Streit um Sozialplan

Iveco-Werk steht vor Streik – IG Metall lässt Gespräche platzen

Michael Haberer, aktualisert um 15.30 Uhr

Von Michael Haberer & aktualisert um 15.30 Uhr

Mi, 26. September 2012 um 09:50 Uhr

Weisweil

Bei Iveco Magirus in Weisweil stehen die Zeichen auf Streik: Die IG Metall hat die Gespräche mit der Geschäftsleitung der Fiat-Tochter platzen lassen. Nun wird entschieden, ob es zur Urabstimmung kommt.

Bei Iveco Magirus in Weisweil stehen die Zeichen auf Streik. Die IG Metall hat die Gespräche mit der Geschäftsleitung der Fiat-Tochter Iveco am Dienstag platzen lassen. Dies teilte der Geschäftsführer der IG Metall in Offenburg, Ahmet Karademir, zusammen mit seinem Kollegen Thomas Bleile am Mittwoch den Iveco-Mitarbeitern und der Presse mit. Am Donnerstag wird in Stuttgart entschieden, ob es zur Urabstimmung kommen wird.

Ziel war "lange Brücke" für Mitarbeiter

Karademir sieht kaum noch eine Alternative zum Streik, da der Iveco-Unterhändler Francesco Perciavalle ein Angebot vorleget hat, das Karademir und der Betriebsrat für nicht akzeptabel halten und über das Iveco nicht hinausgehen möchte.

Ziel sei es, den Mitarbeitern eine "lange Brücke" zu bauen, sagte Karademir. Gemeint ist eine Beschäftigungsgesellschaft über 48 Monate, die es den Mitarbeitern erleichtere, neue Jobs zu finden oder sich in die Altersteilzeit hinüberzuretten.

Karademir hält die Forderung auch für erfüllbar, da das Werk Weisweil bislang profitabel gewirtschaftet habe. Er erklärte die Forderung auch für gerechtfertigt, weil es sich hier nicht um einen Betrieb handelt, der wirtschaftlich in Schwierigkeiten ist. Man greife keinem nackten Mann in die Tasche, so Karademir. Sondern es sei eine rein strategische Entscheidung des Konzerns, dieses Werk zugunsten von Ulm zu schließen. Da würden die Rahmenbedingungen für die Schließung eben teurer, sagte Karademir.

Karademir: Keine Alternative zum Abbruch

Nach langem "Herumeiern" habe Iveco angeboten, den Weisweilern die gleichen Konditionen wie den vor der Entlassung stehenden Mitarbeitern in Ulm zu gewähren. Das Angebot lautete 32 Monate Beschäftigungsgesellschaft, wovon die Arbeitsagentur zehn Monate übernehmen würde.

Man habe die Rahmenbedingungen geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass sie nicht einmal an die Zugeständnisse an die Kollegen in Ulm herankommen. Üblich sei es, dass die Verhandlungen beginnen, wenn Angebot und Forderung stehen. Doch der Iveco-Unterhändler habe klar gemacht, dass das Angebot nicht verhandelbar sei, so Karademir. Daraufhin habe er zum Abbruch keine Alternative gesehen.

Iveco wirft "unethisches Verhalten" vor

Iveco habe ihm und dem Betriebsrat unethisches Verhalten vorgeworfen, berichtete Karademir. Er empfinde es als Frechheit, dass Iveco von Ethik spreche. Die Geschäftsleitung sei zu keinem Zeitpunkt mit Betriebsrat und IG Metall ehrlich umgegangen. Iveco habe die nach deutschem Arbeitsrecht dem Betriebsrat zustehenden Informationen vorenthalten. Außerdem habe sich die Geschäftsleitung nicht an Vereinbarungen gehalten. So war für den Wissenstransfer nach Ulm vereinbart worden, dass eine gewisse Zahl von Kollegen aus Ulm in Weisweil geschult werden. Doch Iveco habe sich nicht an die Zahl gehalten, weshalb der Betriebsrat vor knapp drei Wochen den Wissenstransfer gestoppt und von der Geschäftsleitung ultimativ ein Angebot gefordert hatte.

Betriebsversammlung zum Wochenbeginn

"Iveco möchte alle Informationen aus dem Werk herausziehen, um uns für überflüssig zu erklären", meinte Karademir. "Wenn aber hier in einer Woche die Räder stillstehen, wird auch keiner mehr eingearbeitet", merkte er zum letzten Druckmittel der Belegschaft an.

Der nächste Schritt für die Mitarbeiter wird sein, dass Anfang kommender Woche eine Betriebsversammlung einberufen wird, bei der sie über Streik oder vielleicht neue Vorschläge von Iveco informiert werden. Diese Betriebsversammlung sei als erste im neuen Quartal von der Betriebsleitung nicht zu verhindern, versicherte Karademir. Die letzte außerordentliche Betriebsversammlung habe Iveco per einstweiliger Verfügung auflösen lassen, berichtete er. Daran sehe man, mit welch harten Bandagen die Betriebsleitung inzwischen kämpfe.

Mehr zum Thema: