Wenn Wehmut mitklingt

Volker Münch

Von Volker Münch

Sa, 07. Oktober 2017

Eschbach

Das Aufklärungsgeschwader Immelmann lebt in einem Museum im Gewerbepark Breisgau fort.

ESCHBACH/BREMGARTEN. Jahrzehntelang starteten in Bremgarten Starfighter und später Phantom-Düsenjets zu Aufklärungsflügen in die Luft. Das war die Zeit, als das Aufklärungsgeschwader 51 Immelmann während des kalten Krieges den Luftraum hin zum damaligen Ostblock beobachtete. Nach der Auflösung des Geschwaders 51 Immelmann gründete sich der gleichnamige Traditionsverein, der das Immelmann-Museum im ehemaligen Wasserturm des Flugplatzes im heutigen Gewerbepark Breisgau betreibt.

Noch heute klingt Wehmut mit, wenn Heinz Braun, der Vorsitzende des Traditionsvereins, aus der Geschichte des Aufklärungsgeschwaders erzählt. Gegründet wurde der Verein von 27 ehemaligen Angehörigen und Freunden des Aufklärungsgeschwaders 51 Immelmann im Jahr 1993, als das letzte Einsatzflugzeug den Militärflughafen verlassen hatte. "Wir wollen an die Geschichte und an die Tradition des AG 51 erinnern", erklärt Braun den Zweck des Vereins. Und dazu gehört auch ein kleines Museum, das in vielen Facetten die Geschichte des Aufklärungsgeschwaders im Laufe seiner 45-jährigen Existenz darstellt.

Die Geschichte des AG 51
In Bremgarten, so die damalige Zuordnung des Nato-Flugplatzes vor den Toren Eschbachs, war der Luftwaffenverband von 1968 an, die ersten Flugzeuge, der legendäre und mit vielen Abstürzen behaftete Starfighter, ab 1969 im Markgräflerland stationiert. Möglich wurde das, nachdem Frankreich damals aus der Nato ausgeschieden war und den für die französische Luftwaffe erbauten Flughafen an die Bundesrepublik abgegeben hatte. In vielen Familien im Markgräflerland gab es Personen, die entweder als Piloten oder Zivilbeschäftigte beim Aufklärungsgeschwader ihren Dienst versahen. Später wurde der Starfighter durch die Phantom als Militärjet ersetzt. Mit Ende des kalten Krieges und der Ausweitung des Nato-Gebietes in Richtung Osten wurden auch die Aufklärungsflugzeuge verlegt. Beim "Last Call" stieg die letzte Phantom in einer Sonderlackierung in den Himmel über dem Markgräflerland auf. Ein Moment, an den sich die Mitglieder des Traditionsvereins noch heute mit Wehmut erinnern. Das AG 51 wurde aufgelöst, der Zusatzname Immelmann an das neu aufgestellte Nachfolgegeschwader unter derselben Bezeichnung, mit demselben Zusatznamen weitergereicht.

Ein Museum entstand
Die Flugzeuge waren weg, der Flugplatz wurde abgewickelt, noch ein ganzes Jahr lang hatten die letzten Vertreter des Bodenpersonals alle Hände voll zu tun, die technischen Anlagen abzubauen und die Gebäude für die Rückgabe an die Zivilgesellschaft – die Rolle übernahm der neu gegründete Gewerbepark – vorzubereiten. Das war auch die Zeit, als sich zahlreiche Personen um Heinz Braun dazu entschlossen hatten, die Erinnerung an des Aufklärungsgeschwader lebendig zu halten. Einen großen Förderer fanden die Mitglieder im damaligen Bürgermeister von Hartheim. Erich Dilger stellte ihnen das ehemalige Milchhüsli zu Verfügung. Doch bald war auch dieses Domizil zu klein. Man zog in ein altes Gebäude des Geschwaders im Gewerbepark ein. Als dieses Haus dann anderweitig gebraucht wurde, stand der Traditionsverein kurze Zeit vor ungewisser Zukunft. "Dann ermöglichte uns der Gewerbepark, hier ins Erdgeschoss des alten Wasserturms einzuziehen", erzählt Braun weiter. Das ist nun schon dreieinhalb Jahre her.

Die Ausstellung
"Wir haben viele Artefakte gesammelt", betont Vorsitzender Braun. Das beginnt schon bei der Arbeitskleidung samt Uniformen, verschiedenen Pilotenhelmen, Dokumenten, Filmen von der Luftauswertung, einem kompletten Sitz aus einem Starfighter, Gruppenfotos, Instrumenten samt einer Cockpittafel aus einem der Kampfjets. Außerdem gibt es eine umfangreiche Literatursammlung und viele andere Objekte, die das bekannte Eulen-Logo – das Symbol des Aufklärungsgeschwaders – zieren. Übrigens: Mitarbeiter des Geschwaders hatten einer verletzten Eule das Leben gerettet, sie aufgepäppelt und in einer Voliere ein neues Zuhause gegeben. Als das AG 51 aufgelöst wurde, hat man "Bruno" in den Vogelpark Steinen umgesiedelt.

Wer ist Max Immelmann?
Geboren wurde Max Franz Immelmann im September 1890 in Dresden. Im Ersten Weltkrieg gehörte er zu den Flieger-Legenden, die damals mit zahlreichen Auszeichnungengeehrt wurden und wegen ihres fliegerischen Könnens als Vorbild gehandelt wurden. Immelmann wurde in einem Atemzug mit dem "Rote Baron", so nannte man den berühmten Flieger Freiherr von Richthofen wegen seiner rot lackierten Flugzeuge, erwähnt. Bekannt wurde er auch durch eine eigene Flugfigur im Luftkampf, die als Immelmann-Turn in die Geschichtsbücher einging. Er starb im Alter von 26 Jahren bei einem nie geklärten Absturz.

Öffnungszeiten und weitere Infos
Das Immelmann-Museum ist nur bei Anmeldung geöffnet. Es lassen sich aber kurzfristige Besuche organisieren. Dazu muss man nur die angegebenen Telefonnummern anrufen. Oft kann man auf entsprechende Museumsmitarbeiter in einem der benachbarten Cafés warten. Zu erreichen sind die Verantwortlichen des Traditionsvereins: Tel. 07633/7573, Tel. 07634/4330 und Tel. 0761/500173. Einer der Angerufenen ist in der Regel spätestens in 15 bis 20 Minuten vor Ort.