"Großes Pinot-Kino"

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Sa, 17. Dezember 2016

Südwest

Die Weinführer Gault & Millau und Eichelmann haben ihre Bewertungen für Baden veröffentlicht / Die BZ ordnet sie ein /.

M anche pfeifen auf ihr Urteil, viele Winzer und Weinfreunde warten jedoch jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit gespannt auf ihr Erscheinen. Die Rede ist von den beiden bekanntesten Weinführern Gault & Millau und Eichelmann. Die BZ hat sich ihre Bewertungen für Baden näher angeschaut.

Gerhard Eichelmann widmet sich in seinem Vorwort schwerpunktmäßig den badischen Spätburgundern (Pinot Noir) des Jahres 2014. Für ihn ist dabei klar ein Trend zu "schlankeren Weinen" und zu mehr Säure erkennbar, was der Weinexperte ausdrücklich begrüßt. Für Eichelmann ist der Spätburgunder ohnehin der Gewinner der vergangenen Jahre, nicht nur in Baden, sondern in ganz Deutschland. Viele Winzer hätten inzwischen begriffen, dass die Trauben dieser Rebsorte eher früher und nicht überreif geerntet werden müssten.

Die besten Spätburgunder seien erneut bei den "großen Namen" der Branche zu finden, zum Beispiel im Weingut Bernhard Huber in Malterdingen, bei Konrad Schlör in Tauberfranken, bei Thomas Seeger an der Badischen Bergstraße und in diesem Jahr vor allem bei Martin Waßmer im Markgräflerland.

Waßmer ist es auch, den Eichelmann heuer besonders ehrt: Für ihn kommt die beste deutsche Rotweinkollektion des Jahres aus seinem Betrieb. Dabei hebt Eichelmann in erster Linie die klar strukturierten und reintönigen Pinot Noirs des Betriebes hervor, aber auch den fülligen Syrah sowie die kraftvollen Cuvées Calmo und Chapelle. "Großes Pinot-Kino", urteilt der Weinfachmann. Die größte Dichte an badischen Spitzenweinen gibt es für Eichelmann aber nach wie vor am Kaiserstuhl, wo er nicht nur bei Fritz Keller und Joachim Heger "klasse Kollektionen" gefunden hat, sondern ihn auch Bercher, Salwey, Höfflin, Koch, Köbelin und Michel überzeugen konnten.

Auch bei den Weißen spitze

"Wer große Spätburgunder erzeugt, der glänzt auch mit Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay, das gilt auch im Jahrgang 2015", schreibt Eichelmann. Bei allen drei genannten Rebsorten stand Baden im Finale an der Spitze und hatte mehr "Top Ten"-Platzierungen als jede andere Region. Beim Weißburgunder kam der beste deutsche Wein von Joachim Heger. Es war ein "Großes Gewächs" (GG) vom Achkarrer Schlossberg.

Beim Grauburgunder lag das Weingut Seeger mit einem 2015er GG Oberklamm vorn. Beim Chardonnay und beim Spätburgunder siegte das Weingut Bernhard Huber mit einer 2014er Reserve Schlossberg und einem 2014er GG Wildenstein. Beim Lemberger belegte das Weingut Seeger mit einem 2014er Blaufränkisch GG den ersten Platz. Und in der Kategorie "sonstige rote Rebsorten" siegte das Weingut Schlör mit einem 2014er Schwarzriesling Reichholzheimer First. Doch nicht nur bei den badischen Top-Betrieben, sondern auch in der "zweiten und dritten Reihe" bewegt sich in Baden nach Ansicht von Eichelmann einiges.

Im Weinführer Gault & Millau 2017 schneidet Baden dagegen auch in diesem Jahr nicht gerade besonders ab. Kein hiesiger Winzer erhält einen Ehrenpreis und auch in der Kategorie "Die besten Weine des Jahres" geht Baden wieder leer aus. Generell hält sich der Gault & Millau mit Lob für Baden eher zurück, Ausnahmen sind die Weingüter Heger und Huber, die der Weinführer zur Weltklasse zählt.

Besonders bei den Tropfen von Joachim Heger gerät Otto Geisel, der für den Gault & Millau die badische Weinszene beobachtet, ins Schwärmen: "Nur selten gibt es Betriebe, in denen die weißen Spitzenweine ebenso faszinieren wie die roten Gewächse." Die 2015er Rieslinge von Heger seien "beeindruckend feinnervig" und die Weißburgunder des Jahrgangs cremig und dicht. "Eine eigene Klasse für sich ist jedoch die Phalanx der ‚Großen Gewächse‘ vom 2014er Spätburgunder, welche mit perfekt balancierter Struktur, großer Vielschichtigkeit und enormem Alterungspotenzial zu überzeugen und zu betören wissen", fügt Geisel hinzu. Die "Großen Gewächse" des Weinguts Huber bewertet der Gault & Millau zudem als mit das "Beste, was es an Pinot Noir heute auf dem internationalen Parkett zu kosten gibt".

Mehr Dynamik gefordert

In Geisels Betrachtung zu Baden fehlt jedoch – im Gegensatz zu Eichelmann – weitgehend eine zusammenfassende Einschätzung des Weißweinjahrgangs 2015 und der Rotweine der Jahre 2014 und 2013. Auf Nachfrage der BZ bemängelt Geisel an manchen 2015er Weißweinen den hohen Alkoholgehalt und die vordergründigen Fruchtaromen. Er empfiehlt den Badenern, hier eher den Winzern aus Burgund zu folgen, deren Weine "anfangs eher einem hässlichen Entlein gleichen, sich später aber zu einem schönen Schwan entwickeln". Generell sieht der Weinexperte die Zukunft Badens eher in "filigranen und eleganten" Weinen. Einige Rotweine des Jahrgangs 2014 seien hierfür gute Beispiele.

Im Vergleich mit anderen deutschen Weinbauregionen wünscht sich Geisel von Baden wieder etwas mehr Dynamik. Es gebe wohl einige gute junge Winzer wie Johannes Aufricht aus Meersburg, Johannes Rinker aus Endingen, Friedrich Keller aus Oberbergen und Markus Wöhrle aus Lahr, insgesamt bewege sich Baden derzeit aber eher "in kleinen Schritten" vorwärts. Nicht zu schlagen sei das südlichste deutsche Weinanbaugebiet jedoch, was die Vielfalt angehe: "Die Zahl der Betriebe, die wir empfehlen, ist dort besonders hoch."

Unser Fazit

Die BZ liegt in ihrer Einschätzung der badischen Weinszene näher an Eichelmann als am Gault & Millau, der zum Beispiel Joachim Heger immer noch nicht zur Weltklasse zählt. Auch Weingüter wie Martin Waßmer, Keller, Wöhrle, Gleichenstein und Knab finden wir im Gault & Millau unterbewertet. Viel wichtiger ist jedoch, dass Eichelmann ein wachsameres Auge auf Betriebe der zweiten und dritten Reihe sowie auf Badens Jungwinzer hat. Diese, so sind wir sicher, werden in den nächsten Jahren noch für so manche positive Überraschung sorgen.