einziehen, die frei werden, wenn ältere Mieter der Woge von der Möglichkeit Gebrauch machen, in den Neubau an der August-Bauer-Straße zu ziehen. Damit ginge automatisch eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge einher, so wie sie die Stadt seit Jahren anstrebe, um die Integration der Menschen zu beschleunigen, begrüßte auch OB Dietz das Konzept. 24 Wohnungen, so die Abmachung mit der Stadt, will die Wohnbau auf diese Weise bereitstellen.