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02. Oktober 2012

Warten auf Signale zur Gesprächsbereitschaft

Belegschaft des Iveco-Werks hält Betriebsversammlung / Iveco-Sprecherin: Abholung von Material ein betriebsüblicher Ablauf.

  1. Betriebsversammlung im Freien am Montag vor dem Iveco-Werk in Weisweil. Foto: Michael Haberer

WEISWEIL. Seit Montag halten die Mitarbeiter des Iveco-Werks Weisweil Betriebsversammlung. Betriebsrat und Vertreter der IG Metall informieren beim Werkstor die Mitarbeiter über den Stand der Verhandlungen mit der Geschäftsleitung. Man hofft, dass vom Management trotz der Nacht- und Nebel-Aktion am Wochenende (siehe BZ vom Montag) erneut Gesprächsbereitschaft signalisiert werde. Laurens Snieders, Vorstandsmitglied von Iveco Deutschland, war am Montag in Weisweil anwesend. Allerdings wollte er gegenüber der Presse nicht zur aktuellen Firmenpolitik Stellung nehmen.

Die Betriebsversammlung soll so lange dauern, bis sich eine Einigung abzeichnet oder bis die Geschäftsleitung erneut durch eine Verfügung des Arbeitsgerichts Freiburg die Belegschaft wieder zum Arbeiten zwingt. Damit die Iveco-Mitarbeiter nicht noch einmal durch eine Abholaktion wie am Wochenende überrascht werden, halten sie über Nacht in Sechs-Stunde-Schichten Wache am Werkstor. Laut Betriebsratsvorsitzendem Stefan Beha haben sich alle Mitarbeiter in die Bereitschaftsliste eingetragen.

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Christiane Kroll, externe Beraterin der Iveco-Geschäftsleitung, erklärte telefonisch gegenüber der Badischen Zeitung zu der durch die Blockade verhinderten Aktion am Wochenende, dass der Iveco-Vorstand von der Reaktion der Belegschaft in Weisweil überrascht worden sei. Es sei ein betriebsüblicher Ablauf gewesen, Material, das in Weisweil gelagert sei und in Ulm gebraucht werde, von Transportern abholen zu lassen, erklärte Kroll am Montag.

Ahmet Karademir, Geschäftsführer der IG Metall in Offenburg, hält es dagegen für bezeichnend, dass Iveco trotz der kritischen Verhandlungssituation eine weitere "Eskalationsmaßnahme" gestartet hat. Aus dem Betriebsrat ist auch von anderen Hinweisen zu hören, dass die Iveco-Mitarbeiter zügig aufs Trockene gesetzt werden sollen. So werden die Chassis für die Sonderfahrzeuge im Zuge der "verlängerten Werkbank" teilweise in anderen Werken bearbeitet. Doch in dem Fertigungsschritt, zu dem sie normalerweise nach Weisweil geschickt würden, kämen sie seit einiger Zeit hier nicht mehr an. Karademir sieht Anzeichen dafür, dass dem Management auch der Wissenstransfer zwischen Weisweil und Ulm nicht mehr viel wert sei. Karademir befürchtet, dass die Geschäftsleitung lieber eine teure Einarbeitung in Ulm in Kauf nimmt, als durch die Schulung in Weisweil der hiesigen Belegschaft entgegenkommen zu müssen.

Autor: Michael Haberer